Ich weiß, was ich nicht mehr will – aber nicht, was stattdessen kommen soll

Warum berufliche Orientierung nicht mit einer fertigen Antwort beginnen muss

Manchmal ist erstaunlich klar, was nicht mehr passt.

Der Beruf macht keine Freude mehr. Die Arbeitsbedingungen kosten zunehmend Kraft. Der Gedanke, noch viele Jahre genau so weiterzumachen, fühlt sich wenig attraktiv an. Vielleicht hat sich auch das eigene Leben verändert – und das, was vor zehn oder zwanzig Jahren gut gepasst hat, passt heute einfach nicht mehr.

Auf die Frage, was stattdessen kommen soll, fehlt jedoch die Antwort.

„Ich weiß ziemlich genau, was ich nicht mehr will. Aber ich habe keine Ahnung, was ich stattdessen machen könnte.“

Das klingt zunächst nach Orientierungslosigkeit. Tatsächlich steckt darin bereits eine ganze Menge Orientierung.

Zu wissen, was nicht mehr passt, ist ein Anfang

Bei einer beruflichen Neuorientierung entsteht schnell der Eindruck, man müsse möglichst früh ein konkretes Ziel benennen können:

Welcher Beruf soll es werden?
Welche Stelle suche ich?
Welche Weiterbildung brauche ich?
Wo möchte ich mich bewerben?

Doch manchmal kommen diese Fragen zu früh.

Wer über längere Zeit unzufrieden mit seiner beruflichen Situation war, hat häufig zunächst etwas anderes herausgefunden: unter welchen Bedingungen er nicht mehr arbeiten möchte.

Das können beispielsweise sein:

  • dauernder Zeitdruck,
  • wechselnde Arbeitszeiten,
  • körperlich belastende Tätigkeiten,
  • fehlende Wertschätzung,
  • wenig Gestaltungsspielraum,
  • ständiger Kundenkontakt,
  • zu viel oder zu wenig Verantwortung,
  • lange Arbeitswege,
  • fehlende Entwicklungsmöglichkeiten,
  • ein Arbeitsumfeld, das nicht mehr zur eigenen Lebenssituation passt.

Diese Erkenntnisse sind keine bloße Negativliste. Sie liefern wichtige Informationen darüber, was künftig anders sein sollte.

Aus „nicht mehr“ kann ein „stattdessen“ entstehen

Eine hilfreiche Frage lautet deshalb nicht sofort:

„Was möchte ich beruflich werden?“

Interessanter können zunächst andere Fragen sein:

Was genau möchte ich nicht mehr?
Was daran belastet mich besonders?
Was müsste anders sein, damit Arbeit wieder besser zu meinem Leben passt?
Was möchte ich aus meiner bisherigen Tätigkeit unbedingt behalten?
Was kann ich gut, obwohl ich es vielleicht nicht mehr in genau diesem Beruf einsetzen möchte?

Aus „Ich möchte nicht mehr ständig unter Zeitdruck arbeiten“ kann beispielsweise der Wunsch nach besser planbaren Arbeitsabläufen entstehen.

Aus „Ich möchte nicht mehr den ganzen Tag körperlich arbeiten“ wird möglicherweise die Suche nach einer Tätigkeit, in der Erfahrung und Fachwissen stärker gefragt sind als körperliche Belastbarkeit.

Und aus „Ich möchte nicht mehr jeden Tag dasselbe machen“ kann sich der Wunsch nach mehr Abwechslung, Verantwortung oder Gestaltungsspielraum entwickeln.

Damit verändert sich die Fragestellung.

Es geht nicht mehr nur darum, von etwas wegzukommen, sondern zunehmend darum, herauszufinden, wohin die Entwicklung gehen könnte.

Der bisherige Beruf ist nicht die Summe der eigenen Fähigkeiten

Gerade nach vielen Berufsjahren passiert etwas Interessantes: Beruf und Fähigkeiten werden leicht miteinander verwechselt.

Wer beispielsweise zwanzig Jahre in einem bestimmten Beruf gearbeitet hat, beschreibt sich häufig mit genau dieser Berufsbezeichnung.

Dabei steckt in diesen zwanzig Jahren sehr viel mehr.

Vielleicht musste man:

  • mit sehr unterschiedlichen Menschen umgehen,
  • Konflikte lösen,
  • Abläufe organisieren,
  • Prioritäten setzen,
  • neue Kolleginnen und Kollegen einarbeiten,
  • improvisieren,
  • Verantwortung übernehmen,
  • Kunden beraten,
  • Termine koordinieren,
  • dokumentieren,
  • unter Zeitdruck Entscheidungen treffen,
  • selbstständig Probleme lösen.

Das sind Kompetenzen, die nicht ausschließlich zu einem einzigen Beruf gehören.

Bei einer Neuorientierung lohnt sich deshalb die Frage:

Welche meiner Fähigkeiten möchte ich weiter nutzen – nur vielleicht in einem anderen Zusammenhang?

Das eröffnet häufig mehr Möglichkeiten als die reine Suche nach ähnlichen Stellenangeboten.

Nicht alles muss verändert werden

Berufliche Neuorientierung wird manchmal mit einem vollständigen Neustart gleichgesetzt.

Doch Veränderung muss nicht bedeuten, alles Bisherige hinter sich zu lassen.

Vielleicht ist der Beruf grundsätzlich noch passend, aber der Arbeitgeber nicht.

Vielleicht stimmt die Tätigkeit, aber nicht mehr der zeitliche Umfang.

Vielleicht sind bestimmte Aufgaben weiterhin interessant, während andere zunehmend belasten.

Oder die bisherige Erfahrung könnte in einem angrenzenden Tätigkeitsfeld eingesetzt werden.

Deshalb kann eine wichtige Zwischenfrage lauten:

Was soll sich verändern – und was soll ausdrücklich bleiben?

Das ist häufig leichter zu beantworten als die große Frage nach dem nächsten Beruf.

