Ich weiß, was ich nicht mehr will – aber nicht, was stattdessen kommen soll

Warum berufliche Orientierung nicht mit einer fertigen Antwort beginnen muss

Manchmal ist erstaunlich klar, was nicht mehr passt.

Der Beruf macht keine Freude mehr. Die Arbeitsbedingungen kosten zunehmend Kraft. Der Gedanke, noch viele Jahre genau so weiterzumachen, fühlt sich wenig attraktiv an. Vielleicht hat sich auch das eigene Leben verändert – und das, was vor zehn oder zwanzig Jahren gut gepasst hat, passt heute einfach nicht mehr.

Auf die Frage, was stattdessen kommen soll, fehlt jedoch die Antwort.

„Ich weiß ziemlich genau, was ich nicht mehr will. Aber ich habe keine Ahnung, was ich stattdessen machen könnte.“

Das klingt zunächst nach Orientierungslosigkeit. Tatsächlich steckt darin bereits eine ganze Menge Orientierung.

Zu wissen, was nicht mehr passt, ist ein Anfang

Bei einer beruflichen Neuorientierung entsteht schnell der Eindruck, man müsse möglichst früh ein konkretes Ziel benennen können:

Welcher Beruf soll es werden?
Welche Stelle suche ich?
Welche Weiterbildung brauche ich?
Wo möchte ich mich bewerben?

Doch manchmal kommen diese Fragen zu früh.

Wer über längere Zeit unzufrieden mit seiner beruflichen Situation war, hat häufig zunächst etwas anderes herausgefunden: unter welchen Bedingungen er nicht mehr arbeiten möchte.

Das können beispielsweise sein:

  • dauernder Zeitdruck,
  • wechselnde Arbeitszeiten,
  • körperlich belastende Tätigkeiten,
  • fehlende Wertschätzung,
  • wenig Gestaltungsspielraum,
  • ständiger Kundenkontakt,
  • zu viel oder zu wenig Verantwortung,
  • lange Arbeitswege,
  • fehlende Entwicklungsmöglichkeiten,
  • ein Arbeitsumfeld, das nicht mehr zur eigenen Lebenssituation passt.

Diese Erkenntnisse sind keine bloße Negativliste. Sie liefern wichtige Informationen darüber, was künftig anders sein sollte.

Aus „nicht mehr“ kann ein „stattdessen“ entstehen

Eine hilfreiche Frage lautet deshalb nicht sofort:

„Was möchte ich beruflich werden?“

Interessanter können zunächst andere Fragen sein:

Was genau möchte ich nicht mehr?
Was daran belastet mich besonders?
Was müsste anders sein, damit Arbeit wieder besser zu meinem Leben passt?
Was möchte ich aus meiner bisherigen Tätigkeit unbedingt behalten?
Was kann ich gut, obwohl ich es vielleicht nicht mehr in genau diesem Beruf einsetzen möchte?

Aus „Ich möchte nicht mehr ständig unter Zeitdruck arbeiten“ kann beispielsweise der Wunsch nach besser planbaren Arbeitsabläufen entstehen.

Aus „Ich möchte nicht mehr den ganzen Tag körperlich arbeiten“ wird möglicherweise die Suche nach einer Tätigkeit, in der Erfahrung und Fachwissen stärker gefragt sind als körperliche Belastbarkeit.

Und aus „Ich möchte nicht mehr jeden Tag dasselbe machen“ kann sich der Wunsch nach mehr Abwechslung, Verantwortung oder Gestaltungsspielraum entwickeln.

Damit verändert sich die Fragestellung.

Es geht nicht mehr nur darum, von etwas wegzukommen, sondern zunehmend darum, herauszufinden, wohin die Entwicklung gehen könnte.

Der bisherige Beruf ist nicht die Summe der eigenen Fähigkeiten

Gerade nach vielen Berufsjahren passiert etwas Interessantes: Beruf und Fähigkeiten werden leicht miteinander verwechselt.

Wer beispielsweise zwanzig Jahre in einem bestimmten Beruf gearbeitet hat, beschreibt sich häufig mit genau dieser Berufsbezeichnung.

Dabei steckt in diesen zwanzig Jahren sehr viel mehr.

