„Ich spiele nicht mit.“ – Warum Abgrenzung die beste Strategie für die zweite Lebenshälfte ist

Kürzlich habe ich auf LinkedIn eine kleine Beobachtung geteilt: Ich erhalte dort in letzter Zeit regelmäßig Einladungen zu Spielen und Rätseln. Als systemischer Coach gehe ich stets davon aus, dass jedes Verhalten in seinem jeweiligen Kontext einen Sinn ergibt – ich war mir nur nicht ganz sicher, welchen Sinn diese Spiele für mein berufliches Netzwerk haben sollten.

Meine Intervention war denkbar unspektakulär: Ich spiele nicht mit.

Nicht aus mangelnder Wertschätzung, sondern weil ich meine Zeit und Aufmerksamkeit lieber auf echte Begegnungen, fachlichen Austausch und tragfähige Perspektiven richte. Systemisch betrachtet ist das Abgrenzen eine ganz grundlegende Form gelungener Kommunikation: Erwartungen klären, Grenzen benennen und Unterschiede akzeptieren.

Was im digitalen Netzwerk ein harmloses Schmunzeln auslöst, berührt im Berufsleben ab 50 oft einen existenziellen Nerv: Bei welchen Spielen spielen wir eigentlich noch mit – und warum?

Das Hamsterrad der fremden Spielregeln

Wer 25 oder 30 Jahre Berufserfahrung im Gepäck hat, kennt die unterschiedlichsten Spielarten des Arbeitsmarkts:

  • Das Spiel der ständigen Selbstoptimierung, bei dem jeder flüchtige Trend mitgemacht werden muss.
  • Die unausgesprochenen Spielregeln im Bewerbungsprozess, bei denen Erfahrung plötzlich als „überqualifiziert“ umgedeutet wird.
  • In der Selbstständigkeit: das Getriebensein, jedes Angebot anzunehmen, Preise zu rechtfertigen und sich im digitalen Grundrauschen zu verzetteln, anstatt das eigene Profil scharf zu stellen.

In der Lebensphase 50+ stellen viele Menschen fest, dass die Energie für solche Nebenschauplätze schlicht zu schade ist. Die Frage lautet nicht mehr: „Wie passe ich mich an jedes Spiel an?“, sondern: „Passt dieses Spiel überhaupt noch zu meiner Lebensphase, meinen Werten und meinen Zielen?“

Nicht-Mitspielen als systemische Intervention

In der Systemtheorie gilt ein einfacher Grundsatz: Man kann nicht nicht entscheiden. Auch das Verharren oder das stumme Erdulden von unpassenden Rahmenbedingungen ist eine Entscheidung.

Zu sagen: „Ich spiele hier nicht mehr mit“, ist keine Resignation. Im Gegenteil:

  • Fokus statt Verzettelung: Wer aufhört, auf fremde Erwartungen zu reagieren, gewinnt Raum für die eigenen Stärken.
  • Souveränität durch Klarheit: Grenzen zu setzen signalisiert Professionalität und Standfestigkeit – im Angestelltenverhältnis ebenso wie gegenüber Kunden.
  • Ressourcenschonung: Mit 50+ geht es selten darum, das Rad neu zu erfinden. Es geht darum, das Vorhandene strukturiert, tragfähig und wirtschaftlich sinnvoll auszurichten.

Was das für das Coaching 50+ bedeutet

In meiner Beratung – ob bei der beruflichen Neuorientierung oder bei der Konsolidierung einer Selbstständigkeit – geht es selten um theoretische Patentrezepte. Wir schauen uns die reale Ausgangslage an:

  1. Sortieren: Welche Anforderungen von außen sind wirklich relevant – und was ist nur zeitraubendes Beiwerk?
  2. Klären: Welche Kompetenzen, Werte und Erfahrungen tragen Sie durch die kommenden Jahre?
  3. Handeln: Welche nächsten, machbaren Schritte bringen Stabilität und Ruhe in den Alltag?

Manchmal ist der mutigste und wirksamste nächste Schritt ganz unspektakulär: Eine Grenze zu ziehen, ein klares „Nein“ auszusprechen und sich auf das zu konzentrieren, was wirklich zählt.

Ganz ohne Spiele. Aber mit klarer Richtung.

Haben Sie das Gefühl, dass es Zeit für eine Bestandsaufnahme ist? Ob berufliche Neuorientierung, der Umgang mit Institutionen oder die Frage, wie Sie selbstständig, aber strukturiert & tragfähig bleiben: Lassen Sie uns in einem Erstgespräch klären, was zu Ihrer heutigen Situation passt.

Erstgespräch vereinbaren

Was gehört heute noch in einen Lebenslauf?

Klar, relevant und glaubwürdig statt möglichst vollständig

Der Lebenslauf ist noch immer das zentrale Dokument einer Bewerbung.

Aber was gehört heute eigentlich hinein?

Muss ich wirklich jede Tätigkeit seit der Ausbildung aufführen? Gehört das Geburtsdatum noch in den Lebenslauf? Was mache ich mit längeren Unterbrechungen? Brauche ich ein Bewerbungsfoto? Und wie umfangreich darf ein Lebenslauf nach 20 oder 30 Berufsjahren werden?

Gerade Menschen mit längerer Berufserfahrung stehen häufig vor einem Problem:

Sie haben nicht zu wenig für ihren Lebenslauf – sondern zu viel.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht:

„Wie bekomme ich mein gesamtes Berufsleben in dieses Dokument?“

Sondern:

„Was sollte ein Arbeitgeber über mich wissen, damit er meine Eignung für diese Stelle erkennen kann?“

Ein Lebenslauf ist keine vollständige Lebensgeschichte

Ein Lebenslauf soll einen beruflichen Werdegang nachvollziehbar darstellen.