Eine kleine Übung zur beruflichen Standortbestimmung

Wer gerade an diesem Punkt steht, kann drei Listen anlegen.

1. Das möchte ich nicht mehr

Hier darf zunächst alles stehen, was an der bisherigen beruflichen Situation nicht mehr passen soll.

Nicht bewerten. Erst einmal sammeln.

2. Das möchte ich behalten

Welche Aspekte der bisherigen Arbeit waren gut?

Das können Tätigkeiten sein, aber auch Arbeitsbedingungen: Kontakt zu Menschen, Selbstständigkeit, Teamarbeit, feste Arbeitszeiten, Bewegung, Verantwortung, Sicherheit oder ein bestimmtes Maß an Routine.

3. Davon hätte ich künftig gerne mehr

Hier wird es besonders interessant.

Mehr Ruhe?
Mehr Verantwortung?
Mehr Kontakt zu Menschen?
Mehr Selbstständigkeit?
Mehr Sicherheit?
Mehr Abwechslung?
Mehr Sinn?
Mehr Einkommen?
Mehr Zeit außerhalb der Arbeit?

Anschließend lohnt sich ein Blick auf alle drei Listen zusammen.

Noch immer muss daraus keine konkrete Berufsbezeichnung entstehen.

Aber möglicherweise wird bereits deutlich, welche Bedingungen eine zukünftige Tätigkeit erfüllen sollte.

Und dann kommt die Realität dazu

Eine berufliche Veränderung findet natürlich nicht im luftleeren Raum statt.

Qualifikationen, Einkommen, Arbeitsmarkt, Alter, Mobilität, Arbeitszeit, familiäre Verpflichtungen und manchmal auch gesundheitliche Belastungsgrenzen spielen eine Rolle.

Deshalb reicht es nicht, nur zu fragen:

„Was würde ich gerne machen?“

Ebenso wichtig ist:

„Was davon ist unter meinen gegenwärtigen Bedingungen realistisch – und was müsste geschehen, damit eine andere Möglichkeit realistisch wird?“

Vielleicht braucht es keine neue Ausbildung, sondern eine gezielte Weiterbildung.

Vielleicht ist ein Quereinstieg möglich.

Vielleicht gibt es Tätigkeitsfelder, die man bisher überhaupt nicht betrachtet hat.

Vielleicht stellt sich aber auch heraus, dass eine vermeintlich attraktive Alternative bei genauerem Hinsehen gar nicht zu den eigenen Anforderungen passt.

Auch das ist ein gutes Ergebnis.

Denn berufliche Orientierung bedeutet nicht, möglichst viele Möglichkeiten zu finden. Es geht darum, passende Möglichkeiten besser von unpassenden unterscheiden zu können.

Nicht die perfekte Antwort suchen

Eine weitere Falle bei der Neuorientierung ist die Suche nach dem einen Beruf, bei dem anschließend alles stimmt.

Den gibt es meistens nicht.

Jede berufliche Entscheidung bringt Vorteile, Nachteile und Kompromisse mit sich.

Eine interessante Tätigkeit kann beispielsweise weniger Sicherheit bieten. Eine sichere Stelle kann weniger Gestaltungsspielraum haben. Eine Weiterbildung kann neue Möglichkeiten eröffnen, verlangt aber zunächst Zeit und Energie.

Deshalb kann eine realistischere Frage lauten:

Welche Möglichkeit passt unter meinen jetzigen Bedingungen gut genug zu mir, um sie genauer zu prüfen?

Das nimmt der Entscheidung etwas von ihrer Endgültigkeit.

Der nächste Schritt muss nicht bereits die Lösung für die nächsten zwanzig Jahre sein.

Manchmal braucht es zunächst Klarheit statt Bewerbungen

Wer noch nicht weiß, wohin die berufliche Reise gehen soll, muss nicht sofort Stellenanzeigen durchsuchen und Bewerbungen verschicken.

Manchmal ist der sinnvollere erste Schritt eine Standortbestimmung:

Was ist gerade eigentlich los?
Was soll sich verändern?
Was soll bleiben?
Welche Erfahrungen und Fähigkeiten bringe ich mit?
Welche Rahmenbedingungen sind wichtig?
Welche Möglichkeiten könnte ich prüfen?

Aus diesen Fragen können erste Optionen entstehen.

Dann lassen sie sich recherchieren, vergleichen und auf ihre Realisierbarkeit überprüfen.

Und aus mehreren Möglichkeiten kann irgendwann ein nächster Schritt werden.

Nicht unbedingt der perfekte.

Aber einer, der zur gegenwärtigen Situation passt.


Vielleicht kennen Sie diese Situation?

Sie wissen ziemlich genau, dass sich beruflich etwas verändern soll – aber noch nicht, wohin die Reise gehen könnte.

Das ist ein sinnvoller Ausgangspunkt für berufliche Orientierung oder systemisches Coaching.

Gemeinsam können wir Ihre Situation sortieren, bisherige Erfahrungen und Ressourcen betrachten, Anforderungen an eine zukünftige Tätigkeit herausarbeiten und mögliche nächste Schritte entwickeln.

Sie müssen zum ersten Gespräch noch keine fertige Lösung mitbringen.

Erstgespräch vereinbaren

Sieben Fragen, die helfen, wenn man beruflich nicht weiterweiß

Eine kleine berufliche Standortbestimmung zum Selbermachen

„Ich weiß gerade nicht, wie es beruflich weitergehen soll.“

Diesen Satz höre ich in Beratungsgesprächen immer wieder.

Manchmal gibt es zu viele Möglichkeiten. Manchmal scheint es gar keine zu geben. Und manchmal dreht man sich mit denselben Gedanken schon seit Wochen im Kreis.

Dann liegt es nahe, sofort nach Lösungen zu suchen:

Welche Stellen gibt es? Welche Weiterbildung könnte ich machen? Welcher Beruf hat Zukunft? Wo könnte ich mich bewerben?

Das sind wichtige Fragen.