Vielleicht musste man:

  • mit sehr unterschiedlichen Menschen umgehen,
  • Konflikte lösen,
  • Abläufe organisieren,
  • Prioritäten setzen,
  • neue Kolleginnen und Kollegen einarbeiten,
  • improvisieren,
  • Verantwortung übernehmen,
  • Kunden beraten,
  • Termine koordinieren,
  • dokumentieren,
  • unter Zeitdruck Entscheidungen treffen,
  • selbstständig Probleme lösen.

Das sind Kompetenzen, die nicht ausschließlich zu einem einzigen Beruf gehören.

Bei einer Neuorientierung lohnt sich deshalb die Frage:

Welche meiner Fähigkeiten möchte ich weiter nutzen – nur vielleicht in einem anderen Zusammenhang?

Das eröffnet häufig mehr Möglichkeiten als die reine Suche nach ähnlichen Stellenangeboten.

Nicht alles muss verändert werden

Berufliche Neuorientierung wird manchmal mit einem vollständigen Neustart gleichgesetzt.

Doch Veränderung muss nicht bedeuten, alles Bisherige hinter sich zu lassen.

Vielleicht ist der Beruf grundsätzlich noch passend, aber der Arbeitgeber nicht.

Vielleicht stimmt die Tätigkeit, aber nicht mehr der zeitliche Umfang.

Vielleicht sind bestimmte Aufgaben weiterhin interessant, während andere zunehmend belasten.

Oder die bisherige Erfahrung könnte in einem angrenzenden Tätigkeitsfeld eingesetzt werden.

Deshalb kann eine wichtige Zwischenfrage lauten:

Was soll sich verändern – und was soll ausdrücklich bleiben?

Das ist häufig leichter zu beantworten als die große Frage nach dem nächsten Beruf.

Eine kleine Übung zur beruflichen Standortbestimmung

Wer gerade an diesem Punkt steht, kann drei Listen anlegen.

1. Das möchte ich nicht mehr

Hier darf zunächst alles stehen, was an der bisherigen beruflichen Situation nicht mehr passen soll.

Nicht bewerten. Erst einmal sammeln.

2. Das möchte ich behalten

Welche Aspekte der bisherigen Arbeit waren gut?

Das können Tätigkeiten sein, aber auch Arbeitsbedingungen: Kontakt zu Menschen, Selbstständigkeit, Teamarbeit, feste Arbeitszeiten, Bewegung, Verantwortung, Sicherheit oder ein bestimmtes Maß an Routine.

3. Davon hätte ich künftig gerne mehr

Hier wird es besonders interessant.

Mehr Ruhe?
Mehr Verantwortung?
Mehr Kontakt zu Menschen?
Mehr Selbstständigkeit?
Mehr Sicherheit?
Mehr Abwechslung?
Mehr Sinn?
Mehr Einkommen?
Mehr Zeit außerhalb der Arbeit?

Anschließend lohnt sich ein Blick auf alle drei Listen zusammen.

Noch immer muss daraus keine konkrete Berufsbezeichnung entstehen.

Aber möglicherweise wird bereits deutlich, welche Bedingungen eine zukünftige Tätigkeit erfüllen sollte.

Und dann kommt die Realität dazu

Eine berufliche Veränderung findet natürlich nicht im luftleeren Raum statt.

Qualifikationen, Einkommen, Arbeitsmarkt, Alter, Mobilität, Arbeitszeit, familiäre Verpflichtungen und manchmal auch gesundheitliche Belastungsgrenzen spielen eine Rolle.

Deshalb reicht es nicht, nur zu fragen:

„Was würde ich gerne machen?“

Ebenso wichtig ist:

„Was davon ist unter meinen gegenwärtigen Bedingungen realistisch – und was müsste geschehen, damit eine andere Möglichkeit realistisch wird?“

Vielleicht braucht es keine neue Ausbildung, sondern eine gezielte Weiterbildung.

Vielleicht ist ein Quereinstieg möglich.

Vielleicht gibt es Tätigkeitsfelder, die man bisher überhaupt nicht betrachtet hat.