Er muss aber nicht jede Einzelheit des bisherigen Lebens dokumentieren.

Je länger die Berufserfahrung ist, desto wichtiger wird die Auswahl.

Eine Tätigkeit von vor 25 Jahren kann relevant sein – muss es aber nicht.

Umgekehrt kann eine Tätigkeit, die nur wenige Monate gedauert hat, für eine aktuelle Bewerbung ausgesprochen interessant sein, wenn dabei Erfahrungen gesammelt wurden, die für die neue Stelle wichtig sind.

Der Lebenslauf sollte deshalb immer auch mit Blick auf das heutige berufliche Ziel betrachtet werden.

Was gehört grundsätzlich hinein?

Ein moderner tabellarischer Lebenslauf sollte in der Regel folgende Bereiche enthalten:

Persönliche Angaben

Notwendig sind vor allem:

Vor- und Nachname

Wohnort bzw. Kontaktdaten

Telefonnummer

seriöse E-Mail-Adresse

Weitere persönliche Angaben sollten bewusst ausgewählt werden.

Nicht alles, was früher selbstverständlich in einem Lebenslauf stand, ist heute noch erforderlich.

Berufserfahrung

Die beruflichen Stationen bilden bei Berufserfahrenen meistens den wichtigsten Teil.

Üblich ist eine antichronologische Reihenfolge:

Die aktuelle oder letzte Tätigkeit steht oben, ältere Tätigkeiten folgen darunter.

Zu jeder relevanten Station gehören mindestens:

Zeitraum

Arbeitgeber

Ort

Position oder Tätigkeit

Bei wichtigen beruflichen Stationen sollten zusätzlich einige konkrete Aufgaben oder Verantwortungsbereiche genannt werden.

Statt nur:

2014–2025 – Verkäuferin

ist beispielsweise aussagekräftiger:

2014–2025 – Verkäuferin

  • Kundenberatung und Verkauf
  • Warenpräsentation
  • Kassenführung
  • Warenannahme und Bestandskontrolle
  • Bearbeitung von Reklamationen

Damit wird sichtbar, was jemand tatsächlich kann.

Tätigkeiten beschreiben – aber nicht jede gleich ausführlich

Ein häufiger Fehler besteht darin, alle bisherigen Arbeitsstellen mit derselben Ausführlichkeit darzustellen.

Das ist selten notwendig.

Die für die angestrebte Stelle wichtigsten Erfahrungen dürfen ausführlicher beschrieben werden.

Weniger relevante oder lange zurückliegende Tätigkeiten können knapper bleiben.

Damit entsteht eine Gewichtung:

Was soll der Arbeitgeber zuerst wahrnehmen?

Gerade bei einem Quereinstieg ist diese Frage wichtig.

Denn möglicherweise passt die bisherige Berufsbezeichnung nicht zur neuen Stelle – einzelne Erfahrungen und Kompetenzen passen aber sehr gut.

Ausbildung und Weiterbildung

In diesen Bereich gehören insbesondere:

  • Berufsausbildung
  • Studium
  • relevante Weiterbildungen
  • Zusatzqualifikationen
  • gegebenenfalls wichtige Zertifikate

Auch hier gilt:

Nicht jede Schulung der vergangenen 25 Jahre muss aufgeführt werden.

Relevant ist vor allem, was für die aktuelle berufliche Ausrichtung noch Bedeutung hat.

Bei langer Berufserfahrung kann die schulische Ausbildung dagegen deutlich knapper dargestellt werden.

Kenntnisse und Kompetenzen

Je nach Tätigkeit können beispielsweise genannt werden:

EDV-Kenntnisse

Microsoft Office

branchenspezifische Programme

Sprachkenntnisse

Führerschein

Maschinen- oder Gerätekenntnisse

fachliche Zusatzkenntnisse

Dabei sollte die Einschätzung möglichst realistisch bleiben.

Wer beispielsweise vor vielen Jahren regelmäßig mit Word und Excel gearbeitet hat, heute aber kaum noch damit arbeitet, sollte nicht automatisch „sehr gute MS-Office-Kenntnisse“ angeben.

Glaubwürdigkeit ist wichtiger als eine möglichst beeindruckende Formulierung.

Müssen Geburtsdatum und Familienstand hinein?

Nein.

Geburtsdatum, Geburtsort, Familienstand oder die Anzahl der Kinder gehören nicht zwingend in einen modernen Lebenslauf.

Wer solche Angaben machen möchte, kann das teilweise weiterhin tun.

Für die Beurteilung der beruflichen Eignung sind sie jedoch grundsätzlich nicht erforderlich.

Gerade beim Alter kann es eine bewusste Entscheidung sein, ob das Geburtsdatum angegeben wird.

Allerdings lässt sich das ungefähre Alter bei einem ausführlichen beruflichen Werdegang häufig ohnehin erkennen.

Deshalb halte ich es für wichtiger, nicht krampfhaft das Alter zu verstecken, sondern die vorhandene Berufserfahrung überzeugend darzustellen.

Und das Bewerbungsfoto?

Auch ein Bewerbungsfoto ist keine Pflicht.

Trotzdem werden professionelle Bewerbungsfotos in Deutschland weiterhin häufig verwendet.

Ob ein Foto sinnvoll ist, hängt unter anderem von der Branche, der gewünschten Tätigkeit und der persönlichen Entscheidung ab.

Wenn ein Foto verwendet wird, sollte es aktuell und professionell sein.

Ein schlechtes oder deutlich veraltetes Foto verbessert keine Bewerbung.

