Wenn KI Bewerbungen schreibt und KI Bewerbungen aussortiert – wer erkennt dann noch den Menschen?

Warum künstliche Intelligenz die Personalauswahl verändert und weshalb menschliche Kompetenz wichtiger werden könnte als perfekt formulierte Bewerbungen.

Von Thomas Saar-Knepper | 14. Oktober 2026

Die Bewerbung ist längst nicht mehr nur ein Gespräch zwischen einem Menschen, der Arbeit sucht, und einem Unternehmen, das Mitarbeitende gewinnen möchte.

Zunehmend steht auf beiden Seiten eine künstliche Intelligenz.

Bewerberinnen und Bewerber lassen Anschreiben formulieren, Lebensläufe optimieren und ihre beruflichen Erfahrungen auf Stellenausschreibungen zuschneiden. Personalabteilungen wiederum setzen Software ein, um Bewerbungen zu analysieren, zu vergleichen und vorzusortieren.

Was zunächst nach einem Effizienzgewinn klingt, wirft eine grundsätzliche Frage auf:

Wenn Maschinen Bewerbungen erstellen und andere Maschinen diese bewerten – was erfahren Unternehmen dann tatsächlich noch über die Menschen, die sich bewerben?

Das Anschreiben verliert an Bedeutung – aber nicht die Bewerbung

Ein am 14. Oktober 2026 im Handelsblatt veröffentlichter dpa-Bericht greift eine Untersuchung der Jobplattform Indeed auf.

Demnach berichten 56 Prozent der befragten Personalverantwortlichen von einer gestiegenen Zahl eingehender Bewerbungen. 54 Prozent halten Anschreiben inzwischen für weniger aussagekräftig als früher.

Bemerkenswert ist ein weiterer Befund: 41 Prozent geben an, offensichtlich vollständig KI-generierte Bewerbungen unmittelbar auszusortieren.

Die Untersuchung beruht auf den Angaben von 300 Personalentscheidern. Sie ist keine repräsentative Bestandsaufnahme des gesamten deutschen Arbeitsmarktes. Dennoch beschreibt sie eine Entwicklung, die für Bewerbende und Unternehmen gleichermaßen relevant ist.

Denn hier entsteht ein Widerspruch: Einerseits wird die Verwendung digitaler Werkzeuge im Berufsleben zunehmend erwartet. Andererseits kann ihre Verwendung im Bewerbungsprozess offenbar negativ bewertet werden.

Nicht die Nutzung von KI sollte entscheidend sein, sondern die Glaubwürdigkeit und Aussagekraft dessen, was mit ihrer Hilfe entsteht.

Ein neues Wettrüsten im Bewerbungsverfahren?

Aus Sicht der Bewerbenden erscheint der Einsatz von KI zunächst nachvollziehbar.

Wer zahlreiche Bewerbungen schreiben muss, möchte Zeit sparen. Wer Schwierigkeiten mit Formulierungen hat, erhält sprachliche Unterstützung. Wer nach langer Berufstätigkeit einen neuen Arbeitsplatz sucht, kann die eigenen Erfahrungen besser strukturieren.

KI kann dabei eine erhebliche Hilfe sein.

Doch wenn Bewerbungsunterlagen immer stärker standardisiert und sprachlich perfektioniert werden, verlieren bestimmte Formulierungen ihren bisherigen Informationswert.

Personalabteilungen reagieren darauf mit weiteren technischen Verfahren. Bewerbungen werden nach Schlüsselbegriffen, Qualifikationen und vermeintlicher Passung gefiltert.

Die Bewerbenden versuchen wiederum, ihre Unterlagen möglichst gut auf solche Auswahlmechanismen abzustimmen.

So kann eine Entwicklung entstehen, in der sich beide Seiten zunehmend an technischen Systemen orientieren, anstatt miteinander ins Gespräch zu kommen.

Das Problem ist nicht die Technologie selbst.

Problematisch wird es, wenn die Optimierung des Bewerbungsverfahrens wichtiger wird als dessen ursprünglicher Zweck: geeignete Menschen und passende Arbeitsplätze zusammenzubringen.

Was lässt sich aus einem Lebenslauf überhaupt erkennen?

Ein Lebenslauf ist eine Auswahl biografischer Informationen.

Er zeigt Stationen, Zeiträume, Qualifikationen und berufliche Tätigkeiten. Was er nur begrenzt sichtbar macht, sind die Fähigkeiten, die Menschen im Laufe ihres Lebens tatsächlich entwickelt haben.

Wie geht jemand mit unerwarteten Problemen um?

Welche Erfahrungen hat eine Person bei der Übernahme von Verantwortung gesammelt?

Wie wurden berufliche Veränderungen, familiäre Verpflichtungen oder schwierige Lebenssituationen bewältigt?

Welche Kompetenzen wurden außerhalb formaler Bildungswege erworben?

Solche Fragen lassen sich nicht zuverlässig allein anhand von Berufsbezeichnungen und standardisierten Kompetenzbegriffen beantworten.

Ein automatisiertes Auswahlverfahren, das stark auf formale Übereinstimmungen setzt, kann diese Fähigkeiten leicht übersehen.

Das betrifft insbesondere Menschen mit unterbrochenen Erwerbsbiografien, berufliche Quereinsteiger, ältere Bewerbende und Personen, deren Kompetenzen nicht vollständig durch Zeugnisse dokumentiert sind.

Gerade hier besteht die Gefahr, dass vorhandene Ungleichheiten durch technische Auswahlmechanismen nicht beseitigt, sondern fortgeschrieben werden.

Die systemische Perspektive: Menschen sind mehr als ihre Daten

In der systemischen Beratung betrachten wir berufliche Entwicklung nicht ausschließlich als Abfolge von Qualifikationen und Beschäftigungsverhältnissen.

Wir fragen auch nach Zusammenhängen, Ressourcen, Beziehungen und Handlungsmöglichkeiten.

Ein beruflicher Bruch kann beispielsweise mit einem Verlust verbunden sein. Er kann aber ebenso neue Fähigkeiten, Erfahrungen und Perspektiven hervorgebracht haben.

Eine längere Familienphase ist nicht automatisch eine Phase ohne Kompetenzentwicklung.

Ein Berufswechsel ist nicht zwangsläufig ein Zeichen mangelnder Beständigkeit.

Und eine ungewöhnliche Erwerbsbiografie muss kein Nachteil sein, wenn die darin erworbenen Fähigkeiten zum künftigen Aufgabenfeld passen.

Diese Zusammenhänge erschließen sich häufig erst im Gespräch.

Ein Algorithmus kann berufliche Informationen vergleichen. Ob er die Bedeutung einer individuellen Lebensgeschichte angemessen erfasst, ist eine andere Frage.

Kompetenzermittlung statt bloßer Schlüsselwortoptimierung

Für die berufliche Beratung ergibt sich daraus eine wichtige Konsequenz.

Es reicht nicht aus, Menschen beizubringen, wie sie ihre Bewerbungsunterlagen möglichst gut an automatisierte Auswahlverfahren anpassen.

Vielmehr sollten sie zunächst erkennen und beschreiben können, welche Kompetenzen sie tatsächlich besitzen.

Hier bietet beispielsweise die Arbeit mit dem ProfilPASS einen geeigneten Ansatz.

Der ProfilPASS unterstützt dabei, Erfahrungen aus unterschiedlichen Lebensbereichen systematisch zu betrachten und daraus erworbene Fähigkeiten abzuleiten.