Vielleicht stellt sich aber auch heraus, dass eine vermeintlich attraktive Alternative bei genauerem Hinsehen gar nicht zu den eigenen Anforderungen passt.

Auch das ist ein gutes Ergebnis.

Denn berufliche Orientierung bedeutet nicht, möglichst viele Möglichkeiten zu finden. Es geht darum, passende Möglichkeiten besser von unpassenden unterscheiden zu können.

Nicht die perfekte Antwort suchen

Eine weitere Falle bei der Neuorientierung ist die Suche nach dem einen Beruf, bei dem anschließend alles stimmt.

Den gibt es meistens nicht.

Jede berufliche Entscheidung bringt Vorteile, Nachteile und Kompromisse mit sich.

Eine interessante Tätigkeit kann beispielsweise weniger Sicherheit bieten. Eine sichere Stelle kann weniger Gestaltungsspielraum haben. Eine Weiterbildung kann neue Möglichkeiten eröffnen, verlangt aber zunächst Zeit und Energie.

Deshalb kann eine realistischere Frage lauten:

Welche Möglichkeit passt unter meinen jetzigen Bedingungen gut genug zu mir, um sie genauer zu prüfen?

Das nimmt der Entscheidung etwas von ihrer Endgültigkeit.

Der nächste Schritt muss nicht bereits die Lösung für die nächsten zwanzig Jahre sein.

Manchmal braucht es zunächst Klarheit statt Bewerbungen

Wer noch nicht weiß, wohin die berufliche Reise gehen soll, muss nicht sofort Stellenanzeigen durchsuchen und Bewerbungen verschicken.

Manchmal ist der sinnvollere erste Schritt eine Standortbestimmung:

Was ist gerade eigentlich los?
Was soll sich verändern?
Was soll bleiben?
Welche Erfahrungen und Fähigkeiten bringe ich mit?
Welche Rahmenbedingungen sind wichtig?
Welche Möglichkeiten könnte ich prüfen?

Aus diesen Fragen können erste Optionen entstehen.

Dann lassen sie sich recherchieren, vergleichen und auf ihre Realisierbarkeit überprüfen.

Und aus mehreren Möglichkeiten kann irgendwann ein nächster Schritt werden.

Nicht unbedingt der perfekte.

Aber einer, der zur gegenwärtigen Situation passt.


Vielleicht kennen Sie diese Situation?

Sie wissen ziemlich genau, dass sich beruflich etwas verändern soll – aber noch nicht, wohin die Reise gehen könnte.

Das ist ein sinnvoller Ausgangspunkt für berufliche Orientierung oder systemisches Coaching.

Gemeinsam können wir Ihre Situation sortieren, bisherige Erfahrungen und Ressourcen betrachten, Anforderungen an eine zukünftige Tätigkeit herausarbeiten und mögliche nächste Schritte entwickeln.

Sie müssen zum ersten Gespräch noch keine fertige Lösung mitbringen.

Erstgespräch vereinbaren

Muss ich wirklich etwas verändern?

Wenn der bisherige Beruf nicht mehr richtig passt

Nicht jede Unzufriedenheit im Beruf bedeutet, dass man sofort kündigen oder etwas völlig Neues anfangen sollte.

Es gibt anstrengende Wochen. Schwierige Kollegen. Veränderungen im Unternehmen. Phasen, in denen die Motivation geringer ist. Und manchmal braucht es schlicht Urlaub.

Aber es gibt auch dieses andere Gefühl:

Eigentlich passt es schon länger nicht mehr.

Vielleicht ist die Arbeit körperlich zu belastend geworden.

Vielleicht stimmen Arbeitszeiten und Lebenssituation nicht mehr überein.

Vielleicht hat sich der Beruf verändert.

Vielleicht sind die eigenen Interessen heute andere als vor zehn oder zwanzig Jahren.

Oder es gibt gar keinen einzelnen konkreten Grund.

Nur zunehmend die Frage:

Soll das beruflich wirklich so weitergehen?

Diese Frage ist noch keine Entscheidung.

Aber sie kann ein guter Anlass sein, genauer hinzuschauen.