Dann ist kein Foto häufig die bessere Lösung.

Was mache ich mit Lücken?

Kaum ein längerer Berufsweg verläuft vollkommen ohne Unterbrechungen.

Arbeitslosigkeit, Kindererziehung, Pflege von Angehörigen, Krankheit, Weiterbildung, berufliche Orientierung oder andere persönliche Veränderungen können Teil einer Biografie sein.

Entscheidend ist zunächst:

Eine Unterbrechung macht einen Lebenslauf nicht automatisch schlecht.

Problematischer wird es häufig, wenn versucht wird, Zeiträume durch unklare Angaben oder künstlich veränderte Daten unsichtbar zu machen.

Der bessere Weg ist meistens eine sachliche und nachvollziehbare Darstellung.

Nicht jede persönliche Einzelheit gehört dabei in die Bewerbungsunterlagen.

Ein Lebenslauf muss verständlich sein – aber nicht das gesamte Privatleben erklären.

Wie lang darf ein Lebenslauf sein?

Die häufig genannte Regel „Ein Lebenslauf darf höchstens zwei Seiten haben“ ist mir zu pauschal.

Für Berufseinsteiger können ein oder zwei Seiten vollkommen ausreichen.

Wer dagegen 25 oder 30 Jahre Berufserfahrung, verschiedene Tätigkeitsfelder und relevante Weiterbildungen mitbringt, benötigt möglicherweise mehr Raum.

Entscheidend ist nicht allein die Seitenzahl.

Entscheidend ist:

Ist die Information für die Bewerbung relevant?

Ein übersichtlicher Lebenslauf über drei Seiten kann besser sein als ein auf zwei Seiten zusammengepresstes Dokument, das kaum noch lesbar ist.

Trotzdem lohnt sich immer die Frage:

Kann etwas gekürzt werden, ohne dass wichtige Informationen verloren gehen?

Ein Lebenslauf sollte zur Stelle passen

Das bedeutet nicht, bei jeder Bewerbung die gesamte Biografie neu zu erfinden.

Aber Schwerpunkte dürfen verändert werden.

Wer sich beispielsweise nach vielen Jahren in der Reinigung für eine Tätigkeit in einer Krankenhausküche bewirbt, kann Erfahrungen mit Hygiene, Arbeitsabläufen im Klinikbetrieb, Teamarbeit und Zuverlässigkeit stärker hervorheben.

Wer aus dem sozialen Bereich in eine Verwaltungstätigkeit wechseln möchte, kann Organisation, Dokumentation, Gesprächsführung und digitale Kompetenzen stärker sichtbar machen.

Die bisherige Erfahrung bleibt dieselbe.

Die Perspektive darauf verändert sich.

Was ich bei einem Lebenslauf zuerst prüfen würde

Wenn Sie Ihren Lebenslauf überarbeiten möchten, können fünf Fragen helfen:

1. Ist innerhalb weniger Sekunden erkennbar, was ich beruflich gemacht habe?

2. Sind meine wichtigsten Erfahrungen und Kompetenzen sichtbar?

3. Passt die Gewichtung zu der Stelle, die ich heute suche?

4. Sind Zeiträume nachvollziehbar und Angaben glaubwürdig?

5. Enthält der Lebenslauf Informationen, die für meine heutige Bewerbung eigentlich keine Bedeutung mehr haben?

Diese Fragen sind häufig hilfreicher als die Suche nach der perfekten Vorlage.

Der Lebenslauf muss nicht perfekt aussehen. Er muss zu Ihnen passen.

Natürlich sollte ein Lebenslauf ordentlich, übersichtlich und professionell gestaltet sein.

Aber gutes Design kann fehlende Klarheit nicht ersetzen.

Ein moderner Lebenslauf muss deshalb nicht besonders außergewöhnlich aussehen.

Er sollte dem Arbeitgeber ermöglichen, schnell zu verstehen:

Was hat dieser Mensch bisher gemacht?

Was kann er?

Welche Erfahrungen sind für unsere Stelle interessant?

Und warum könnte der nächste berufliche Schritt gerade hier sinnvoll sein?

Genau dann erfüllt ein Lebenslauf seine eigentliche Aufgabe.


Sie möchten Ihren Lebenslauf überprüfen oder neu ausrichten?

Gerade nach vielen Berufsjahren, bei einem Wiedereinstieg oder einem geplanten Quereinstieg lohnt sich häufig ein neuer Blick auf vorhandene Bewerbungsunterlagen.

Gemeinsam können wir prüfen, welche Erfahrungen für Ihr heutiges berufliches Ziel relevant sind, was stärker sichtbar werden sollte und was möglicherweise nicht mehr benötigt wird.

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Thomas Saar-Knepper
Systemisches Coaching · Berufliche Beratung · Persönliche Begleitung

Muss ich wirklich etwas verändern?

Wenn der bisherige Beruf nicht mehr richtig passt

Nicht jede Unzufriedenheit im Beruf bedeutet, dass man sofort kündigen oder etwas völlig Neues anfangen sollte.

Es gibt anstrengende Wochen. Schwierige Kollegen. Veränderungen im Unternehmen. Phasen, in denen die Motivation geringer ist. Und manchmal braucht es schlicht Urlaub.

Aber es gibt auch dieses andere Gefühl:

Eigentlich passt es schon länger nicht mehr.

Vielleicht ist die Arbeit körperlich zu belastend geworden.

Vielleicht stimmen Arbeitszeiten und Lebenssituation nicht mehr überein.

Vielleicht hat sich der Beruf verändert.

Vielleicht sind die eigenen Interessen heute andere als vor zehn oder zwanzig Jahren.

Oder es gibt gar keinen einzelnen konkreten Grund.