So entstehen Kompetenzbeschreibungen, die nicht allein auf formalen Abschlüssen beruhen.

Diese können anschließend auch für Bewerbungen genutzt werden.

KI kann bei der sprachlichen Aufbereitung solcher Ergebnisse unterstützen. Sie sollte jedoch nicht an die Stelle der persönlichen Reflexion treten.

Denn eine überzeugende Bewerbung beginnt nicht mit der perfekten Formulierung.

Sie beginnt mit einer realistischen Vorstellung davon, was ein Mensch kann, was ihn auszeichnet und was er künftig beitragen möchte.

Auch Unternehmen müssen ihre Auswahlverfahren hinterfragen

Der Einsatz von KI in Personalabteilungen ist nicht grundsätzlich problematisch.

Software kann administrative Prozesse vereinfachen, große Datenmengen strukturieren und Hinweise auf passende Qualifikationen liefern.

Sie kann Personalverantwortliche entlasten und ihnen im besten Fall mehr Zeit für persönliche Gespräche verschaffen.

Das setzt allerdings voraus, dass die technische Vorauswahl nachvollziehbar gestaltet wird.

Unternehmen sollten sich deshalb fragen:

  • Welche Kriterien entscheiden darüber, ob eine Bewerbung berücksichtigt wird?
  • Werden nur formale Qualifikationen erfasst oder auch übertragbare Kompetenzen?
  • Können ungewöhnliche Erwerbsbiografien angemessen berücksichtigt werden?
  • Werden mögliche Benachteiligungen systematisch überprüft?
  • Haben verantwortliche Menschen tatsächlich die Möglichkeit, automatisierte Bewertungen zu hinterfragen und zu korrigieren?

Diese Fragen sind nicht nur eine Angelegenheit der Personaltechnik. Sie betreffen die Qualität der Personalauswahl und den verantwortlichen Umgang mit Menschen.

Auch rechtlich ist das Thema relevant.

Die Datenschutz-Grundverordnung begrenzt bestimmte ausschließlich automatisierte Entscheidungen mit rechtlicher oder ähnlich erheblicher Wirkung. Die europäische KI-Verordnung stuft zahlreiche KI-Anwendungen zur Bewerberauswahl als Hochrisiko-Anwendungen ein und sieht dafür besondere Anforderungen vor.

Entscheidend ist deshalb nicht, ob irgendwo im Verfahren noch ein Mensch beteiligt ist.

Entscheidend ist, ob dieser Mensch eine Bewertung tatsächlich überprüfen und eigenständig entscheiden kann.

KI-Kompetenz wird wichtig – Selbstkenntnis bleibt unverzichtbar

Für Menschen auf Arbeitssuche bedeutet diese Entwicklung keineswegs, auf künstliche Intelligenz verzichten zu müssen.

Im Gegenteil: Der kompetente Umgang mit digitalen Werkzeugen wird zunehmend zu einer wichtigen beruflichen Fähigkeit.

KI kann helfen, Stellenausschreibungen zu verstehen, Lebensläufe übersichtlich zu gestalten, Anschreiben zu strukturieren oder Vorstellungsgespräche vorzubereiten.

Allerdings sollte die Verantwortung für den Inhalt bei den Bewerbenden bleiben.

Wer eine Bewerbung versendet, sollte jede darin enthaltene Aussage erläutern und anhand eigener Erfahrungen belegen können.

Eine sprachlich perfekte Bewerbung ist wenig wert, wenn im Vorstellungsgespräch nicht deutlich wird, welcher Mensch hinter den Formulierungen steht.

Deshalb braucht zeitgemäßes Bewerbungscoaching beides: digitale Kompetenz und persönliche Kompetenzklärung.

Nicht jeder Mensch muss zum Experten für künstliche Intelligenz werden. Aber jeder sollte verstehen können, wie er solche Werkzeuge sinnvoll und selbstbestimmt einsetzt.

Die eigentliche Zukunftsfrage lautet nicht Mensch oder Maschine

Die öffentliche Diskussion über KI wird häufig als Gegensatz geführt.

Hier die technologische Effizienz, dort die menschliche Individualität.

Eine solche Gegenüberstellung greift zu kurz.

Künstliche Intelligenz kann Personalentscheidungen vorbereiten, Informationen strukturieren und Bewerbende unterstützen.

Sie kann jedoch auch dazu beitragen, dass Menschen auf Datenmuster reduziert und vorhandene Benachteiligungen verstärkt werden.

Welche Entwicklung überwiegt, hängt wesentlich davon ab, wie wir diese Systeme gestalten und einsetzen.

Für die berufliche Beratung bedeutet das: Menschen sollten nicht nur lernen, sich technischen Auswahlverfahren anzupassen. Sie brauchen auch die Möglichkeit, ihre Kompetenzen zu erkennen, ihre berufliche Geschichte verständlich darzustellen und selbstbestimmte Entscheidungen zu treffen.

Für Unternehmen bedeutet es, technische Effizienz nicht mit guter Personalauswahl gleichzusetzen.

Vielleicht liegt die wichtigste Zukunftskompetenz deshalb nicht darin, immer bessere Bewerbungen von Maschinen schreiben zu lassen, sondern darin, menschliche Fähigkeiten wieder genauer zu erkennen.

Und dafür braucht es weiterhin etwas, das sich nicht durch eine optimierte Textvorlage ersetzen lässt:

Aufmerksamkeit, echtes Interesse und die Bereitschaft, Menschen nicht vorschnell auf ihre Daten zu reduzieren.


Über den Autor

Thomas Saar-Knepper ist systemischer Coach, beruflicher Berater und qualifizierter ProfilPASS-Berater in Berlin. Er begleitet Menschen bei beruflicher Neuorientierung, Kompetenzentwicklung und persönlichen Veränderungsprozessen.

Mehr erfahren: Beruf & Bewerbung · ProfilPASS-Beratung · Kontakt

„Ich spiele nicht mit.“ – Warum Abgrenzung die beste Strategie für die zweite Lebenshälfte ist

Kürzlich habe ich auf LinkedIn eine kleine Beobachtung geteilt: Ich erhalte dort in letzter Zeit regelmäßig Einladungen zu Spielen und Rätseln. Als systemischer Coach gehe ich stets davon aus, dass jedes Verhalten in seinem jeweiligen Kontext einen Sinn ergibt – ich war mir nur nicht ganz sicher, welchen Sinn diese Spiele für mein berufliches Netzwerk haben sollten.

Meine Intervention war denkbar unspektakulär: Ich spiele nicht mit.

Nicht aus mangelnder Wertschätzung, sondern weil ich meine Zeit und Aufmerksamkeit lieber auf echte Begegnungen, fachlichen Austausch und tragfähige Perspektiven richte. Systemisch betrachtet ist das Abgrenzen eine ganz grundlegende Form gelungener Kommunikation: Erwartungen klären, Grenzen benennen und Unterschiede akzeptieren.

Was im digitalen Netzwerk ein harmloses Schmunzeln auslöst, berührt im Berufsleben ab 50 oft einen existenziellen Nerv: Bei welchen Spielen spielen wir eigentlich noch mit – und warum?

Das Hamsterrad der fremden Spielregeln

Wer 25 oder 30 Jahre Berufserfahrung im Gepäck hat, kennt die unterschiedlichsten Spielarten des Arbeitsmarkts:

  • Das Spiel der ständigen Selbstoptimierung, bei dem jeder flüchtige Trend mitgemacht werden muss.
  • Die unausgesprochenen Spielregeln im Bewerbungsprozess, bei denen Erfahrung plötzlich als „überqualifiziert“ umgedeutet wird.
  • In der Selbstständigkeit: das Getriebensein, jedes Angebot anzunehmen, Preise zu rechtfertigen und sich im digitalen Grundrauschen zu verzetteln, anstatt das eigene Profil scharf zu stellen.