Berufliche Veränderung muss nicht mit einer Kündigung beginnen

Wer über berufliche Neuorientierung nachdenkt, hat manchmal sofort sehr große Veränderungen vor Augen:

Kündigen. Umschulen. Noch einmal eine Ausbildung beginnen. Einen völlig neuen Beruf erlernen.

Das kann notwendig oder sinnvoll sein.

Es muss aber nicht der erste Schritt sein.

Berufliche Neuorientierung beginnt zunächst mit Orientierung.

Bevor entschieden wird, wohin es gehen soll, lohnt sich deshalb die Frage:

Was genau passt an meiner jetzigen Situation eigentlich nicht mehr?

Denn darauf können sehr unterschiedliche Antworten entstehen.

Ist es wirklich der Beruf?

Das ist eine der wichtigsten Fragen.

Vielleicht macht die eigentliche Tätigkeit weiterhin Freude – aber die Arbeitsbedingungen stimmen nicht mehr.

Vielleicht passt der Beruf, aber nicht mehr der Arbeitgeber.

Vielleicht ist Vollzeit inzwischen zu viel, während dieselbe Tätigkeit mit 25 oder 30 Stunden gut vorstellbar wäre.

Vielleicht stören Schichtdienst, Arbeitsweg oder Wochenendarbeit.

Vielleicht fehlt Entwicklung.

Oder die Arbeit ist körperlich nicht mehr dauerhaft machbar.

Dann lautet die Lösung möglicherweise nicht:

„Ich brauche einen völlig neuen Beruf.“

Sondern:

„Ich brauche andere Bedingungen.“

Das ist ein erheblicher Unterschied.

Was soll bleiben?

Bei beruflicher Neuorientierung wird häufig zuerst darüber gesprochen, was weg soll.

Kein Schichtdienst mehr.

Keine schwere körperliche Arbeit.

Nicht mehr ausschließlich am Schreibtisch sitzen.

Weniger Zeitdruck.

Keine langen Arbeitswege.

Das ist wichtig.

Mindestens ebenso interessant finde ich jedoch eine andere Frage:

Was möchten Sie aus Ihrem bisherigen Berufsleben unbedingt mitnehmen?

Vielleicht den Kontakt mit Menschen.

Vielleicht selbstständiges Arbeiten.

Vielleicht die Sicherheit klarer Abläufe.

Vielleicht Kreativität.

Vielleicht praktische Tätigkeiten.

Vielleicht Verantwortung.

Vielleicht Teamarbeit.

Vielleicht gerade die Möglichkeit, weitgehend allein zu arbeiten.

Berufliche Neuorientierung bedeutet nicht zwangsläufig, alles Bisherige hinter sich zu lassen.

Häufig geht es darum, Bewährtes mit neuen Möglichkeiten zu verbinden.

Die eigene Erfahrung noch einmal neu betrachten

Nach vielen Berufsjahren erscheint das eigene Können oft selbstverständlich.

„Das habe ich eben immer gemacht.“

Gerade darin können jedoch Kompetenzen stecken, die auch in anderen Tätigkeitsfeldern interessant sind.

Wer jahrelang Kunden betreut hat, bringt möglicherweise Kommunikations- und Konflikterfahrung mit.

Wer in Produktion oder Handwerk gearbeitet hat, verfügt vielleicht über technisches Verständnis, Qualitätsbewusstsein und praktische Problemlösungskompetenz.

Wer lange im sozialen Bereich tätig war, hat möglicherweise Gesprächsführung, Organisation und Dokumentation gelernt.

Wer Familie, Beruf und vielleicht zusätzlich die Pflege von Angehörigen organisiert hat, kennt Verantwortung, Planung und Priorisierung aus einer weiteren Perspektive.

Deshalb kann eine hilfreiche Frage lauten:

Was kann ich heute, das ich am Anfang meines Berufslebens noch nicht konnte?

Die Antwort darauf steht nicht immer in einem Zeugnis.

Was möchte ich nicht mehr?

Auch diese Frage darf ausdrücklich gestellt werden.

Denn berufliche Erfahrung bedeutet nicht nur zu wissen, was man kann.

Sie bedeutet häufig auch, genauer zu wissen, unter welchen Bedingungen man nicht mehr arbeiten möchte.