Nur zunehmend die Frage:

Soll das beruflich wirklich so weitergehen?

Diese Frage ist noch keine Entscheidung.

Aber sie kann ein guter Anlass sein, genauer hinzuschauen.

Berufliche Veränderung muss nicht mit einer Kündigung beginnen

Wer über berufliche Neuorientierung nachdenkt, hat manchmal sofort sehr große Veränderungen vor Augen:

Kündigen. Umschulen. Noch einmal eine Ausbildung beginnen. Einen völlig neuen Beruf erlernen.

Das kann notwendig oder sinnvoll sein.

Es muss aber nicht der erste Schritt sein.

Berufliche Neuorientierung beginnt zunächst mit Orientierung.

Bevor entschieden wird, wohin es gehen soll, lohnt sich deshalb die Frage:

Was genau passt an meiner jetzigen Situation eigentlich nicht mehr?

Denn darauf können sehr unterschiedliche Antworten entstehen.

Ist es wirklich der Beruf?

Das ist eine der wichtigsten Fragen.

Vielleicht macht die eigentliche Tätigkeit weiterhin Freude – aber die Arbeitsbedingungen stimmen nicht mehr.

Vielleicht passt der Beruf, aber nicht mehr der Arbeitgeber.

Vielleicht ist Vollzeit inzwischen zu viel, während dieselbe Tätigkeit mit 25 oder 30 Stunden gut vorstellbar wäre.

Vielleicht stören Schichtdienst, Arbeitsweg oder Wochenendarbeit.

Vielleicht fehlt Entwicklung.

Oder die Arbeit ist körperlich nicht mehr dauerhaft machbar.

Dann lautet die Lösung möglicherweise nicht:

„Ich brauche einen völlig neuen Beruf.“

Sondern:

„Ich brauche andere Bedingungen.“

Das ist ein erheblicher Unterschied.

Was soll bleiben?

Bei beruflicher Neuorientierung wird häufig zuerst darüber gesprochen, was weg soll.

Kein Schichtdienst mehr.

Keine schwere körperliche Arbeit.

Nicht mehr ausschließlich am Schreibtisch sitzen.

Weniger Zeitdruck.

Keine langen Arbeitswege.

Das ist wichtig.

Mindestens ebenso interessant finde ich jedoch eine andere Frage:

Was möchten Sie aus Ihrem bisherigen Berufsleben unbedingt mitnehmen?

Vielleicht den Kontakt mit Menschen.

Vielleicht selbstständiges Arbeiten.

Vielleicht die Sicherheit klarer Abläufe.

Vielleicht Kreativität.

Vielleicht praktische Tätigkeiten.

Vielleicht Verantwortung.

Vielleicht Teamarbeit.

Vielleicht gerade die Möglichkeit, weitgehend allein zu arbeiten.

Berufliche Neuorientierung bedeutet nicht zwangsläufig, alles Bisherige hinter sich zu lassen.

Häufig geht es darum, Bewährtes mit neuen Möglichkeiten zu verbinden.

Die eigene Erfahrung noch einmal neu betrachten

Nach vielen Berufsjahren erscheint das eigene Können oft selbstverständlich.

„Das habe ich eben immer gemacht.“

Gerade darin können jedoch Kompetenzen stecken, die auch in anderen Tätigkeitsfeldern interessant sind.

Wer jahrelang Kunden betreut hat, bringt möglicherweise Kommunikations- und Konflikterfahrung mit.

Wer in Produktion oder Handwerk gearbeitet hat, verfügt vielleicht über technisches Verständnis, Qualitätsbewusstsein und praktische Problemlösungskompetenz.

Wer lange im sozialen Bereich tätig war, hat möglicherweise Gesprächsführung, Organisation und Dokumentation gelernt.

Wer Familie, Beruf und vielleicht zusätzlich die Pflege von Angehörigen organisiert hat, kennt Verantwortung, Planung und Priorisierung aus einer weiteren Perspektive.

Deshalb kann eine hilfreiche Frage lauten:

Was kann ich heute, das ich am Anfang meines Berufslebens noch nicht konnte?

Die Antwort darauf steht nicht immer in einem Zeugnis.

Was möchte ich nicht mehr?

Auch diese Frage darf ausdrücklich gestellt werden.

Denn berufliche Erfahrung bedeutet nicht nur zu wissen, was man kann.

Sie bedeutet häufig auch, genauer zu wissen, unter welchen Bedingungen man nicht mehr arbeiten möchte.

Das ist kein Defizit.

Es ist Information.

Eine Liste könnte beispielsweise so aussehen:

  • keine dauerhafte Nachtarbeit
  • möglichst keine Wochenenden
  • weniger körperliche Belastung
  • maximal 30 Stunden
  • Arbeitsweg höchstens 45 Minuten
  • weiterhin Kontakt mit Menschen
  • keine Führungsverantwortung
  • verlässliche Arbeitszeiten

Plötzlich wird aus einem diffusen Veränderungswunsch ein erstes berufliches Profil.

Noch fehlt vielleicht die Berufsbezeichnung.

Aber die Richtung wird klarer.

Was brauche ich heute?

Mit 20 werden berufliche Entscheidungen unter anderen Bedingungen getroffen als mit 40, 50 oder 60.

Das ist selbstverständlich – wird bei beruflicher Neuorientierung aber manchmal vergessen.

Die Frage sollte deshalb nicht nur lauten:

„Welcher Beruf interessiert mich?“

Sondern auch:

„Welche Arbeit passt zu meinem heutigen Leben?“

Dabei können beispielsweise eine Rolle spielen:

Arbeitszeit,

Gesundheit und Belastbarkeit,

familiäre Verpflichtungen,

finanzielle Anforderungen,

Mobilität,

Wohnort,

Sicherheitsbedürfnis,

soziale Kontakte,

Entwicklungsmöglichkeiten

und persönliche Interessen.