In der Lebensphase 50+ stellen viele Menschen fest, dass die Energie für solche Nebenschauplätze schlicht zu schade ist. Die Frage lautet nicht mehr: „Wie passe ich mich an jedes Spiel an?“, sondern: „Passt dieses Spiel überhaupt noch zu meiner Lebensphase, meinen Werten und meinen Zielen?“

Nicht-Mitspielen als systemische Intervention

In der Systemtheorie gilt ein einfacher Grundsatz: Man kann nicht nicht entscheiden. Auch das Verharren oder das stumme Erdulden von unpassenden Rahmenbedingungen ist eine Entscheidung.

Zu sagen: „Ich spiele hier nicht mehr mit“, ist keine Resignation. Im Gegenteil:

  • Fokus statt Verzettelung: Wer aufhört, auf fremde Erwartungen zu reagieren, gewinnt Raum für die eigenen Stärken.
  • Souveränität durch Klarheit: Grenzen zu setzen signalisiert Professionalität und Standfestigkeit – im Angestelltenverhältnis ebenso wie gegenüber Kunden.
  • Ressourcenschonung: Mit 50+ geht es selten darum, das Rad neu zu erfinden. Es geht darum, das Vorhandene strukturiert, tragfähig und wirtschaftlich sinnvoll auszurichten.

Was das für das Coaching 50+ bedeutet

In meiner Beratung – ob bei der beruflichen Neuorientierung oder bei der Konsolidierung einer Selbstständigkeit – geht es selten um theoretische Patentrezepte. Wir schauen uns die reale Ausgangslage an:

  1. Sortieren: Welche Anforderungen von außen sind wirklich relevant – und was ist nur zeitraubendes Beiwerk?
  2. Klären: Welche Kompetenzen, Werte und Erfahrungen tragen Sie durch die kommenden Jahre?
  3. Handeln: Welche nächsten, machbaren Schritte bringen Stabilität und Ruhe in den Alltag?

Manchmal ist der mutigste und wirksamste nächste Schritt ganz unspektakulär: Eine Grenze zu ziehen, ein klares „Nein“ auszusprechen und sich auf das zu konzentrieren, was wirklich zählt.

Ganz ohne Spiele. Aber mit klarer Richtung.

Haben Sie das Gefühl, dass es Zeit für eine Bestandsaufnahme ist? Ob berufliche Neuorientierung, der Umgang mit Institutionen oder die Frage, wie Sie selbstständig, aber strukturiert & tragfähig bleiben: Lassen Sie uns in einem Erstgespräch klären, was zu Ihrer heutigen Situation passt.

Erstgespräch vereinbaren

Ich weiß, was ich nicht mehr will – aber nicht, was stattdessen kommen soll

Warum berufliche Orientierung nicht mit einer fertigen Antwort beginnen muss

Manchmal ist erstaunlich klar, was nicht mehr passt.

Der Beruf macht keine Freude mehr. Die Arbeitsbedingungen kosten zunehmend Kraft. Der Gedanke, noch viele Jahre genau so weiterzumachen, fühlt sich wenig attraktiv an. Vielleicht hat sich auch das eigene Leben verändert – und das, was vor zehn oder zwanzig Jahren gut gepasst hat, passt heute einfach nicht mehr.

Auf die Frage, was stattdessen kommen soll, fehlt jedoch die Antwort.

„Ich weiß ziemlich genau, was ich nicht mehr will. Aber ich habe keine Ahnung, was ich stattdessen machen könnte.“

Das klingt zunächst nach Orientierungslosigkeit. Tatsächlich steckt darin bereits eine ganze Menge Orientierung.

Zu wissen, was nicht mehr passt, ist ein Anfang

Bei einer beruflichen Neuorientierung entsteht schnell der Eindruck, man müsse möglichst früh ein konkretes Ziel benennen können:

Welcher Beruf soll es werden?
Welche Stelle suche ich?
Welche Weiterbildung brauche ich?
Wo möchte ich mich bewerben?

Doch manchmal kommen diese Fragen zu früh.

Wer über längere Zeit unzufrieden mit seiner beruflichen Situation war, hat häufig zunächst etwas anderes herausgefunden: unter welchen Bedingungen er nicht mehr arbeiten möchte.

Das können beispielsweise sein:

  • dauernder Zeitdruck,
  • wechselnde Arbeitszeiten,
  • körperlich belastende Tätigkeiten,
  • fehlende Wertschätzung,
  • wenig Gestaltungsspielraum,
  • ständiger Kundenkontakt,
  • zu viel oder zu wenig Verantwortung,
  • lange Arbeitswege,
  • fehlende Entwicklungsmöglichkeiten,
  • ein Arbeitsumfeld, das nicht mehr zur eigenen Lebenssituation passt.

Diese Erkenntnisse sind keine bloße Negativliste. Sie liefern wichtige Informationen darüber, was künftig anders sein sollte.

Aus „nicht mehr“ kann ein „stattdessen“ entstehen

Eine hilfreiche Frage lautet deshalb nicht sofort:

„Was möchte ich beruflich werden?“

Interessanter können zunächst andere Fragen sein:

Was genau möchte ich nicht mehr?
Was daran belastet mich besonders?
Was müsste anders sein, damit Arbeit wieder besser zu meinem Leben passt?
Was möchte ich aus meiner bisherigen Tätigkeit unbedingt behalten?
Was kann ich gut, obwohl ich es vielleicht nicht mehr in genau diesem Beruf einsetzen möchte?

Aus „Ich möchte nicht mehr ständig unter Zeitdruck arbeiten“ kann beispielsweise der Wunsch nach besser planbaren Arbeitsabläufen entstehen.

Aus „Ich möchte nicht mehr den ganzen Tag körperlich arbeiten“ wird möglicherweise die Suche nach einer Tätigkeit, in der Erfahrung und Fachwissen stärker gefragt sind als körperliche Belastbarkeit.

Und aus „Ich möchte nicht mehr jeden Tag dasselbe machen“ kann sich der Wunsch nach mehr Abwechslung, Verantwortung oder Gestaltungsspielraum entwickeln.

Damit verändert sich die Fragestellung.

Es geht nicht mehr nur darum, von etwas wegzukommen, sondern zunehmend darum, herauszufinden, wohin die Entwicklung gehen könnte.

Der bisherige Beruf ist nicht die Summe der eigenen Fähigkeiten

Gerade nach vielen Berufsjahren passiert etwas Interessantes: Beruf und Fähigkeiten werden leicht miteinander verwechselt.

Wer beispielsweise zwanzig Jahre in einem bestimmten Beruf gearbeitet hat, beschreibt sich häufig mit genau dieser Berufsbezeichnung.

Dabei steckt in diesen zwanzig Jahren sehr viel mehr.

Vielleicht musste man:

  • mit sehr unterschiedlichen Menschen umgehen,
  • Konflikte lösen,
  • Abläufe organisieren,
  • Prioritäten setzen,
  • neue Kolleginnen und Kollegen einarbeiten,
  • improvisieren,
  • Verantwortung übernehmen,
  • Kunden beraten,
  • Termine koordinieren,
  • dokumentieren,
  • unter Zeitdruck Entscheidungen treffen,
  • selbstständig Probleme lösen.