Das ist kein Defizit.

Es ist Information.

Eine Liste könnte beispielsweise so aussehen:

  • keine dauerhafte Nachtarbeit
  • möglichst keine Wochenenden
  • weniger körperliche Belastung
  • maximal 30 Stunden
  • Arbeitsweg höchstens 45 Minuten
  • weiterhin Kontakt mit Menschen
  • keine Führungsverantwortung
  • verlässliche Arbeitszeiten

Plötzlich wird aus einem diffusen Veränderungswunsch ein erstes berufliches Profil.

Noch fehlt vielleicht die Berufsbezeichnung.

Aber die Richtung wird klarer.

Was brauche ich heute?

Mit 20 werden berufliche Entscheidungen unter anderen Bedingungen getroffen als mit 40, 50 oder 60.

Das ist selbstverständlich – wird bei beruflicher Neuorientierung aber manchmal vergessen.

Die Frage sollte deshalb nicht nur lauten:

„Welcher Beruf interessiert mich?“

Sondern auch:

„Welche Arbeit passt zu meinem heutigen Leben?“

Dabei können beispielsweise eine Rolle spielen:

Arbeitszeit,

Gesundheit und Belastbarkeit,

familiäre Verpflichtungen,

finanzielle Anforderungen,

Mobilität,

Wohnort,

Sicherheitsbedürfnis,

soziale Kontakte,

Entwicklungsmöglichkeiten

und persönliche Interessen.

Ein berufliches Ziel ist wenig hilfreich, wenn es dauerhaft nicht zu den eigenen Rahmenbedingungen passt.

Muss aus einem Interesse gleich ein neuer Beruf werden?

Nicht unbedingt.

Jemand arbeitet gerne mit Menschen.

Ein anderer interessiert sich für Tiere.

Jemand arbeitet gerne handwerklich.

Eine andere Person organisiert gerne.

Solche Interessen sind zunächst Hinweise – noch keine fertigen Berufsentscheidungen.

Der nächste Schritt besteht darin, genauer hinzusehen:

Was genau gefällt mir daran?

Wer beispielsweise „gerne mit Menschen arbeitet“, könnte Beratung meinen, Verkauf, Betreuung, Empfang, Anleitung, Pflege, Service oder Teamarbeit.

Wer „gerne am Computer arbeitet“, könnte damit Organisation, Gestaltung, Recherche, Zahlen, Kommunikation oder technische Aufgaben meinen.

Je genauer ein Interesse beschrieben wird, desto mehr berufliche Möglichkeiten werden sichtbar.

Ideen müssen den Realitätstest bestehen

Coaching kann Möglichkeiten öffnen.

Berufliche Beratung sollte aber auch überprüfen, ob diese Möglichkeiten tatsächlich tragfähig sind.

Deshalb gehört zur Neuorientierung irgendwann der Blick auf den Arbeitsmarkt.

Welche Stellen gibt es?

Welche Qualifikationen werden verlangt?

Welche Tätigkeiten stecken tatsächlich hinter einer Berufsbezeichnung?

Welche Arbeitszeiten sind üblich?

Wie wird bezahlt?

Ist ein direkter Quereinstieg möglich?

Brauche ich eine Weiterbildung?

Und gibt es diese Arbeitsplätze überhaupt dort, wo ich leben und arbeiten möchte?

Eine berufliche Idee wird dadurch konkreter.

Manchmal bestätigt die Recherche eine Richtung.

Manchmal zeigt sie, dass etwas angepasst werden muss.

Beides ist ein gutes Ergebnis.

Nicht sofort entscheiden – zunächst ausprobieren

Nicht jede berufliche Frage muss ausschließlich durch Nachdenken beantwortet werden.

Manche Antworten entstehen erst durch Erfahrung.

Deshalb können – abhängig von der jeweiligen Situation – beispielsweise hilfreich sein:

ein Gespräch mit jemandem aus dem Beruf,

eine Betriebsbesichtigung,

ein Praktikum,

eine Hospitation,

ein Probearbeitstag,

eine Informationsveranstaltung,

eine Weiterbildung mit Praxisanteil

oder eine gezielte Recherche konkreter Stellenanzeigen.