Aber möglicherweise kommen sie einen Schritt zu früh.

Bevor nach einer Lösung gesucht wird, kann es hilfreich sein, die eigene Situation genauer zu betrachten.

Die folgenden sieben Fragen können dabei helfen.

Nehmen Sie sich dafür etwas Zeit. Schreiben Sie die Antworten möglichst auf. Es geht nicht darum, sofort den perfekten beruflichen Plan zu entwickeln.

Es geht zunächst darum, klarer zu sehen.

1. Was genau soll sich verändern?

„Ich brauche einen anderen Job“ ist zunächst ein Wunsch – aber noch kein konkretes Ziel.

Interessanter wird es, wenn Sie genauer hinschauen:

Was stört Sie an Ihrer jetzigen Situation?

Ist es die Tätigkeit?

Der Arbeitgeber?

Die Arbeitszeit?

Das Einkommen?

Der Arbeitsweg?

Die körperliche Belastung?

Der Umgang im Team?

Fehlende Entwicklungsmöglichkeiten?

Oder etwas ganz anderes?

Versuchen Sie den Satz zu vervollständigen:

„Meine berufliche Situation wäre besser, wenn …“

Schreiben Sie ruhig mehrere Antworten auf.

Vielleicht stellen Sie dabei fest, dass Sie gar keinen vollkommen neuen Beruf brauchen.

Möglicherweise brauchen Sie vor allem andere Arbeitsbedingungen.

2. Was soll unbedingt bleiben?

Bei Veränderung schauen wir häufig zuerst auf das, was nicht mehr funktioniert.

Systemisch betrachtet ist mindestens ebenso interessant:

Was funktioniert bereits?

Vielleicht möchten Sie weiterhin mit Menschen arbeiten.

Vielleicht mögen Sie praktische Tätigkeiten.

Vielleicht schätzen Sie feste Strukturen.

Vielleicht arbeiten Sie gerne selbstständig.

Vielleicht möchten Sie Ihr Fachwissen weiterhin nutzen.

Vielleicht ist Ihnen ein kleines Team wichtig.

Fragen Sie sich:

„Was würde ich bei einer beruflichen Veränderung vermissen, wenn es plötzlich nicht mehr da wäre?“

Die Antwort zeigt häufig sehr deutlich, was Ihnen bei Arbeit wichtig ist.

3. Was kann ich eigentlich gut?

Diese Frage ist schwieriger, als sie klingt.

Besonders Dinge, die wir seit Jahren selbstverständlich erledigen, nehmen wir häufig nicht mehr als besondere Fähigkeit wahr.

„Das kann doch jeder.“

Stimmt das wirklich?

Denken Sie an konkrete Situationen.

Wobei fragen andere Menschen Sie um Hilfe?

Welche Aufgaben werden Ihnen häufig übertragen?

Was gelingt Ihnen meistens gut?

Welche Probleme können Sie lösen?

Was haben Sie im Laufe Ihres Berufslebens gelernt?

Dabei können fachliche Fähigkeiten ebenso wichtig sein wie beispielsweise:

Organisation,

Kommunikation,

Zuverlässigkeit,

handwerkliches Geschick,

Umgang mit Kunden,

Konfliktfähigkeit,

Dokumentation,

Improvisation,

technisches Verständnis

oder die Fähigkeit, auch in schwierigen Situationen ruhig zu bleiben.

Hilfreich kann außerdem eine Außenperspektive sein.

Fragen Sie jemanden, der Sie gut kennt:

„Was glaubst du, kann ich besonders gut?“

Die Antwort kann überraschen.

4. Wann war Arbeit für mich schon einmal richtig gut?

Das ist eine meiner bevorzugten Fragen.

Nicht:

„Was wäre Ihr idealer Beruf?“

Sondern:

„Gab es eine Situation in Ihrem bisherigen Berufsleben, in der Sie gerne gearbeitet haben?“

Vielleicht fällt Ihnen eine bestimmte Tätigkeit ein.

Ein Projekt.

Ein Arbeitgeber.

Ein Team.

Eine einzelne Aufgabe.

Oder sogar nur ein bestimmter Arbeitstag.

Schauen Sie genauer hin:

Was war damals anders?

Was haben Sie konkret gemacht?

Mit wem haben Sie gearbeitet?

Wie selbstständig konnten Sie handeln?

Wie viel Verantwortung hatten Sie?

Welche Fähigkeiten konnten Sie einsetzen?

Manchmal liegt ein Hinweis auf die Zukunft in einer Erfahrung aus der Vergangenheit.

5. Was möchte ich definitiv nicht mehr?

Auch Ausschlusskriterien sind wertvolle Informationen.

Vielleicht lautet Ihre Liste:

Keine Nachtschichten.

Keine schwere körperliche Arbeit.

Nicht mehr zwei Stunden täglich pendeln.

Keine reine Bildschirmarbeit.

Keine Führungsverantwortung.

Nicht mehr jedes Wochenende arbeiten.

Keine ständig wechselnden Arbeitszeiten.

Das ist keine negative Betrachtung.

Sie definieren damit Rahmenbedingungen.

Versuchen Sie anschließend, aus jedem „Nicht mehr“ eine positive Aussage zu machen.

Aus:

„Keine ständig wechselnden Schichten mehr.“

wird:

„Ich suche möglichst verlässliche Arbeitszeiten.“

Aus:

„Ich möchte nicht mehr ausschließlich allein arbeiten.“

wird:

„Regelmäßiger Kontakt mit Kollegen oder Kunden ist mir wichtig.“

Damit wird aus Ablehnung Orientierung.

6. Was würde ich ausprobieren, wenn ich mich noch nicht entscheiden müsste?

Berufliche Entscheidungen wirken manchmal deshalb so schwer, weil wir glauben, sofort eine endgültige Entscheidung treffen zu müssen.

Versuchen Sie deshalb eine andere Perspektive:

Sie müssen sich heute nicht entscheiden.