Das sind Kompetenzen, die nicht ausschließlich zu einem einzigen Beruf gehören.

Bei einer Neuorientierung lohnt sich deshalb die Frage:

Welche meiner Fähigkeiten möchte ich weiter nutzen – nur vielleicht in einem anderen Zusammenhang?

Das eröffnet häufig mehr Möglichkeiten als die reine Suche nach ähnlichen Stellenangeboten.

Nicht alles muss verändert werden

Berufliche Neuorientierung wird manchmal mit einem vollständigen Neustart gleichgesetzt.

Doch Veränderung muss nicht bedeuten, alles Bisherige hinter sich zu lassen.

Vielleicht ist der Beruf grundsätzlich noch passend, aber der Arbeitgeber nicht.

Vielleicht stimmt die Tätigkeit, aber nicht mehr der zeitliche Umfang.

Vielleicht sind bestimmte Aufgaben weiterhin interessant, während andere zunehmend belasten.

Oder die bisherige Erfahrung könnte in einem angrenzenden Tätigkeitsfeld eingesetzt werden.

Deshalb kann eine wichtige Zwischenfrage lauten:

Was soll sich verändern – und was soll ausdrücklich bleiben?

Das ist häufig leichter zu beantworten als die große Frage nach dem nächsten Beruf.

Eine kleine Übung zur beruflichen Standortbestimmung

Wer gerade an diesem Punkt steht, kann drei Listen anlegen.

1. Das möchte ich nicht mehr

Hier darf zunächst alles stehen, was an der bisherigen beruflichen Situation nicht mehr passen soll.

Nicht bewerten. Erst einmal sammeln.

2. Das möchte ich behalten

Welche Aspekte der bisherigen Arbeit waren gut?

Das können Tätigkeiten sein, aber auch Arbeitsbedingungen: Kontakt zu Menschen, Selbstständigkeit, Teamarbeit, feste Arbeitszeiten, Bewegung, Verantwortung, Sicherheit oder ein bestimmtes Maß an Routine.

3. Davon hätte ich künftig gerne mehr

Hier wird es besonders interessant.

Mehr Ruhe?
Mehr Verantwortung?
Mehr Kontakt zu Menschen?
Mehr Selbstständigkeit?
Mehr Sicherheit?
Mehr Abwechslung?
Mehr Sinn?
Mehr Einkommen?
Mehr Zeit außerhalb der Arbeit?

Anschließend lohnt sich ein Blick auf alle drei Listen zusammen.

Noch immer muss daraus keine konkrete Berufsbezeichnung entstehen.

Aber möglicherweise wird bereits deutlich, welche Bedingungen eine zukünftige Tätigkeit erfüllen sollte.

Und dann kommt die Realität dazu

Eine berufliche Veränderung findet natürlich nicht im luftleeren Raum statt.

Qualifikationen, Einkommen, Arbeitsmarkt, Alter, Mobilität, Arbeitszeit, familiäre Verpflichtungen und manchmal auch gesundheitliche Belastungsgrenzen spielen eine Rolle.

Deshalb reicht es nicht, nur zu fragen:

„Was würde ich gerne machen?“

Ebenso wichtig ist:

„Was davon ist unter meinen gegenwärtigen Bedingungen realistisch – und was müsste geschehen, damit eine andere Möglichkeit realistisch wird?“

Vielleicht braucht es keine neue Ausbildung, sondern eine gezielte Weiterbildung.

Vielleicht ist ein Quereinstieg möglich.

Vielleicht gibt es Tätigkeitsfelder, die man bisher überhaupt nicht betrachtet hat.

Vielleicht stellt sich aber auch heraus, dass eine vermeintlich attraktive Alternative bei genauerem Hinsehen gar nicht zu den eigenen Anforderungen passt.

Auch das ist ein gutes Ergebnis.

Denn berufliche Orientierung bedeutet nicht, möglichst viele Möglichkeiten zu finden. Es geht darum, passende Möglichkeiten besser von unpassenden unterscheiden zu können.

Nicht die perfekte Antwort suchen

Eine weitere Falle bei der Neuorientierung ist die Suche nach dem einen Beruf, bei dem anschließend alles stimmt.

Den gibt es meistens nicht.

Jede berufliche Entscheidung bringt Vorteile, Nachteile und Kompromisse mit sich.

Eine interessante Tätigkeit kann beispielsweise weniger Sicherheit bieten. Eine sichere Stelle kann weniger Gestaltungsspielraum haben. Eine Weiterbildung kann neue Möglichkeiten eröffnen, verlangt aber zunächst Zeit und Energie.

Deshalb kann eine realistischere Frage lauten:

Welche Möglichkeit passt unter meinen jetzigen Bedingungen gut genug zu mir, um sie genauer zu prüfen?

Das nimmt der Entscheidung etwas von ihrer Endgültigkeit.

Der nächste Schritt muss nicht bereits die Lösung für die nächsten zwanzig Jahre sein.

Manchmal braucht es zunächst Klarheit statt Bewerbungen

Wer noch nicht weiß, wohin die berufliche Reise gehen soll, muss nicht sofort Stellenanzeigen durchsuchen und Bewerbungen verschicken.

Manchmal ist der sinnvollere erste Schritt eine Standortbestimmung:

Was ist gerade eigentlich los?
Was soll sich verändern?
Was soll bleiben?
Welche Erfahrungen und Fähigkeiten bringe ich mit?
Welche Rahmenbedingungen sind wichtig?
Welche Möglichkeiten könnte ich prüfen?

Aus diesen Fragen können erste Optionen entstehen.

Dann lassen sie sich recherchieren, vergleichen und auf ihre Realisierbarkeit überprüfen.

Und aus mehreren Möglichkeiten kann irgendwann ein nächster Schritt werden.

Nicht unbedingt der perfekte.

Aber einer, der zur gegenwärtigen Situation passt.


Vielleicht kennen Sie diese Situation?

Sie wissen ziemlich genau, dass sich beruflich etwas verändern soll – aber noch nicht, wohin die Reise gehen könnte.

Das ist ein sinnvoller Ausgangspunkt für berufliche Orientierung oder systemisches Coaching.

Gemeinsam können wir Ihre Situation sortieren, bisherige Erfahrungen und Ressourcen betrachten, Anforderungen an eine zukünftige Tätigkeit herausarbeiten und mögliche nächste Schritte entwickeln.

Sie müssen zum ersten Gespräch noch keine fertige Lösung mitbringen.

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Sieben Fragen, die helfen, wenn man beruflich nicht weiterweiß

Eine kleine berufliche Standortbestimmung zum Selbermachen

„Ich weiß gerade nicht, wie es beruflich weitergehen soll.“

Diesen Satz höre ich in Beratungsgesprächen immer wieder.

Manchmal gibt es zu viele Möglichkeiten. Manchmal scheint es gar keine zu geben. Und manchmal dreht man sich mit denselben Gedanken schon seit Wochen im Kreis.

Dann liegt es nahe, sofort nach Lösungen zu suchen:

Welche Stellen gibt es? Welche Weiterbildung könnte ich machen? Welcher Beruf hat Zukunft? Wo könnte ich mich bewerben?

Das sind wichtige Fragen.

Aber möglicherweise kommen sie einen Schritt zu früh.

Bevor nach einer Lösung gesucht wird, kann es hilfreich sein, die eigene Situation genauer zu betrachten.

Die folgenden sieben Fragen können dabei helfen.