Ein berufliches Ziel ist wenig hilfreich, wenn es dauerhaft nicht zu den eigenen Rahmenbedingungen passt.

Muss aus einem Interesse gleich ein neuer Beruf werden?

Nicht unbedingt.

Jemand arbeitet gerne mit Menschen.

Ein anderer interessiert sich für Tiere.

Jemand arbeitet gerne handwerklich.

Eine andere Person organisiert gerne.

Solche Interessen sind zunächst Hinweise – noch keine fertigen Berufsentscheidungen.

Der nächste Schritt besteht darin, genauer hinzusehen:

Was genau gefällt mir daran?

Wer beispielsweise „gerne mit Menschen arbeitet“, könnte Beratung meinen, Verkauf, Betreuung, Empfang, Anleitung, Pflege, Service oder Teamarbeit.

Wer „gerne am Computer arbeitet“, könnte damit Organisation, Gestaltung, Recherche, Zahlen, Kommunikation oder technische Aufgaben meinen.

Je genauer ein Interesse beschrieben wird, desto mehr berufliche Möglichkeiten werden sichtbar.

Ideen müssen den Realitätstest bestehen

Coaching kann Möglichkeiten öffnen.

Berufliche Beratung sollte aber auch überprüfen, ob diese Möglichkeiten tatsächlich tragfähig sind.

Deshalb gehört zur Neuorientierung irgendwann der Blick auf den Arbeitsmarkt.

Welche Stellen gibt es?

Welche Qualifikationen werden verlangt?

Welche Tätigkeiten stecken tatsächlich hinter einer Berufsbezeichnung?

Welche Arbeitszeiten sind üblich?

Wie wird bezahlt?

Ist ein direkter Quereinstieg möglich?

Brauche ich eine Weiterbildung?

Und gibt es diese Arbeitsplätze überhaupt dort, wo ich leben und arbeiten möchte?

Eine berufliche Idee wird dadurch konkreter.

Manchmal bestätigt die Recherche eine Richtung.

Manchmal zeigt sie, dass etwas angepasst werden muss.

Beides ist ein gutes Ergebnis.

Nicht sofort entscheiden – zunächst ausprobieren

Nicht jede berufliche Frage muss ausschließlich durch Nachdenken beantwortet werden.

Manche Antworten entstehen erst durch Erfahrung.

Deshalb können – abhängig von der jeweiligen Situation – beispielsweise hilfreich sein:

ein Gespräch mit jemandem aus dem Beruf,

eine Betriebsbesichtigung,

ein Praktikum,

eine Hospitation,

ein Probearbeitstag,

eine Informationsveranstaltung,

eine Weiterbildung mit Praxisanteil

oder eine gezielte Recherche konkreter Stellenanzeigen.

Die Frage verändert sich dann von:

„Könnte ich mir das vorstellen?“

zu:

„Wie fühlt sich diese Tätigkeit tatsächlich an?“

Das kann manche Entscheidung erheblich erleichtern.

Eine Neuorientierung darf auch klein sein

Berufliche Veränderung muss nicht spektakulär sein.

Vielleicht bleibt der Beruf gleich und nur der Arbeitgeber ändert sich.

Vielleicht wird aus Vollzeit Teilzeit.

Vielleicht führt ein Quereinstieg in ein benachbartes Tätigkeitsfeld.

Vielleicht ergänzt eine kurze Weiterbildung die vorhandenen Kompetenzen.

Vielleicht wird eine frühere Erfahrung wieder interessant.

Und manchmal entsteht tatsächlich etwas vollkommen Neues.

Entscheidend ist nicht die Größe der Veränderung.

Entscheidend ist, ob sie zur heutigen Situation passt.

Fünf Fragen für eine erste berufliche Standortbestimmung

Wenn Sie überlegen, ob sich beruflich etwas verändern sollte, können Sie mit diesen Fragen beginnen:

1. Was stört mich an meiner derzeitigen beruflichen Situation konkret?

2. Was davon möchte ich in einer neuen Tätigkeit nicht mehr haben?

3. Was möchte ich unbedingt behalten?

4. Welche Erfahrungen und Fähigkeiten möchte ich künftig stärker nutzen?

5. Welche Rahmenbedingungen brauche ich heute, damit Arbeit dauerhaft zu meinem Leben passt?

Sie müssen daraus noch keinen neuen Beruf ableiten.

Vielleicht entsteht zunächst nur ein klareres Bild davon, wonach Sie eigentlich suchen.

Das ist bereits ein wichtiger Schritt.

Nicht immer braucht es sofort einen Plan B

Berufliche Neuorientierung beginnt für mich nicht mit der Aufforderung:

„Sie müssen etwas Neues machen.“

Sie beginnt mit Fragen.

Was passt noch?

Was passt nicht mehr?

Was hat sich verändert?

Was ist bereits vorhanden?

Welche Möglichkeiten könnten daraus entstehen?

Und welche davon lohnt es sich, genauer anzuschauen?

Vielleicht führt diese Klärung zu einem Berufswechsel.

Vielleicht zu einem anderen Arbeitgeber.

Vielleicht zu Weiterbildung, Teilzeit oder Quereinstieg.

Und manchmal führt sie auch zu der Erkenntnis:

Eigentlich möchte ich meinen Beruf behalten – nur unter anderen Bedingungen.

Auch das ist berufliche Orientierung.

Denn eine gute Entscheidung muss nicht möglichst viel verändern.