Sie sollen lediglich drei Möglichkeiten auswählen, die Sie interessant genug finden, um mehr darüber zu erfahren.

Was würden Sie sich anschauen?

Vielleicht ein anderes Tätigkeitsfeld.

Eine Weiterbildung.

Einen Quereinstieg.

Eine frühere berufliche Idee.

Eine Teilzeittätigkeit.

Eine Selbstständigkeit.

Oder einen Beruf, über den Sie bisher kaum etwas wissen.

Schreiben Sie drei Möglichkeiten auf.

Danach lautet die Frage nicht:

„Welche davon nehme ich?“

Sondern:

„Wie könnte ich mehr darüber erfahren?“

Zum Beispiel durch:

  • Stellenanzeigen
  • Gespräche mit Menschen aus diesem Tätigkeitsfeld
  • Berufsinformationen
  • eine Betriebsbesichtigung
  • eine Informationsveranstaltung
  • ein Praktikum oder eine Hospitation
  • Beratung
  • einen Weiterbildungsträger

Aus einer großen Entscheidung wird dadurch zunächst eine Rechercheaufgabe.

Das nimmt Druck heraus.

7. Was ist der kleinste sinnvolle nächste Schritt?

Jetzt kommt die vielleicht wichtigste Frage.

Nicht:

„Wie löse ich meine gesamte berufliche Zukunft?“

Sondern:

„Was kann ich als Nächstes konkret tun?“

Ein sinnvoller nächster Schritt könnte sein:

eine interessante Stellenanzeige speichern,

den Lebenslauf heraussuchen,

einen Bekannten nach seinem Beruf fragen,

einen Beratungstermin vereinbaren,

eine Weiterbildung recherchieren,

die Arbeitsagentur kontaktieren,

drei interessante Tätigkeitsfelder notieren,

eine Bewerbung abschicken

oder einfach eine Stunde dafür reservieren, die bisherigen Antworten noch einmal durchzugehen.

Der Schritt sollte möglichst konkret sein.

Statt:

„Ich kümmere mich um meine berufliche Zukunft.“

besser:

„Am Donnerstagabend suche ich 30 Minuten nach Stellenanzeigen für zwei Tätigkeitsfelder, die mich interessieren.“

Das lässt sich umsetzen.

Und jetzt?

Wenn Sie die sieben Fragen beantwortet haben, schauen Sie nicht nur auf einzelne Antworten.

Suchen Sie nach Mustern.

Tauchen bestimmte Begriffe mehrfach auf?

Vielleicht schreiben Sie mehrmals:

„Menschen“.

„Ruhe“.

„Abwechslung“.

„Sicherheit“.

„Selbstständig arbeiten“.

„Teilzeit“.

„Praktisch“.

„Verantwortung“.

„Kreativ“.

Solche Wiederholungen können Hinweise darauf geben, welche Bedingungen für Ihre nächste berufliche Aufgabe wichtig sein könnten.

Versuchen Sie anschließend drei Überschriften zu bilden:

Das möchte ich behalten

Was funktioniert bereits und soll auch künftig Teil Ihrer Arbeit sein?

Das möchte ich verändern

Was passt heute nicht mehr?

Das möchte ich untersuchen

Welche Möglichkeiten sind interessant genug, um sie genauer anzuschauen?

Damit haben Sie noch keinen fertigen Berufsplan.

Aber Sie haben etwas anderes:

eine erste berufliche Standortbestimmung.

Eine gute Frage muss nicht sofort eine Antwort liefern

Manchmal wird von Beratung erwartet, möglichst schnell Antworten zu geben.

„Machen Sie diese Weiterbildung.“

„Bewerben Sie sich dort.“

„Dieser Beruf passt zu Ihnen.“

Ich halte einen anderen Weg häufig für nachhaltiger.

Eine gute Frage kann dazu führen, dass jemand Zusammenhänge erkennt, die vorher nicht sichtbar waren.

Aus:

„Ich weiß nicht, was ich machen soll.“

kann beispielsweise werden:

„Ich möchte weiterhin mit Menschen arbeiten, aber nicht mehr im Schichtdienst und nicht mehr körperlich schwer. Teilzeit wäre für mich ideal. Jetzt möchte ich herausfinden, welche Tätigkeiten dazu passen.“

Das Problem ist damit noch nicht vollständig gelöst.

Aber die Ausgangslage hat sich verändert.

Und genau darin kann der Wert einer guten Frage liegen.

Die Antworten dürfen sich verändern

Diese sieben Fragen sind kein Test.

Es gibt keine richtigen oder falschen Antworten.

Und was heute wichtig erscheint, kann in einem Jahr anders aussehen.

Berufliche Orientierung ist deshalb nicht immer eine einmalige Entscheidung.

Sie kann ein Prozess sein.

Manchmal brauchen wir eine neue Antwort.

Und manchmal brauchen wir zunächst nur eine bessere Frage.


Sie möchten Ihre Antworten gemeinsam weiterentwickeln?

Wenn aus ersten Gedanken konkrete berufliche Möglichkeiten werden sollen, können wir Ihre Erfahrungen, Kompetenzen, Interessen und Rahmenbedingungen gemeinsam genauer betrachten.

Daraus können wir mögliche Tätigkeitsfelder entwickeln und anschließend überprüfen, welche davon tatsächlich zu Ihnen und zum Arbeitsmarkt passen.

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Thomas Saar-Knepper
Systemisches Coaching · Berufliche Beratung · Persönliche Begleitung

Wenn die Arbeitssuche gerade nicht das wichtigste Problem ist

Warum berufliche Veränderung manchmal an einer ganz anderen Stelle beginnt

„Ich brauche einen Job.“

Das kann ein klares Ziel sein. Und trotzdem kann es Situationen geben, in denen die Stellensuche gerade nicht das wichtigste Thema ist.

Vielleicht droht der Verlust der Wohnung.

Vielleicht stapeln sich ungeöffnete Briefe.