Die Frage verändert sich dann von:

„Könnte ich mir das vorstellen?“

zu:

„Wie fühlt sich diese Tätigkeit tatsächlich an?“

Das kann manche Entscheidung erheblich erleichtern.

Eine Neuorientierung darf auch klein sein

Berufliche Veränderung muss nicht spektakulär sein.

Vielleicht bleibt der Beruf gleich und nur der Arbeitgeber ändert sich.

Vielleicht wird aus Vollzeit Teilzeit.

Vielleicht führt ein Quereinstieg in ein benachbartes Tätigkeitsfeld.

Vielleicht ergänzt eine kurze Weiterbildung die vorhandenen Kompetenzen.

Vielleicht wird eine frühere Erfahrung wieder interessant.

Und manchmal entsteht tatsächlich etwas vollkommen Neues.

Entscheidend ist nicht die Größe der Veränderung.

Entscheidend ist, ob sie zur heutigen Situation passt.

Fünf Fragen für eine erste berufliche Standortbestimmung

Wenn Sie überlegen, ob sich beruflich etwas verändern sollte, können Sie mit diesen Fragen beginnen:

1. Was stört mich an meiner derzeitigen beruflichen Situation konkret?

2. Was davon möchte ich in einer neuen Tätigkeit nicht mehr haben?

3. Was möchte ich unbedingt behalten?

4. Welche Erfahrungen und Fähigkeiten möchte ich künftig stärker nutzen?

5. Welche Rahmenbedingungen brauche ich heute, damit Arbeit dauerhaft zu meinem Leben passt?

Sie müssen daraus noch keinen neuen Beruf ableiten.

Vielleicht entsteht zunächst nur ein klareres Bild davon, wonach Sie eigentlich suchen.

Das ist bereits ein wichtiger Schritt.

Nicht immer braucht es sofort einen Plan B

Berufliche Neuorientierung beginnt für mich nicht mit der Aufforderung:

„Sie müssen etwas Neues machen.“

Sie beginnt mit Fragen.

Was passt noch?

Was passt nicht mehr?

Was hat sich verändert?

Was ist bereits vorhanden?

Welche Möglichkeiten könnten daraus entstehen?

Und welche davon lohnt es sich, genauer anzuschauen?

Vielleicht führt diese Klärung zu einem Berufswechsel.

Vielleicht zu einem anderen Arbeitgeber.

Vielleicht zu Weiterbildung, Teilzeit oder Quereinstieg.

Und manchmal führt sie auch zu der Erkenntnis:

Eigentlich möchte ich meinen Beruf behalten – nur unter anderen Bedingungen.

Auch das ist berufliche Orientierung.

Denn eine gute Entscheidung muss nicht möglichst viel verändern.

Sie sollte möglichst gut zur eigenen Situation passen.


Sie überlegen, ob sich beruflich etwas verändern sollte?

Sie müssen noch nicht wissen, welcher Beruf oder welche Stelle es werden soll.

In einer beruflichen Standortbestimmung können wir zunächst gemeinsam betrachten, was Sie mitbringen, was sich verändern soll und welche beruflichen Möglichkeiten zu Ihrer heutigen Situation passen könnten.

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Thomas Saar-Knepper
Systemisches Coaching · Berufliche Beratung · Persönliche Begleitung

Was kann ich eigentlich noch machen?

Berufliche Neuorientierung nach vielen Berufsjahren

„Was kann ich eigentlich noch machen?“

Diese Frage klingt zunächst einfach.

In der Beratung steckt dahinter jedoch häufig sehr viel mehr.

Vielleicht hat jemand zwanzig oder dreißig Jahre im gleichen Beruf gearbeitet. Vielleicht ist die bisherige Tätigkeit körperlich zu anstrengend geworden. Vielleicht haben sich familiäre Rahmenbedingungen verändert. Vielleicht ist nach längerer Arbeitslosigkeit der Wiedereinstieg schwierig.

Oder es gibt gar keinen konkreten äußeren Anlass.

Nur das Gefühl:

Ich möchte beruflich nicht einfach so weitermachen wie bisher.

Dann beginnt berufliche Neuorientierung.