Nehmen Sie sich dafür etwas Zeit. Schreiben Sie die Antworten möglichst auf. Es geht nicht darum, sofort den perfekten beruflichen Plan zu entwickeln.

Es geht zunächst darum, klarer zu sehen.

1. Was genau soll sich verändern?

„Ich brauche einen anderen Job“ ist zunächst ein Wunsch – aber noch kein konkretes Ziel.

Interessanter wird es, wenn Sie genauer hinschauen:

Was stört Sie an Ihrer jetzigen Situation?

Ist es die Tätigkeit?

Der Arbeitgeber?

Die Arbeitszeit?

Das Einkommen?

Der Arbeitsweg?

Die körperliche Belastung?

Der Umgang im Team?

Fehlende Entwicklungsmöglichkeiten?

Oder etwas ganz anderes?

Versuchen Sie den Satz zu vervollständigen:

„Meine berufliche Situation wäre besser, wenn …“

Schreiben Sie ruhig mehrere Antworten auf.

Vielleicht stellen Sie dabei fest, dass Sie gar keinen vollkommen neuen Beruf brauchen.

Möglicherweise brauchen Sie vor allem andere Arbeitsbedingungen.

2. Was soll unbedingt bleiben?

Bei Veränderung schauen wir häufig zuerst auf das, was nicht mehr funktioniert.

Systemisch betrachtet ist mindestens ebenso interessant:

Was funktioniert bereits?

Vielleicht möchten Sie weiterhin mit Menschen arbeiten.

Vielleicht mögen Sie praktische Tätigkeiten.

Vielleicht schätzen Sie feste Strukturen.

Vielleicht arbeiten Sie gerne selbstständig.

Vielleicht möchten Sie Ihr Fachwissen weiterhin nutzen.

Vielleicht ist Ihnen ein kleines Team wichtig.

Fragen Sie sich:

„Was würde ich bei einer beruflichen Veränderung vermissen, wenn es plötzlich nicht mehr da wäre?“

Die Antwort zeigt häufig sehr deutlich, was Ihnen bei Arbeit wichtig ist.

3. Was kann ich eigentlich gut?

Diese Frage ist schwieriger, als sie klingt.

Besonders Dinge, die wir seit Jahren selbstverständlich erledigen, nehmen wir häufig nicht mehr als besondere Fähigkeit wahr.

„Das kann doch jeder.“

Stimmt das wirklich?

Denken Sie an konkrete Situationen.

Wobei fragen andere Menschen Sie um Hilfe?

Welche Aufgaben werden Ihnen häufig übertragen?

Was gelingt Ihnen meistens gut?

Welche Probleme können Sie lösen?

Was haben Sie im Laufe Ihres Berufslebens gelernt?

Dabei können fachliche Fähigkeiten ebenso wichtig sein wie beispielsweise:

Organisation,

Kommunikation,

Zuverlässigkeit,

handwerkliches Geschick,

Umgang mit Kunden,

Konfliktfähigkeit,

Dokumentation,

Improvisation,

technisches Verständnis

oder die Fähigkeit, auch in schwierigen Situationen ruhig zu bleiben.

Hilfreich kann außerdem eine Außenperspektive sein.

Fragen Sie jemanden, der Sie gut kennt:

„Was glaubst du, kann ich besonders gut?“

Die Antwort kann überraschen.

4. Wann war Arbeit für mich schon einmal richtig gut?

Das ist eine meiner bevorzugten Fragen.

Nicht:

„Was wäre Ihr idealer Beruf?“

Sondern:

„Gab es eine Situation in Ihrem bisherigen Berufsleben, in der Sie gerne gearbeitet haben?“

Vielleicht fällt Ihnen eine bestimmte Tätigkeit ein.

Ein Projekt.

Ein Arbeitgeber.

Ein Team.

Eine einzelne Aufgabe.

Oder sogar nur ein bestimmter Arbeitstag.

Schauen Sie genauer hin:

Was war damals anders?

Was haben Sie konkret gemacht?

Mit wem haben Sie gearbeitet?

Wie selbstständig konnten Sie handeln?

Wie viel Verantwortung hatten Sie?

Welche Fähigkeiten konnten Sie einsetzen?

Manchmal liegt ein Hinweis auf die Zukunft in einer Erfahrung aus der Vergangenheit.

5. Was möchte ich definitiv nicht mehr?

Auch Ausschlusskriterien sind wertvolle Informationen.

Vielleicht lautet Ihre Liste:

Keine Nachtschichten.

Keine schwere körperliche Arbeit.

Nicht mehr zwei Stunden täglich pendeln.

Keine reine Bildschirmarbeit.

Keine Führungsverantwortung.

Nicht mehr jedes Wochenende arbeiten.

Keine ständig wechselnden Arbeitszeiten.

Das ist keine negative Betrachtung.

Sie definieren damit Rahmenbedingungen.

Versuchen Sie anschließend, aus jedem „Nicht mehr“ eine positive Aussage zu machen.

Aus:

„Keine ständig wechselnden Schichten mehr.“

wird:

„Ich suche möglichst verlässliche Arbeitszeiten.“

Aus:

„Ich möchte nicht mehr ausschließlich allein arbeiten.“

wird:

„Regelmäßiger Kontakt mit Kollegen oder Kunden ist mir wichtig.“

Damit wird aus Ablehnung Orientierung.

6. Was würde ich ausprobieren, wenn ich mich noch nicht entscheiden müsste?

Berufliche Entscheidungen wirken manchmal deshalb so schwer, weil wir glauben, sofort eine endgültige Entscheidung treffen zu müssen.

Versuchen Sie deshalb eine andere Perspektive:

Sie müssen sich heute nicht entscheiden.

Sie sollen lediglich drei Möglichkeiten auswählen, die Sie interessant genug finden, um mehr darüber zu erfahren.

Was würden Sie sich anschauen?

Vielleicht ein anderes Tätigkeitsfeld.

Eine Weiterbildung.

Einen Quereinstieg.

Eine frühere berufliche Idee.

Eine Teilzeittätigkeit.

Eine Selbstständigkeit.

Oder einen Beruf, über den Sie bisher kaum etwas wissen.

Schreiben Sie drei Möglichkeiten auf.

Danach lautet die Frage nicht:

„Welche davon nehme ich?“

Sondern:

„Wie könnte ich mehr darüber erfahren?“

Zum Beispiel durch:

  • Stellenanzeigen
  • Gespräche mit Menschen aus diesem Tätigkeitsfeld
  • Berufsinformationen
  • eine Betriebsbesichtigung
  • eine Informationsveranstaltung
  • ein Praktikum oder eine Hospitation
  • Beratung
  • einen Weiterbildungsträger

Aus einer großen Entscheidung wird dadurch zunächst eine Rechercheaufgabe.

Das nimmt Druck heraus.

7. Was ist der kleinste sinnvolle nächste Schritt?

Jetzt kommt die vielleicht wichtigste Frage.

Nicht:

„Wie löse ich meine gesamte berufliche Zukunft?“

Sondern:

„Was kann ich als Nächstes konkret tun?“

Ein sinnvoller nächster Schritt könnte sein:

eine interessante Stellenanzeige speichern,

den Lebenslauf heraussuchen,

einen Bekannten nach seinem Beruf fragen,

einen Beratungstermin vereinbaren,

eine Weiterbildung recherchieren,

die Arbeitsagentur kontaktieren,

drei interessante Tätigkeitsfelder notieren,

eine Bewerbung abschicken

oder einfach eine Stunde dafür reservieren, die bisherigen Antworten noch einmal durchzugehen.