Vielleicht belasten finanzielle Sorgen den Alltag.

Vielleicht müssen gleichzeitig Termine bei Behörden, Ärzten oder anderen Stellen organisiert werden.

Vielleicht gibt es Konflikte in der Familie.

Oder die eigene Lebenssituation ist so unübersichtlich geworden, dass schon die Frage „Was möchten Sie beruflich machen?“ kaum zu beantworten ist.

Dann hilft es wenig, einfach die nächste Stellenbörse zu öffnen.

Manchmal muss zunächst etwas anderes geklärt werden.

Arbeitssuche braucht Aufmerksamkeit und Energie

Eine ernsthafte Arbeitssuche verlangt einiges.

Stellen recherchieren, Anforderungen verstehen, Entscheidungen treffen, Bewerbungsunterlagen anpassen, Termine einhalten, telefonieren, E-Mails beantworten und sich auf Gespräche vorbereiten.

Dafür braucht es ein gewisses Maß an Konzentration und Handlungsfähigkeit.

Wer gleichzeitig nicht weiß, ob die Miete im nächsten Monat bezahlt werden kann oder wo er in einigen Wochen wohnen wird, hat verständlicherweise andere Dinge im Kopf.

Das bedeutet nicht, dass berufliche Ziele aufgegeben werden müssen.

Es bedeutet lediglich:

Die Reihenfolge der nächsten Schritte kann eine andere sein.

Was ist gerade wirklich dringend?

In komplexen Situationen möchte man häufig alles gleichzeitig lösen.

Genau das kann dazu führen, dass am Ende gar nichts mehr überschaubar erscheint.

Eine einfache Frage kann helfen:

Was muss zuerst geklärt werden?

Daraus können weitere Fragen entstehen:

  • Was ist heute oder in den nächsten Tagen dringend?
  • Was ist wichtig, kann aber noch etwas warten?
  • Was kann ich selbst erledigen?
  • Wobei brauche ich Unterstützung?
  • Welche Unterlagen oder Informationen fehlen?
  • Welche Stelle ist überhaupt zuständig?
  • Was wäre ein realistischer nächster Schritt?

Aus einem großen Problem entstehen dadurch mehrere kleinere Aufgaben.

Und kleinere Aufgaben lassen sich häufig besser bearbeiten.

Nicht jedes Problem ist ein Coachingthema

Ganzheitliche Beratung bedeutet für mich nicht, für jedes Problem selbst die Lösung anzubieten.

Im Gegenteil.

Manchmal besteht gute Beratung gerade darin zu erkennen, wer an welcher Stelle besser unterstützen kann.

Bei Schulden kann beispielsweise eine Schuldnerberatung sinnvoll sein.

Bei rechtlichen Fragen kann eine Rechtsberatung erforderlich werden.

Bei gesundheitlichen Problemen sind Ärzte oder andere medizinische Fachstellen zuständig.

Bei psychischen Belastungen können entsprechende Beratungsstellen, psychotherapeutische oder psychiatrische Angebote notwendig sein.

Bei drohendem Wohnungsverlust können spezialisierte Beratungsstellen und zuständige Behörden wichtig werden.

Die Aufgabe im Coaching kann dann darin bestehen, die Situation zunächst zu sortieren:

Was ist das Problem? Wer könnte helfen? Was wird dafür benötigt? Und wie gelingt der nächste Kontakt?

Unterstützung heißt nicht, alles abzunehmen

Wenn Menschen unter Druck stehen, ist es verlockend, möglichst viele Aufgaben für sie zu übernehmen.

Kurzfristig kann das entlasten.

Langfristig ist jedoch eine andere Frage wichtiger:

Was hilft dabei, wieder selbst handlungsfähig zu werden?

Deshalb kann Unterstützung ganz unterschiedlich aussehen.

Manchmal reicht es, gemeinsam eine Telefonnummer herauszusuchen.

Manchmal muss ein komplizierter Brief zunächst verständlich gemacht werden.

Vielleicht wird ein wichtiges Gespräch vorbereitet.

Oder Unterlagen werden gemeinsam sortiert und eine Aufgabenliste erstellt.

Und manchmal braucht ein Mensch zunächst Begleitung bei einem Schritt, den er später wieder selbstständig gehen kann.

Das Ziel ist nicht größtmögliche Abhängigkeit von Unterstützung.

Das Ziel ist größtmögliche eigene Handlungsfähigkeit.

Ein ungeöffneter Brief kann wichtiger sein als eine Stellenanzeige

Das klingt zunächst banal.

In der Praxis kann genau dieser Brief aber darüber entscheiden, was als Nächstes möglich ist.

Vielleicht enthält er eine Frist.

Vielleicht wird ein Dokument angefordert.

Vielleicht geht es um Leistungen, Wohnung, Versicherung oder einen wichtigen Termin.

Solange solche Dinge ungeklärt bleiben, erzeugen sie häufig zusätzlichen Druck.

Deshalb kann es sinnvoll sein, einen Beratungstermin nicht mit der Frage nach dem nächsten Arbeitgeber zu beginnen, sondern mit:

„Was beschäftigt Sie gerade am meisten?“

Die Antwort darauf führt nicht immer direkt zum Thema Arbeit.

Sie kann aber erklären, warum berufliche Schritte bisher nicht gelungen sind.

Stabilisierung ist kein Stillstand

Wenn zunächst die Wohnsituation geklärt, eine finanzielle Angelegenheit geordnet oder eine Tagesstruktur aufgebaut wird, kann von außen der Eindruck entstehen, dass beruflich gerade nichts passiert.

Das muss nicht stimmen.

Denn auch solche Schritte können Voraussetzungen dafür schaffen, dass berufliche Entwicklung wieder möglich wird.

Ein Beispiel:

Wer morgens kaum aus dem Bett kommt, Termine regelmäßig verpasst und keinen Überblick über seine Post hat, braucht möglicherweise nicht zuerst zehn neue Stellenangebote.