Sie sollte möglichst gut zur eigenen Situation passen.


Sie überlegen, ob sich beruflich etwas verändern sollte?

Sie müssen noch nicht wissen, welcher Beruf oder welche Stelle es werden soll.

In einer beruflichen Standortbestimmung können wir zunächst gemeinsam betrachten, was Sie mitbringen, was sich verändern soll und welche beruflichen Möglichkeiten zu Ihrer heutigen Situation passen könnten.

[Kostenfreies Erstgespräch vereinbaren]

Thomas Saar-Knepper
Systemisches Coaching · Berufliche Beratung · Persönliche Begleitung

Was kann ich eigentlich noch machen?

Berufliche Neuorientierung nach vielen Berufsjahren

„Was kann ich eigentlich noch machen?“

Diese Frage klingt zunächst einfach.

In der Beratung steckt dahinter jedoch häufig sehr viel mehr.

Vielleicht hat jemand zwanzig oder dreißig Jahre im gleichen Beruf gearbeitet. Vielleicht ist die bisherige Tätigkeit körperlich zu anstrengend geworden. Vielleicht haben sich familiäre Rahmenbedingungen verändert. Vielleicht ist nach längerer Arbeitslosigkeit der Wiedereinstieg schwierig.

Oder es gibt gar keinen konkreten äußeren Anlass.

Nur das Gefühl:

Ich möchte beruflich nicht einfach so weitermachen wie bisher.

Dann beginnt berufliche Neuorientierung.

Und zwar nicht zwangsläufig mit einer Stellenanzeige.

Mit 50 beginnt man nicht bei null

Gerade Menschen mit langer Berufserfahrung unterschätzen manchmal, was sie tatsächlich mitbringen.

Wer beispielsweise zwanzig Jahre in einer Klinikreinigung gearbeitet hat, hat nicht einfach nur „gereinigt“.

Möglicherweise gehören dazu auch:

  • selbstständiges Arbeiten
  • Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit
  • Arbeiten nach klaren Qualitätsstandards
  • Hygienevorschriften
  • Umgang mit unterschiedlichen Berufsgruppen
  • Kommunikation mit Patienten oder Kunden
  • Zeitmanagement
  • Belastbarkeit
  • Arbeiten im Team
  • Verantwortung für bestimmte Bereiche
  • Umgang mit unerwarteten Situationen

Das sind Kompetenzen.

Sie stehen nur nicht immer ausdrücklich im Lebenslauf.

Eine berufliche Neuorientierung beginnt deshalb häufig damit, die eigene berufliche Vergangenheit noch einmal mit einem anderen Blick zu betrachten.

Die entscheidende Frage lautet nicht nur: Was habe ich gemacht?

Mindestens ebenso wichtig ist:

Was davon möchte ich weiterhin machen?

Vielleicht arbeitet jemand gerne mit Menschen, möchte aber nicht mehr im Verkauf tätig sein.

Vielleicht war die Tätigkeit im Büro grundsätzlich passend, der permanente Zeitdruck jedoch nicht.

Vielleicht möchte jemand weiterhin praktisch arbeiten, kann aber körperlich schwere Tätigkeiten nicht mehr ausüben.

Oder jemand möchte nach vielen Jahren Vollzeit künftig nur noch 25 oder 30 Stunden arbeiten.

Das verändert die Suche.

Deshalb gehören für mich zu einer beruflichen Standortbestimmung mindestens drei Perspektiven:

Was bringe ich mit?

Erfahrungen, Kompetenzen, Qualifikationen und persönliche Stärken.

Was möchte ich?

Interessen, Tätigkeiten, Arbeitsumfeld und persönliche Ziele.

Was ist realistisch möglich?

Arbeitsmarkt, Arbeitszeit, Mobilität, gesundheitliche oder familiäre Rahmenbedingungen und gegebenenfalls notwendige Weiterbildung.

Erst dort, wo sich diese drei Bereiche überschneiden, entstehen wirklich interessante berufliche Möglichkeiten.

Auch zu wissen, was man nicht mehr möchte, ist wertvoll

In Beratungsgesprächen höre ich häufig:

„Ich weiß nicht, was ich machen möchte.“

Meine nächste Frage könnte dann sein:

„Wissen Sie denn, was Sie nicht mehr machen möchten?“

Darauf gibt es erstaunlich oft eine sehr konkrete Antwort.

Keine Nachtschichten mehr.

Nicht mehr ausschließlich sitzen.

Nicht mehr den ganzen Tag körperlich arbeiten.

Keine Personalverantwortung mehr.

Mehr Kontakt mit Menschen.

Weniger Kontakt mit Menschen.

Nicht mehr zwei Stunden täglich pendeln.

Keine Vollzeitstelle mehr.

Das klingt zunächst wie eine Liste von Einschränkungen.

Tatsächlich entstehen daraus aber Kriterien für eine neue berufliche Perspektive.

Aus einem unbestimmten „Ich weiß nicht, was ich machen soll“ wird Schritt für Schritt ein klareres Bild.

Quereinstieg bedeutet nicht, die bisherige Erfahrung wegzuwerfen

Ein Berufswechsel wird manchmal so betrachtet, als müsse man noch einmal ganz von vorne anfangen.

Das stimmt häufig nicht.

Interessanter ist die Frage:

Welche meiner bisherigen Erfahrungen lassen sich in ein anderes Tätigkeitsfeld übertragen?

Eine langjährige Verkäuferin bringt beispielsweise Kundenkommunikation und Konflikterfahrung mit.

Ein Handwerker möglicherweise Organisation, Problemlösung und technisches Verständnis.