Der Schritt sollte möglichst konkret sein.

Statt:

„Ich kümmere mich um meine berufliche Zukunft.“

besser:

„Am Donnerstagabend suche ich 30 Minuten nach Stellenanzeigen für zwei Tätigkeitsfelder, die mich interessieren.“

Das lässt sich umsetzen.

Und jetzt?

Wenn Sie die sieben Fragen beantwortet haben, schauen Sie nicht nur auf einzelne Antworten.

Suchen Sie nach Mustern.

Tauchen bestimmte Begriffe mehrfach auf?

Vielleicht schreiben Sie mehrmals:

„Menschen“.

„Ruhe“.

„Abwechslung“.

„Sicherheit“.

„Selbstständig arbeiten“.

„Teilzeit“.

„Praktisch“.

„Verantwortung“.

„Kreativ“.

Solche Wiederholungen können Hinweise darauf geben, welche Bedingungen für Ihre nächste berufliche Aufgabe wichtig sein könnten.

Versuchen Sie anschließend drei Überschriften zu bilden:

Das möchte ich behalten

Was funktioniert bereits und soll auch künftig Teil Ihrer Arbeit sein?

Das möchte ich verändern

Was passt heute nicht mehr?

Das möchte ich untersuchen

Welche Möglichkeiten sind interessant genug, um sie genauer anzuschauen?

Damit haben Sie noch keinen fertigen Berufsplan.

Aber Sie haben etwas anderes:

eine erste berufliche Standortbestimmung.

Eine gute Frage muss nicht sofort eine Antwort liefern

Manchmal wird von Beratung erwartet, möglichst schnell Antworten zu geben.

„Machen Sie diese Weiterbildung.“

„Bewerben Sie sich dort.“

„Dieser Beruf passt zu Ihnen.“

Ich halte einen anderen Weg häufig für nachhaltiger.

Eine gute Frage kann dazu führen, dass jemand Zusammenhänge erkennt, die vorher nicht sichtbar waren.

Aus:

„Ich weiß nicht, was ich machen soll.“

kann beispielsweise werden:

„Ich möchte weiterhin mit Menschen arbeiten, aber nicht mehr im Schichtdienst und nicht mehr körperlich schwer. Teilzeit wäre für mich ideal. Jetzt möchte ich herausfinden, welche Tätigkeiten dazu passen.“

Das Problem ist damit noch nicht vollständig gelöst.

Aber die Ausgangslage hat sich verändert.

Und genau darin kann der Wert einer guten Frage liegen.

Die Antworten dürfen sich verändern

Diese sieben Fragen sind kein Test.

Es gibt keine richtigen oder falschen Antworten.

Und was heute wichtig erscheint, kann in einem Jahr anders aussehen.

Berufliche Orientierung ist deshalb nicht immer eine einmalige Entscheidung.

Sie kann ein Prozess sein.

Manchmal brauchen wir eine neue Antwort.

Und manchmal brauchen wir zunächst nur eine bessere Frage.


Sie möchten Ihre Antworten gemeinsam weiterentwickeln?

Wenn aus ersten Gedanken konkrete berufliche Möglichkeiten werden sollen, können wir Ihre Erfahrungen, Kompetenzen, Interessen und Rahmenbedingungen gemeinsam genauer betrachten.

Daraus können wir mögliche Tätigkeitsfelder entwickeln und anschließend überprüfen, welche davon tatsächlich zu Ihnen und zum Arbeitsmarkt passen.

[Kostenfreies Erstgespräch vereinbaren]

Thomas Saar-Knepper
Systemisches Coaching · Berufliche Beratung · Persönliche Begleitung

Wenn die Arbeitssuche gerade nicht das wichtigste Problem ist

Warum berufliche Veränderung manchmal an einer ganz anderen Stelle beginnt

„Ich brauche einen Job.“

Das kann ein klares Ziel sein. Und trotzdem kann es Situationen geben, in denen die Stellensuche gerade nicht das wichtigste Thema ist.

Vielleicht droht der Verlust der Wohnung.

Vielleicht stapeln sich ungeöffnete Briefe.

Vielleicht belasten finanzielle Sorgen den Alltag.

Vielleicht müssen gleichzeitig Termine bei Behörden, Ärzten oder anderen Stellen organisiert werden.

Vielleicht gibt es Konflikte in der Familie.

Oder die eigene Lebenssituation ist so unübersichtlich geworden, dass schon die Frage „Was möchten Sie beruflich machen?“ kaum zu beantworten ist.

Dann hilft es wenig, einfach die nächste Stellenbörse zu öffnen.

Manchmal muss zunächst etwas anderes geklärt werden.

Arbeitssuche braucht Aufmerksamkeit und Energie

Eine ernsthafte Arbeitssuche verlangt einiges.

Stellen recherchieren, Anforderungen verstehen, Entscheidungen treffen, Bewerbungsunterlagen anpassen, Termine einhalten, telefonieren, E-Mails beantworten und sich auf Gespräche vorbereiten.

Dafür braucht es ein gewisses Maß an Konzentration und Handlungsfähigkeit.

Wer gleichzeitig nicht weiß, ob die Miete im nächsten Monat bezahlt werden kann oder wo er in einigen Wochen wohnen wird, hat verständlicherweise andere Dinge im Kopf.

Das bedeutet nicht, dass berufliche Ziele aufgegeben werden müssen.

Es bedeutet lediglich:

Die Reihenfolge der nächsten Schritte kann eine andere sein.

Was ist gerade wirklich dringend?

In komplexen Situationen möchte man häufig alles gleichzeitig lösen.

Genau das kann dazu führen, dass am Ende gar nichts mehr überschaubar erscheint.

Eine einfache Frage kann helfen:

Was muss zuerst geklärt werden?

Daraus können weitere Fragen entstehen:

  • Was ist heute oder in den nächsten Tagen dringend?
  • Was ist wichtig, kann aber noch etwas warten?
  • Was kann ich selbst erledigen?
  • Wobei brauche ich Unterstützung?
  • Welche Unterlagen oder Informationen fehlen?
  • Welche Stelle ist überhaupt zuständig?
  • Was wäre ein realistischer nächster Schritt?

Aus einem großen Problem entstehen dadurch mehrere kleinere Aufgaben.

Und kleinere Aufgaben lassen sich häufig besser bearbeiten.

Nicht jedes Problem ist ein Coachingthema

Ganzheitliche Beratung bedeutet für mich nicht, für jedes Problem selbst die Lösung anzubieten.

Im Gegenteil.

Manchmal besteht gute Beratung gerade darin zu erkennen, wer an welcher Stelle besser unterstützen kann.

Bei Schulden kann beispielsweise eine Schuldnerberatung sinnvoll sein.

Bei rechtlichen Fragen kann eine Rechtsberatung erforderlich werden.

Bei gesundheitlichen Problemen sind Ärzte oder andere medizinische Fachstellen zuständig.

Bei psychischen Belastungen können entsprechende Beratungsstellen, psychotherapeutische oder psychiatrische Angebote notwendig sein.

Bei drohendem Wohnungsverlust können spezialisierte Beratungsstellen und zuständige Behörden wichtig werden.

Die Aufgabe im Coaching kann dann darin bestehen, die Situation zunächst zu sortieren:

Was ist das Problem? Wer könnte helfen? Was wird dafür benötigt? Und wie gelingt der nächste Kontakt?

Unterstützung heißt nicht, alles abzunehmen

Wenn Menschen unter Druck stehen, ist es verlockend, möglichst viele Aufgaben für sie zu übernehmen.