Ein sinnvollerer Anfang könnte sein:

eine verlässliche Morgenroutine entwickeln,

Termine an einem Ort erfassen,

Post regelmäßig öffnen,

wichtige Aufgaben priorisieren

und vereinbarte Schritte tatsächlich umsetzen.

Das klingt zunächst nicht nach Bewerbungscoaching.

Für eine spätere Beschäftigung können genau diese Fähigkeiten jedoch entscheidend sein.

Gleichzeitig sollte die berufliche Perspektive nicht verschwinden

Es gibt allerdings auch die andere Seite.

Wenn immer neue Probleme auftauchen, kann die berufliche Entwicklung dauerhaft in den Hintergrund geraten.

Deshalb ist es sinnvoll, regelmäßig zu überprüfen:

Was hat sich inzwischen stabilisiert?

Was ist noch offen?

Und können wir den beruflichen Faden wieder aufnehmen?

Ganzheitliche Beratung bedeutet für mich deshalb nicht:

„Erst müssen alle Probleme gelöst sein, dann können wir über Arbeit sprechen.“

Das wäre häufig unrealistisch.

Es geht vielmehr darum, verschiedene Themen sinnvoll miteinander zu verbinden.

Vielleicht wird an einem Termin die Wohnsituation geklärt und beim nächsten der Lebenslauf weiterbearbeitet.

Vielleicht läuft parallel eine Schuldnerberatung, während bereits nach geeigneten Teilzeitstellen gesucht wird.

Vielleicht muss zunächst ein gesundheitliches Thema fachlich abgeklärt werden, während gleichzeitig berufliche Alternativen recherchiert werden.

Das Leben verläuft nicht in sauber getrennten Modulen.

Beratung sollte das berücksichtigen.

Von der Überforderung zum nächsten machbaren Schritt

In schwierigen Situationen ist die Frage nach dem großen Ziel manchmal zu groß.

„Wo möchten Sie in fünf Jahren stehen?“

Darauf muss nicht immer sofort eine Antwort möglich sein.

Eine andere Frage kann hilfreicher sein:

„Was müsste in den nächsten sieben Tagen passieren, damit Ihre Situation ein kleines Stück übersichtlicher wird?“

Vielleicht lautet die Antwort:

einen Brief beantworten,

einen Termin vereinbaren,

fehlende Unterlagen besorgen,

mit einer Beratungsstelle sprechen,

den Lebenslauf suchen,

einen Tagesplan erstellen

oder eine einzige Bewerbung abschicken.

Das erscheint möglicherweise klein.

Aber Veränderung entsteht nicht ausschließlich durch große Entscheidungen.

Sie entsteht häufig dadurch, dass der nächste Schritt tatsächlich gegangen wird.

Arbeit ist wichtig – aber der Mensch besteht nicht nur aus seiner Erwerbsbiografie

Berufliche Integration kann Sicherheit, Struktur, soziale Kontakte, Anerkennung und finanzielle Unabhängigkeit ermöglichen.

Deshalb ist Arbeit ein wichtiges Thema.

Trotzdem lässt sich ein Mensch nicht auf die Frage reduzieren, ob er gerade beschäftigt oder arbeitslos ist.

Wohnsituation, Familie, Gesundheit, finanzielle Sicherheit, soziale Beziehungen und persönliche Erfahrungen wirken auf berufliche Entscheidungen und Möglichkeiten ein.

Wer berufliche Veränderung begleiten möchte, sollte deshalb manchmal über den Lebenslauf hinausschauen.

Nicht um jedes Problem selbst zu lösen.

Sondern um besser zu verstehen, was im Moment einen nächsten beruflichen Schritt ermöglicht – oder verhindert.

Vielleicht beginnt Arbeitssuche manchmal damit, noch nicht nach Arbeit zu suchen

Das klingt widersprüchlich.

Gemeint ist etwas anderes:

Manchmal braucht es zunächst Orientierung.

Manchmal Stabilität.

Manchmal Informationen.

Manchmal eine fachlich passende Unterstützung.

Und manchmal einfach eine klare Reihenfolge.

Danach kann die Frage nach Arbeit wieder in den Mittelpunkt rücken.

Vielleicht sogar mit deutlich besseren Voraussetzungen.

Denn das Ziel guter Beratung ist nicht, möglichst viele Aufgaben gleichzeitig zu bearbeiten.

Das Ziel ist, gemeinsam herauszufinden:

Was ist jetzt wichtig?

Was ist möglich?

Und welcher nächste Schritt bringt tatsächlich etwas in Bewegung?


Sie möchten Ihre Situation zunächst sortieren?

Wenn berufliche Fragen mit anderen Herausforderungen zusammenkommen, kann ein erstes Gespräch helfen, Themen zu ordnen und Prioritäten zu klären.

Gemeinsam können wir betrachten, was aktuell im Vordergrund steht, welche Unterstützung sinnvoll sein könnte und welche nächsten Schritte realistisch sind.

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Thomas Saar-Knepper
Systemisches Coaching · Berufliche Beratung · Persönliche Begleitung

Muss ich wirklich etwas verändern?

Wenn der bisherige Beruf nicht mehr richtig passt

Nicht jede Unzufriedenheit im Beruf bedeutet, dass man sofort kündigen oder etwas völlig Neues anfangen sollte.

Es gibt anstrengende Wochen. Schwierige Kollegen. Veränderungen im Unternehmen. Phasen, in denen die Motivation geringer ist. Und manchmal braucht es schlicht Urlaub.

Aber es gibt auch dieses andere Gefühl:

Eigentlich passt es schon länger nicht mehr.

Vielleicht ist die Arbeit körperlich zu belastend geworden.

Vielleicht stimmen Arbeitszeiten und Lebenssituation nicht mehr überein.

Vielleicht hat sich der Beruf verändert.

Vielleicht sind die eigenen Interessen heute andere als vor zehn oder zwanzig Jahren.

Oder es gibt gar keinen einzelnen konkreten Grund.