Und zwar nicht zwangsläufig mit einer Stellenanzeige.

Mit 50 beginnt man nicht bei null

Gerade Menschen mit langer Berufserfahrung unterschätzen manchmal, was sie tatsächlich mitbringen.

Wer beispielsweise zwanzig Jahre in einer Klinikreinigung gearbeitet hat, hat nicht einfach nur „gereinigt“.

Möglicherweise gehören dazu auch:

  • selbstständiges Arbeiten
  • Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit
  • Arbeiten nach klaren Qualitätsstandards
  • Hygienevorschriften
  • Umgang mit unterschiedlichen Berufsgruppen
  • Kommunikation mit Patienten oder Kunden
  • Zeitmanagement
  • Belastbarkeit
  • Arbeiten im Team
  • Verantwortung für bestimmte Bereiche
  • Umgang mit unerwarteten Situationen

Das sind Kompetenzen.

Sie stehen nur nicht immer ausdrücklich im Lebenslauf.

Eine berufliche Neuorientierung beginnt deshalb häufig damit, die eigene berufliche Vergangenheit noch einmal mit einem anderen Blick zu betrachten.

Die entscheidende Frage lautet nicht nur: Was habe ich gemacht?

Mindestens ebenso wichtig ist:

Was davon möchte ich weiterhin machen?

Vielleicht arbeitet jemand gerne mit Menschen, möchte aber nicht mehr im Verkauf tätig sein.

Vielleicht war die Tätigkeit im Büro grundsätzlich passend, der permanente Zeitdruck jedoch nicht.

Vielleicht möchte jemand weiterhin praktisch arbeiten, kann aber körperlich schwere Tätigkeiten nicht mehr ausüben.

Oder jemand möchte nach vielen Jahren Vollzeit künftig nur noch 25 oder 30 Stunden arbeiten.

Das verändert die Suche.

Deshalb gehören für mich zu einer beruflichen Standortbestimmung mindestens drei Perspektiven:

Was bringe ich mit?

Erfahrungen, Kompetenzen, Qualifikationen und persönliche Stärken.

Was möchte ich?

Interessen, Tätigkeiten, Arbeitsumfeld und persönliche Ziele.

Was ist realistisch möglich?

Arbeitsmarkt, Arbeitszeit, Mobilität, gesundheitliche oder familiäre Rahmenbedingungen und gegebenenfalls notwendige Weiterbildung.

Erst dort, wo sich diese drei Bereiche überschneiden, entstehen wirklich interessante berufliche Möglichkeiten.

Auch zu wissen, was man nicht mehr möchte, ist wertvoll

In Beratungsgesprächen höre ich häufig:

„Ich weiß nicht, was ich machen möchte.“

Meine nächste Frage könnte dann sein:

„Wissen Sie denn, was Sie nicht mehr machen möchten?“

Darauf gibt es erstaunlich oft eine sehr konkrete Antwort.

Keine Nachtschichten mehr.

Nicht mehr ausschließlich sitzen.

Nicht mehr den ganzen Tag körperlich arbeiten.

Keine Personalverantwortung mehr.

Mehr Kontakt mit Menschen.

Weniger Kontakt mit Menschen.

Nicht mehr zwei Stunden täglich pendeln.

Keine Vollzeitstelle mehr.

Das klingt zunächst wie eine Liste von Einschränkungen.

Tatsächlich entstehen daraus aber Kriterien für eine neue berufliche Perspektive.

Aus einem unbestimmten „Ich weiß nicht, was ich machen soll“ wird Schritt für Schritt ein klareres Bild.

Quereinstieg bedeutet nicht, die bisherige Erfahrung wegzuwerfen

Ein Berufswechsel wird manchmal so betrachtet, als müsse man noch einmal ganz von vorne anfangen.

Das stimmt häufig nicht.

Interessanter ist die Frage:

Welche meiner bisherigen Erfahrungen lassen sich in ein anderes Tätigkeitsfeld übertragen?

Eine langjährige Verkäuferin bringt beispielsweise Kundenkommunikation und Konflikterfahrung mit.

Ein Handwerker möglicherweise Organisation, Problemlösung und technisches Verständnis.