Eine Reinigungskraft aus einem Krankenhaus kennt Arbeitsabläufe, Hygieneanforderungen und den Umgang mit Menschen in besonderen Situationen.

Eine ehemalige Erzieherin bringt möglicherweise auch nach vielen Jahren außerhalb ihres ursprünglichen Berufs soziale und kommunikative Kompetenzen mit.

Die Berufsbezeichnung verändert sich.

Viele Kompetenzen bleiben.

Weiterbildung kann sinnvoll sein – aber nicht als Selbstzweck

Bei einer beruflichen Neuorientierung taucht schnell die Frage nach Weiterbildung auf.

Auch hier lohnt sich zunächst ein genauerer Blick.

Eine Weiterbildung ist besonders sinnvoll, wenn klar ist:

Welches berufliche Ziel soll damit erreicht werden?

Welche konkrete Qualifikation fehlt dafür?

Wird diese Qualifikation auf dem Arbeitsmarkt tatsächlich verlangt?

Passt die Weiterbildung zu den persönlichen Voraussetzungen?

Erst danach sollte die Frage kommen, welcher Kurs oder welcher Anbieter infrage kommt.

Nicht jede Weiterbildung verbessert automatisch die beruflichen Chancen.

Eine Weiterbildung sollte möglichst eine Brücke zwischen vorhandener Erfahrung und einem realistischen beruflichen Ziel sein.

Und dann kommt der Arbeitsmarkt

Berufliche Orientierung darf nicht ausschließlich im Gespräch stattfinden.

Irgendwann müssen die Ideen mit der Realität abgeglichen werden.

Gibt es entsprechende Stellen?

Welche Anforderungen stellen Arbeitgeber?

Welche Arbeitszeiten werden angeboten?

Wie weit wäre der Arbeitsweg?

Welche Qualifikationen werden tatsächlich verlangt?

Und nicht zuletzt:

Wie fühlt sich eine konkrete Stellenanzeige an?

Manchmal verändert sich eine berufliche Idee sehr schnell, wenn aus einem abstrakten Berufsbild eine konkrete Tätigkeit wird.

Deshalb kann Stellenrecherche bereits Teil der beruflichen Orientierung sein – lange bevor die erste Bewerbung geschrieben wird.

Erst danach kommt die Bewerbung

Wenn eine Richtung erkennbar wird, können Lebenslauf und Bewerbung darauf abgestimmt werden.

Dann verändert sich auch die Perspektive auf den Lebenslauf.

Er lautet nicht mehr:

„Das habe ich alles irgendwann einmal gemacht.“

Sondern:

„Das davon ist für meine nächste berufliche Aufgabe relevant.“

Das ist ein erheblicher Unterschied.

Eine gute Bewerbung erzählt deshalb keine erfundene Erfolgsgeschichte.

Sie macht nachvollziehbar, warum bisherige Erfahrungen, heutige Motivation und eine neue berufliche Aufgabe zusammenpassen können.

Vielleicht lautet die bessere Frage also nicht: Was kann ich noch machen?

Sondern:

Was bringe ich bereits mit?

Was möchte ich davon weiterhin nutzen?

Was soll sich verändern?

Welche Bedingungen brauche ich heute?

Welche Möglichkeiten gibt es tatsächlich?

Und schließlich:

Welchen dieser Wege möchte ich als Nächstes genauer untersuchen?

Berufliche Neuorientierung muss nicht damit beginnen, bereits den neuen Beruf zu kennen.

Sie kann damit beginnen, die eigene Situation genauer zu verstehen.

Aus Möglichkeiten werden dann Optionen.

Aus Optionen können Entscheidungen entstehen.

Und aus einer Entscheidung wird irgendwann ein nächster konkreter Schritt.


Sie denken über eine berufliche Veränderung nach?

In einer beruflichen Standortbestimmung können wir gemeinsam Ihre Erfahrungen, Kompetenzen, Interessen und heutigen Rahmenbedingungen betrachten und daraus mögliche berufliche Richtungen entwickeln.

Dabei muss das Ergebnis nicht bereits vor dem ersten Gespräch feststehen.

Genau dafür ist die Beratung da.

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Thomas Saar-Knepper
Systemisches Coaching · Berufliche Beratung · Persönliche Begleitung

Nicht jeder Weg ist geradlinig – und das muss er auch nicht sein

Warum ich diese Seite starte

Berufliche und persönliche Veränderungen beginnen selten an einem sauber definierten Ausgangspunkt.

Manchmal beginnt Veränderung mit dem Gedanken:

„So wie bisher möchte ich nicht weitermachen.“

Manchmal mit einer Kündigung, einer längeren Phase ohne Arbeit, einer Veränderung in der Familie oder der Erkenntnis, dass der Beruf, der viele Jahre gepasst hat, heute nicht mehr der richtige ist.

Und manchmal lässt sich gar nicht genau benennen, was eigentlich verändert werden soll. Man merkt lediglich: Irgendetwas passt nicht mehr.

Genau an solchen Punkten kann Beratung hilfreich sein.

Nicht immer braucht es sofort eine Lösung

In meiner bisherigen Arbeit als Coach und Berater habe ich viele Menschen in sehr unterschiedlichen Lebenssituationen kennengelernt.

Dabei ist mir eines immer wieder begegnet:

Von Menschen wird häufig erwartet, dass sie bereits eine Antwort kennen.

Welchen Beruf möchten Sie ausüben?

Wo sehen Sie sich in einigen Jahren?

Was ist Ihr nächstes berufliches Ziel?

Welche Stelle suchen Sie?

Was möchten Sie verändern?

Das sind berechtigte Fragen. Aber nicht jeder Mensch kann sie sofort beantworten.

Und vielleicht ist das auch gar nicht notwendig.