Nur zunehmend die Frage:

Soll das beruflich wirklich so weitergehen?

Diese Frage ist noch keine Entscheidung.

Aber sie kann ein guter Anlass sein, genauer hinzuschauen.

Berufliche Veränderung muss nicht mit einer Kündigung beginnen

Wer über berufliche Neuorientierung nachdenkt, hat manchmal sofort sehr große Veränderungen vor Augen:

Kündigen. Umschulen. Noch einmal eine Ausbildung beginnen. Einen völlig neuen Beruf erlernen.

Das kann notwendig oder sinnvoll sein.

Es muss aber nicht der erste Schritt sein.

Berufliche Neuorientierung beginnt zunächst mit Orientierung.

Bevor entschieden wird, wohin es gehen soll, lohnt sich deshalb die Frage:

Was genau passt an meiner jetzigen Situation eigentlich nicht mehr?

Denn darauf können sehr unterschiedliche Antworten entstehen.

Ist es wirklich der Beruf?

Das ist eine der wichtigsten Fragen.

Vielleicht macht die eigentliche Tätigkeit weiterhin Freude – aber die Arbeitsbedingungen stimmen nicht mehr.

Vielleicht passt der Beruf, aber nicht mehr der Arbeitgeber.

Vielleicht ist Vollzeit inzwischen zu viel, während dieselbe Tätigkeit mit 25 oder 30 Stunden gut vorstellbar wäre.

Vielleicht stören Schichtdienst, Arbeitsweg oder Wochenendarbeit.

Vielleicht fehlt Entwicklung.

Oder die Arbeit ist körperlich nicht mehr dauerhaft machbar.

Dann lautet die Lösung möglicherweise nicht:

„Ich brauche einen völlig neuen Beruf.“

Sondern:

„Ich brauche andere Bedingungen.“

Das ist ein erheblicher Unterschied.

Was soll bleiben?

Bei beruflicher Neuorientierung wird häufig zuerst darüber gesprochen, was weg soll.

Kein Schichtdienst mehr.

Keine schwere körperliche Arbeit.

Nicht mehr ausschließlich am Schreibtisch sitzen.

Weniger Zeitdruck.

Keine langen Arbeitswege.

Das ist wichtig.

Mindestens ebenso interessant finde ich jedoch eine andere Frage:

Was möchten Sie aus Ihrem bisherigen Berufsleben unbedingt mitnehmen?

Vielleicht den Kontakt mit Menschen.

Vielleicht selbstständiges Arbeiten.

Vielleicht die Sicherheit klarer Abläufe.

Vielleicht Kreativität.

Vielleicht praktische Tätigkeiten.

Vielleicht Verantwortung.

Vielleicht Teamarbeit.

Vielleicht gerade die Möglichkeit, weitgehend allein zu arbeiten.

Berufliche Neuorientierung bedeutet nicht zwangsläufig, alles Bisherige hinter sich zu lassen.

Häufig geht es darum, Bewährtes mit neuen Möglichkeiten zu verbinden.

Die eigene Erfahrung noch einmal neu betrachten

Nach vielen Berufsjahren erscheint das eigene Können oft selbstverständlich.

„Das habe ich eben immer gemacht.“

Gerade darin können jedoch Kompetenzen stecken, die auch in anderen Tätigkeitsfeldern interessant sind.

Wer jahrelang Kunden betreut hat, bringt möglicherweise Kommunikations- und Konflikterfahrung mit.

Wer in Produktion oder Handwerk gearbeitet hat, verfügt vielleicht über technisches Verständnis, Qualitätsbewusstsein und praktische Problemlösungskompetenz.

Wer lange im sozialen Bereich tätig war, hat möglicherweise Gesprächsführung, Organisation und Dokumentation gelernt.

Wer Familie, Beruf und vielleicht zusätzlich die Pflege von Angehörigen organisiert hat, kennt Verantwortung, Planung und Priorisierung aus einer weiteren Perspektive.

Deshalb kann eine hilfreiche Frage lauten:

Was kann ich heute, das ich am Anfang meines Berufslebens noch nicht konnte?

Die Antwort darauf steht nicht immer in einem Zeugnis.

Was möchte ich nicht mehr?

Auch diese Frage darf ausdrücklich gestellt werden.

Denn berufliche Erfahrung bedeutet nicht nur zu wissen, was man kann.

Sie bedeutet häufig auch, genauer zu wissen, unter welchen Bedingungen man nicht mehr arbeiten möchte.

Das ist kein Defizit.

Es ist Information.

Eine Liste könnte beispielsweise so aussehen:

  • keine dauerhafte Nachtarbeit
  • möglichst keine Wochenenden
  • weniger körperliche Belastung
  • maximal 30 Stunden
  • Arbeitsweg höchstens 45 Minuten
  • weiterhin Kontakt mit Menschen
  • keine Führungsverantwortung
  • verlässliche Arbeitszeiten

Plötzlich wird aus einem diffusen Veränderungswunsch ein erstes berufliches Profil.

Noch fehlt vielleicht die Berufsbezeichnung.

Aber die Richtung wird klarer.

Was brauche ich heute?

Mit 20 werden berufliche Entscheidungen unter anderen Bedingungen getroffen als mit 40, 50 oder 60.

Das ist selbstverständlich – wird bei beruflicher Neuorientierung aber manchmal vergessen.

Die Frage sollte deshalb nicht nur lauten:

„Welcher Beruf interessiert mich?“

Sondern auch:

„Welche Arbeit passt zu meinem heutigen Leben?“

Dabei können beispielsweise eine Rolle spielen:

Arbeitszeit,

Gesundheit und Belastbarkeit,

familiäre Verpflichtungen,

finanzielle Anforderungen,

Mobilität,

Wohnort,

Sicherheitsbedürfnis,

soziale Kontakte,

Entwicklungsmöglichkeiten

und persönliche Interessen.

Ein berufliches Ziel ist wenig hilfreich, wenn es dauerhaft nicht zu den eigenen Rahmenbedingungen passt.