Eine Reinigungskraft aus einem Krankenhaus kennt Arbeitsabläufe, Hygieneanforderungen und den Umgang mit Menschen in besonderen Situationen.

Eine ehemalige Erzieherin bringt möglicherweise auch nach vielen Jahren außerhalb ihres ursprünglichen Berufs soziale und kommunikative Kompetenzen mit.

Die Berufsbezeichnung verändert sich.

Viele Kompetenzen bleiben.

Weiterbildung kann sinnvoll sein – aber nicht als Selbstzweck

Bei einer beruflichen Neuorientierung taucht schnell die Frage nach Weiterbildung auf.

Auch hier lohnt sich zunächst ein genauerer Blick.

Eine Weiterbildung ist besonders sinnvoll, wenn klar ist:

Welches berufliche Ziel soll damit erreicht werden?

Welche konkrete Qualifikation fehlt dafür?

Wird diese Qualifikation auf dem Arbeitsmarkt tatsächlich verlangt?

Passt die Weiterbildung zu den persönlichen Voraussetzungen?

Erst danach sollte die Frage kommen, welcher Kurs oder welcher Anbieter infrage kommt.

Nicht jede Weiterbildung verbessert automatisch die beruflichen Chancen.

Eine Weiterbildung sollte möglichst eine Brücke zwischen vorhandener Erfahrung und einem realistischen beruflichen Ziel sein.

Und dann kommt der Arbeitsmarkt

Berufliche Orientierung darf nicht ausschließlich im Gespräch stattfinden.

Irgendwann müssen die Ideen mit der Realität abgeglichen werden.

Gibt es entsprechende Stellen?

Welche Anforderungen stellen Arbeitgeber?

Welche Arbeitszeiten werden angeboten?

Wie weit wäre der Arbeitsweg?

Welche Qualifikationen werden tatsächlich verlangt?

Und nicht zuletzt:

Wie fühlt sich eine konkrete Stellenanzeige an?

Manchmal verändert sich eine berufliche Idee sehr schnell, wenn aus einem abstrakten Berufsbild eine konkrete Tätigkeit wird.

Deshalb kann Stellenrecherche bereits Teil der beruflichen Orientierung sein – lange bevor die erste Bewerbung geschrieben wird.

Erst danach kommt die Bewerbung

Wenn eine Richtung erkennbar wird, können Lebenslauf und Bewerbung darauf abgestimmt werden.

Dann verändert sich auch die Perspektive auf den Lebenslauf.

Er lautet nicht mehr:

„Das habe ich alles irgendwann einmal gemacht.“

Sondern:

„Das davon ist für meine nächste berufliche Aufgabe relevant.“

Das ist ein erheblicher Unterschied.

Eine gute Bewerbung erzählt deshalb keine erfundene Erfolgsgeschichte.

Sie macht nachvollziehbar, warum bisherige Erfahrungen, heutige Motivation und eine neue berufliche Aufgabe zusammenpassen können.

Vielleicht lautet die bessere Frage also nicht: Was kann ich noch machen?

Sondern:

Was bringe ich bereits mit?

Was möchte ich davon weiterhin nutzen?

Was soll sich verändern?

Welche Bedingungen brauche ich heute?

Welche Möglichkeiten gibt es tatsächlich?

Und schließlich:

Welchen dieser Wege möchte ich als Nächstes genauer untersuchen?

Berufliche Neuorientierung muss nicht damit beginnen, bereits den neuen Beruf zu kennen.

Sie kann damit beginnen, die eigene Situation genauer zu verstehen.

Aus Möglichkeiten werden dann Optionen.

Aus Optionen können Entscheidungen entstehen.

Und aus einer Entscheidung wird irgendwann ein nächster konkreter Schritt.


Sie denken über eine berufliche Veränderung nach?

In einer beruflichen Standortbestimmung können wir gemeinsam Ihre Erfahrungen, Kompetenzen, Interessen und heutigen Rahmenbedingungen betrachten und daraus mögliche berufliche Richtungen entwickeln.

Dabei muss das Ergebnis nicht bereits vor dem ersten Gespräch feststehen.

Genau dafür ist die Beratung da.

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Thomas Saar-Knepper
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