Manchmal besteht der erste sinnvolle Schritt nicht darin, eine Antwort zu finden.

Manchmal besteht er darin, die richtige Frage zu entdecken.

Berufliche Veränderung beginnt für mich deshalb nicht mit dem Lebenslauf

Natürlich gehören Lebenslauf, Stellenrecherche, Bewerbungsportale und Vorstellungsgespräche zu einer professionellen beruflichen Beratung.

Aber bevor wir darüber sprechen, wie eine Bewerbung aussehen sollte, interessiert mich etwas anderes:

Wo stehen Sie heute?

Was haben Sie bisher gemacht?

Was davon möchten Sie weiterhin tun?

Was möchten Sie nicht mehr?

Was können Sie besonders gut?

Was ist Ihnen heute wichtiger als vielleicht noch vor zehn Jahren?

Und welche Rahmenbedingungen müssen berücksichtigt werden, damit eine berufliche Perspektive nicht nur auf dem Papier funktioniert, sondern auch im Alltag?

Gerade Menschen mit langer Berufserfahrung bringen häufig sehr viel mehr mit, als in einem tabellarischen Lebenslauf sichtbar wird.

Erfahrung lässt sich nicht ausschließlich in Beschäftigungszeiten messen.

Manchmal ist Arbeit auch gar nicht das erste Thema

Das habe ich in meiner bisherigen Beratungspraxis ebenfalls gelernt.

Es ist wenig hilfreich, mit einem Menschen über die perfekte Bewerbung zu sprechen, wenn gleichzeitig ungeklärte finanzielle Fragen, Schwierigkeiten mit der Wohnung, familiäre Belastungen oder wichtige Behördenangelegenheiten seine gesamte Aufmerksamkeit beanspruchen.

Dann müssen möglicherweise zunächst andere Dinge sortiert werden.

Was ist dringend?

Was ist wichtig?

Was kann warten?

Was kann ich selbst verändern?

Und wo benötige ich Unterstützung?

Aus einem scheinbar unüberschaubaren Berg unterschiedlicher Probleme können so einzelne, bearbeitbare Schritte entstehen.

Das ist für mich ein wesentlicher Bestandteil ganzheitlicher Beratung.

Coaching bedeutet für mich nicht, anderen Menschen zu sagen, was sie tun sollen

Der systemische Ansatz geht von einer für mich sehr wichtigen Grundidee aus:

Menschen verfügen über Erfahrungen, Fähigkeiten und Ressourcen, die für die Entwicklung eigener Lösungen genutzt werden können.

Als Coach muss ich deshalb nicht die bessere Antwort auf das Leben eines anderen Menschen kennen.

Meine Aufgabe ist eine andere.

Ich kann Fragen stellen.

Ich kann Zusammenhänge sichtbar machen.

Ich kann dabei helfen, Gedanken zu sortieren.

Ich kann Informationen geben und Möglichkeiten aufzeigen.

Ich kann eine andere Perspektive anbieten.

Und wenn es notwendig ist, kann Beratung auch sehr praktisch werden.

Dann wird gemeinsam recherchiert, strukturiert, vorbereitet oder ein konkreter nächster Schritt geplant.

Aber die Entscheidung darüber, welcher Weg passt, bleibt bei dem Menschen, der ihn anschließend gehen wird.

Genau darum geht es auf dieser Seite

Mit dieser Website möchte ich einen Ort schaffen, an dem sich diese unterschiedlichen Aspekte meiner Arbeit miteinander verbinden.

Es wird deshalb nicht ausschließlich um Coaching gehen.

Ich werde hier über berufliche Orientierung und Neuorientierung, Bewerbungen und Arbeitsmarkt schreiben.

Über systemisches Coaching, Entscheidungen, Ressourcen und Veränderungsprozesse.

Über Menschen, die nach vielen Berufsjahren noch einmal überlegen:

Was könnte ich eigentlich noch machen?

Aber auch über die ganz praktischen Fragen, die berufliche und persönliche Veränderungen begleiten können.

Wie bereite ich ein wichtiges Gespräch vor?

Wie strukturiere ich eine komplizierte Situation?

Wie gehe ich mit Jobcenter oder Arbeitsagentur in ein Gespräch?

Wie finde ich heraus, welche Weiterbildung tatsächlich sinnvoll sein könnte?

Wie kann aus vielen gleichzeitig offenen Baustellen wieder ein überschaubarer nächster Schritt entstehen?

Dabei möchte ich nicht behaupten, für jede dieser Fragen eine einfache Antwort zu haben.

Mich interessiert vielmehr, wie gute Fragen dabei helfen können, eigene Antworten zu entwickeln.

Vielleicht ist genau das ein guter Ausgangspunkt

Nicht jeder Weg ist geradlinig.

Berufliche Biografien sind es selten.

Das Leben erst recht nicht.

Um etwas zu verändern, muss deshalb nicht schon der gesamte Weg feststehen.

Manchmal reicht zunächst eine Vorstellung davon, wohin es gehen könnte.

Und manchmal reicht sogar noch weniger:

ein nächster Schritt, der sich richtig und machbar anfühlt.

Genau dort kann Coaching beginnen.


Sie möchten Ihre eigene Situation sortieren?

Wenn Sie sich beruflich neu orientieren möchten, vor einer Entscheidung stehen oder zunächst herausfinden wollen, welches Thema für Sie gerade eigentlich im Vordergrund steht, können wir uns in einem unverbindlichen Erstgespräch kennenlernen.

[Kostenfreies Erstgespräch vereinbaren]

Thomas Saar-Knepper
Systemisches Coaching · Berufliche Beratung · Persönliche Begleitung