Muss aus einem Interesse gleich ein neuer Beruf werden?

Nicht unbedingt.

Jemand arbeitet gerne mit Menschen.

Ein anderer interessiert sich für Tiere.

Jemand arbeitet gerne handwerklich.

Eine andere Person organisiert gerne.

Solche Interessen sind zunächst Hinweise – noch keine fertigen Berufsentscheidungen.

Der nächste Schritt besteht darin, genauer hinzusehen:

Was genau gefällt mir daran?

Wer beispielsweise „gerne mit Menschen arbeitet“, könnte Beratung meinen, Verkauf, Betreuung, Empfang, Anleitung, Pflege, Service oder Teamarbeit.

Wer „gerne am Computer arbeitet“, könnte damit Organisation, Gestaltung, Recherche, Zahlen, Kommunikation oder technische Aufgaben meinen.

Je genauer ein Interesse beschrieben wird, desto mehr berufliche Möglichkeiten werden sichtbar.

Ideen müssen den Realitätstest bestehen

Coaching kann Möglichkeiten öffnen.

Berufliche Beratung sollte aber auch überprüfen, ob diese Möglichkeiten tatsächlich tragfähig sind.

Deshalb gehört zur Neuorientierung irgendwann der Blick auf den Arbeitsmarkt.

Welche Stellen gibt es?

Welche Qualifikationen werden verlangt?

Welche Tätigkeiten stecken tatsächlich hinter einer Berufsbezeichnung?

Welche Arbeitszeiten sind üblich?

Wie wird bezahlt?

Ist ein direkter Quereinstieg möglich?

Brauche ich eine Weiterbildung?

Und gibt es diese Arbeitsplätze überhaupt dort, wo ich leben und arbeiten möchte?

Eine berufliche Idee wird dadurch konkreter.

Manchmal bestätigt die Recherche eine Richtung.

Manchmal zeigt sie, dass etwas angepasst werden muss.

Beides ist ein gutes Ergebnis.

Nicht sofort entscheiden – zunächst ausprobieren

Nicht jede berufliche Frage muss ausschließlich durch Nachdenken beantwortet werden.

Manche Antworten entstehen erst durch Erfahrung.

Deshalb können – abhängig von der jeweiligen Situation – beispielsweise hilfreich sein:

ein Gespräch mit jemandem aus dem Beruf,

eine Betriebsbesichtigung,

ein Praktikum,

eine Hospitation,

ein Probearbeitstag,

eine Informationsveranstaltung,

eine Weiterbildung mit Praxisanteil

oder eine gezielte Recherche konkreter Stellenanzeigen.

Die Frage verändert sich dann von:

„Könnte ich mir das vorstellen?“

zu:

„Wie fühlt sich diese Tätigkeit tatsächlich an?“

Das kann manche Entscheidung erheblich erleichtern.

Eine Neuorientierung darf auch klein sein

Berufliche Veränderung muss nicht spektakulär sein.

Vielleicht bleibt der Beruf gleich und nur der Arbeitgeber ändert sich.

Vielleicht wird aus Vollzeit Teilzeit.

Vielleicht führt ein Quereinstieg in ein benachbartes Tätigkeitsfeld.

Vielleicht ergänzt eine kurze Weiterbildung die vorhandenen Kompetenzen.

Vielleicht wird eine frühere Erfahrung wieder interessant.

Und manchmal entsteht tatsächlich etwas vollkommen Neues.

Entscheidend ist nicht die Größe der Veränderung.

Entscheidend ist, ob sie zur heutigen Situation passt.

Fünf Fragen für eine erste berufliche Standortbestimmung

Wenn Sie überlegen, ob sich beruflich etwas verändern sollte, können Sie mit diesen Fragen beginnen:

1. Was stört mich an meiner derzeitigen beruflichen Situation konkret?

2. Was davon möchte ich in einer neuen Tätigkeit nicht mehr haben?

3. Was möchte ich unbedingt behalten?

4. Welche Erfahrungen und Fähigkeiten möchte ich künftig stärker nutzen?

5. Welche Rahmenbedingungen brauche ich heute, damit Arbeit dauerhaft zu meinem Leben passt?

Sie müssen daraus noch keinen neuen Beruf ableiten.

Vielleicht entsteht zunächst nur ein klareres Bild davon, wonach Sie eigentlich suchen.

Das ist bereits ein wichtiger Schritt.

Nicht immer braucht es sofort einen Plan B

Berufliche Neuorientierung beginnt für mich nicht mit der Aufforderung:

„Sie müssen etwas Neues machen.“

Sie beginnt mit Fragen.

Was passt noch?

Was passt nicht mehr?

Was hat sich verändert?

Was ist bereits vorhanden?

Welche Möglichkeiten könnten daraus entstehen?

Und welche davon lohnt es sich, genauer anzuschauen?

Vielleicht führt diese Klärung zu einem Berufswechsel.

Vielleicht zu einem anderen Arbeitgeber.

Vielleicht zu Weiterbildung, Teilzeit oder Quereinstieg.

Und manchmal führt sie auch zu der Erkenntnis:

Eigentlich möchte ich meinen Beruf behalten – nur unter anderen Bedingungen.

Auch das ist berufliche Orientierung.

Denn eine gute Entscheidung muss nicht möglichst viel verändern.

Sie sollte möglichst gut zur eigenen Situation passen.


Sie überlegen, ob sich beruflich etwas verändern sollte?

Sie müssen noch nicht wissen, welcher Beruf oder welche Stelle es werden soll.

In einer beruflichen Standortbestimmung können wir zunächst gemeinsam betrachten, was Sie mitbringen, was sich verändern soll und welche beruflichen Möglichkeiten zu Ihrer heutigen Situation passen könnten.

[Kostenfreies Erstgespräch vereinbaren]

Thomas Saar-Knepper
Systemisches Coaching · Berufliche Beratung · Persönliche Begleitung