Kurzfristig kann das entlasten.

Langfristig ist jedoch eine andere Frage wichtiger:

Was hilft dabei, wieder selbst handlungsfähig zu werden?

Deshalb kann Unterstützung ganz unterschiedlich aussehen.

Manchmal reicht es, gemeinsam eine Telefonnummer herauszusuchen.

Manchmal muss ein komplizierter Brief zunächst verständlich gemacht werden.

Vielleicht wird ein wichtiges Gespräch vorbereitet.

Oder Unterlagen werden gemeinsam sortiert und eine Aufgabenliste erstellt.

Und manchmal braucht ein Mensch zunächst Begleitung bei einem Schritt, den er später wieder selbstständig gehen kann.

Das Ziel ist nicht größtmögliche Abhängigkeit von Unterstützung.

Das Ziel ist größtmögliche eigene Handlungsfähigkeit.

Ein ungeöffneter Brief kann wichtiger sein als eine Stellenanzeige

Das klingt zunächst banal.

In der Praxis kann genau dieser Brief aber darüber entscheiden, was als Nächstes möglich ist.

Vielleicht enthält er eine Frist.

Vielleicht wird ein Dokument angefordert.

Vielleicht geht es um Leistungen, Wohnung, Versicherung oder einen wichtigen Termin.

Solange solche Dinge ungeklärt bleiben, erzeugen sie häufig zusätzlichen Druck.

Deshalb kann es sinnvoll sein, einen Beratungstermin nicht mit der Frage nach dem nächsten Arbeitgeber zu beginnen, sondern mit:

„Was beschäftigt Sie gerade am meisten?“

Die Antwort darauf führt nicht immer direkt zum Thema Arbeit.

Sie kann aber erklären, warum berufliche Schritte bisher nicht gelungen sind.

Stabilisierung ist kein Stillstand

Wenn zunächst die Wohnsituation geklärt, eine finanzielle Angelegenheit geordnet oder eine Tagesstruktur aufgebaut wird, kann von außen der Eindruck entstehen, dass beruflich gerade nichts passiert.

Das muss nicht stimmen.

Denn auch solche Schritte können Voraussetzungen dafür schaffen, dass berufliche Entwicklung wieder möglich wird.

Ein Beispiel:

Wer morgens kaum aus dem Bett kommt, Termine regelmäßig verpasst und keinen Überblick über seine Post hat, braucht möglicherweise nicht zuerst zehn neue Stellenangebote.

Ein sinnvollerer Anfang könnte sein:

eine verlässliche Morgenroutine entwickeln,

Termine an einem Ort erfassen,

Post regelmäßig öffnen,

wichtige Aufgaben priorisieren

und vereinbarte Schritte tatsächlich umsetzen.

Das klingt zunächst nicht nach Bewerbungscoaching.

Für eine spätere Beschäftigung können genau diese Fähigkeiten jedoch entscheidend sein.

Gleichzeitig sollte die berufliche Perspektive nicht verschwinden

Es gibt allerdings auch die andere Seite.

Wenn immer neue Probleme auftauchen, kann die berufliche Entwicklung dauerhaft in den Hintergrund geraten.

Deshalb ist es sinnvoll, regelmäßig zu überprüfen:

Was hat sich inzwischen stabilisiert?

Was ist noch offen?

Und können wir den beruflichen Faden wieder aufnehmen?

Ganzheitliche Beratung bedeutet für mich deshalb nicht:

„Erst müssen alle Probleme gelöst sein, dann können wir über Arbeit sprechen.“

Das wäre häufig unrealistisch.

Es geht vielmehr darum, verschiedene Themen sinnvoll miteinander zu verbinden.

Vielleicht wird an einem Termin die Wohnsituation geklärt und beim nächsten der Lebenslauf weiterbearbeitet.

Vielleicht läuft parallel eine Schuldnerberatung, während bereits nach geeigneten Teilzeitstellen gesucht wird.

Vielleicht muss zunächst ein gesundheitliches Thema fachlich abgeklärt werden, während gleichzeitig berufliche Alternativen recherchiert werden.

Das Leben verläuft nicht in sauber getrennten Modulen.

Beratung sollte das berücksichtigen.

Von der Überforderung zum nächsten machbaren Schritt

In schwierigen Situationen ist die Frage nach dem großen Ziel manchmal zu groß.

„Wo möchten Sie in fünf Jahren stehen?“

Darauf muss nicht immer sofort eine Antwort möglich sein.

Eine andere Frage kann hilfreicher sein:

„Was müsste in den nächsten sieben Tagen passieren, damit Ihre Situation ein kleines Stück übersichtlicher wird?“

Vielleicht lautet die Antwort:

einen Brief beantworten,

einen Termin vereinbaren,

fehlende Unterlagen besorgen,

mit einer Beratungsstelle sprechen,

den Lebenslauf suchen,

einen Tagesplan erstellen

oder eine einzige Bewerbung abschicken.

Das erscheint möglicherweise klein.

Aber Veränderung entsteht nicht ausschließlich durch große Entscheidungen.

Sie entsteht häufig dadurch, dass der nächste Schritt tatsächlich gegangen wird.

Arbeit ist wichtig – aber der Mensch besteht nicht nur aus seiner Erwerbsbiografie

Berufliche Integration kann Sicherheit, Struktur, soziale Kontakte, Anerkennung und finanzielle Unabhängigkeit ermöglichen.

Deshalb ist Arbeit ein wichtiges Thema.

Trotzdem lässt sich ein Mensch nicht auf die Frage reduzieren, ob er gerade beschäftigt oder arbeitslos ist.

Wohnsituation, Familie, Gesundheit, finanzielle Sicherheit, soziale Beziehungen und persönliche Erfahrungen wirken auf berufliche Entscheidungen und Möglichkeiten ein.

Wer berufliche Veränderung begleiten möchte, sollte deshalb manchmal über den Lebenslauf hinausschauen.

Nicht um jedes Problem selbst zu lösen.

Sondern um besser zu verstehen, was im Moment einen nächsten beruflichen Schritt ermöglicht – oder verhindert.

Vielleicht beginnt Arbeitssuche manchmal damit, noch nicht nach Arbeit zu suchen

Das klingt widersprüchlich.

Gemeint ist etwas anderes:

Manchmal braucht es zunächst Orientierung.

Manchmal Stabilität.

Manchmal Informationen.

Manchmal eine fachlich passende Unterstützung.

Und manchmal einfach eine klare Reihenfolge.

Danach kann die Frage nach Arbeit wieder in den Mittelpunkt rücken.

Vielleicht sogar mit deutlich besseren Voraussetzungen.

Denn das Ziel guter Beratung ist nicht, möglichst viele Aufgaben gleichzeitig zu bearbeiten.

Das Ziel ist, gemeinsam herauszufinden:

Was ist jetzt wichtig?

Was ist möglich?

Und welcher nächste Schritt bringt tatsächlich etwas in Bewegung?


Sie möchten Ihre Situation zunächst sortieren?

Wenn berufliche Fragen mit anderen Herausforderungen zusammenkommen, kann ein erstes Gespräch helfen, Themen zu ordnen und Prioritäten zu klären.

Gemeinsam können wir betrachten, was aktuell im Vordergrund steht, welche Unterstützung sinnvoll sein könnte und welche nächsten Schritte realistisch sind.

[Kostenfreies Erstgespräch vereinbaren]

Thomas Saar-Knepper
Systemisches Coaching · Berufliche Beratung · Persönliche Begleitung

Was gehört heute noch in einen Lebenslauf?

Klar, relevant und glaubwürdig statt möglichst vollständig

Der Lebenslauf ist noch immer das zentrale Dokument einer Bewerbung.

Aber was gehört heute eigentlich hinein?

Muss ich wirklich jede Tätigkeit seit der Ausbildung aufführen? Gehört das Geburtsdatum noch in den Lebenslauf? Was mache ich mit längeren Unterbrechungen? Brauche ich ein Bewerbungsfoto? Und wie umfangreich darf ein Lebenslauf nach 20 oder 30 Berufsjahren werden?

Gerade Menschen mit längerer Berufserfahrung stehen häufig vor einem Problem:

Sie haben nicht zu wenig für ihren Lebenslauf – sondern zu viel.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht:

„Wie bekomme ich mein gesamtes Berufsleben in dieses Dokument?“

Sondern:

„Was sollte ein Arbeitgeber über mich wissen, damit er meine Eignung für diese Stelle erkennen kann?“

Ein Lebenslauf ist keine vollständige Lebensgeschichte

Ein Lebenslauf soll einen beruflichen Werdegang nachvollziehbar darstellen.

Er muss aber nicht jede Einzelheit des bisherigen Lebens dokumentieren.

Je länger die Berufserfahrung ist, desto wichtiger wird die Auswahl.

Eine Tätigkeit von vor 25 Jahren kann relevant sein – muss es aber nicht.

Umgekehrt kann eine Tätigkeit, die nur wenige Monate gedauert hat, für eine aktuelle Bewerbung ausgesprochen interessant sein, wenn dabei Erfahrungen gesammelt wurden, die für die neue Stelle wichtig sind.

Der Lebenslauf sollte deshalb immer auch mit Blick auf das heutige berufliche Ziel betrachtet werden.

Was gehört grundsätzlich hinein?

Ein moderner tabellarischer Lebenslauf sollte in der Regel folgende Bereiche enthalten:

Persönliche Angaben

Notwendig sind vor allem:

Vor- und Nachname

Wohnort bzw. Kontaktdaten

Telefonnummer

seriöse E-Mail-Adresse

Weitere persönliche Angaben sollten bewusst ausgewählt werden.

Nicht alles, was früher selbstverständlich in einem Lebenslauf stand, ist heute noch erforderlich.

Berufserfahrung

Die beruflichen Stationen bilden bei Berufserfahrenen meistens den wichtigsten Teil.

Üblich ist eine antichronologische Reihenfolge:

Die aktuelle oder letzte Tätigkeit steht oben, ältere Tätigkeiten folgen darunter.

Zu jeder relevanten Station gehören mindestens:

Zeitraum

Arbeitgeber

Ort

Position oder Tätigkeit

Bei wichtigen beruflichen Stationen sollten zusätzlich einige konkrete Aufgaben oder Verantwortungsbereiche genannt werden.

Statt nur:

2014–2025 – Verkäuferin

ist beispielsweise aussagekräftiger:

2014–2025 – Verkäuferin

  • Kundenberatung und Verkauf
  • Warenpräsentation
  • Kassenführung
  • Warenannahme und Bestandskontrolle
  • Bearbeitung von Reklamationen

Damit wird sichtbar, was jemand tatsächlich kann.

Tätigkeiten beschreiben – aber nicht jede gleich ausführlich

Ein häufiger Fehler besteht darin, alle bisherigen Arbeitsstellen mit derselben Ausführlichkeit darzustellen.

Das ist selten notwendig.

Die für die angestrebte Stelle wichtigsten Erfahrungen dürfen ausführlicher beschrieben werden.

Weniger relevante oder lange zurückliegende Tätigkeiten können knapper bleiben.

Damit entsteht eine Gewichtung:

Was soll der Arbeitgeber zuerst wahrnehmen?

Gerade bei einem Quereinstieg ist diese Frage wichtig.

Denn möglicherweise passt die bisherige Berufsbezeichnung nicht zur neuen Stelle – einzelne Erfahrungen und Kompetenzen passen aber sehr gut.

Ausbildung und Weiterbildung

In diesen Bereich gehören insbesondere:

  • Berufsausbildung
  • Studium
  • relevante Weiterbildungen
  • Zusatzqualifikationen
  • gegebenenfalls wichtige Zertifikate

Auch hier gilt:

Nicht jede Schulung der vergangenen 25 Jahre muss aufgeführt werden.

Relevant ist vor allem, was für die aktuelle berufliche Ausrichtung noch Bedeutung hat.

Bei langer Berufserfahrung kann die schulische Ausbildung dagegen deutlich knapper dargestellt werden.

Kenntnisse und Kompetenzen

Je nach Tätigkeit können beispielsweise genannt werden:

EDV-Kenntnisse

Microsoft Office

branchenspezifische Programme

Sprachkenntnisse

Führerschein

Maschinen- oder Gerätekenntnisse

fachliche Zusatzkenntnisse

Dabei sollte die Einschätzung möglichst realistisch bleiben.

Wer beispielsweise vor vielen Jahren regelmäßig mit Word und Excel gearbeitet hat, heute aber kaum noch damit arbeitet, sollte nicht automatisch „sehr gute MS-Office-Kenntnisse“ angeben.

Glaubwürdigkeit ist wichtiger als eine möglichst beeindruckende Formulierung.

Müssen Geburtsdatum und Familienstand hinein?

Nein.

Geburtsdatum, Geburtsort, Familienstand oder die Anzahl der Kinder gehören nicht zwingend in einen modernen Lebenslauf.

Wer solche Angaben machen möchte, kann das teilweise weiterhin tun.

Für die Beurteilung der beruflichen Eignung sind sie jedoch grundsätzlich nicht erforderlich.

Gerade beim Alter kann es eine bewusste Entscheidung sein, ob das Geburtsdatum angegeben wird.

Allerdings lässt sich das ungefähre Alter bei einem ausführlichen beruflichen Werdegang häufig ohnehin erkennen.

Deshalb halte ich es für wichtiger, nicht krampfhaft das Alter zu verstecken, sondern die vorhandene Berufserfahrung überzeugend darzustellen.

Und das Bewerbungsfoto?

Auch ein Bewerbungsfoto ist keine Pflicht.

Trotzdem werden professionelle Bewerbungsfotos in Deutschland weiterhin häufig verwendet.

Ob ein Foto sinnvoll ist, hängt unter anderem von der Branche, der gewünschten Tätigkeit und der persönlichen Entscheidung ab.

Wenn ein Foto verwendet wird, sollte es aktuell und professionell sein.

Ein schlechtes oder deutlich veraltetes Foto verbessert keine Bewerbung.

Dann ist kein Foto häufig die bessere Lösung.

Was mache ich mit Lücken?

Kaum ein längerer Berufsweg verläuft vollkommen ohne Unterbrechungen.

Arbeitslosigkeit, Kindererziehung, Pflege von Angehörigen, Krankheit, Weiterbildung, berufliche Orientierung oder andere persönliche Veränderungen können Teil einer Biografie sein.

Entscheidend ist zunächst:

Eine Unterbrechung macht einen Lebenslauf nicht automatisch schlecht.

Problematischer wird es häufig, wenn versucht wird, Zeiträume durch unklare Angaben oder künstlich veränderte Daten unsichtbar zu machen.

Der bessere Weg ist meistens eine sachliche und nachvollziehbare Darstellung.

Nicht jede persönliche Einzelheit gehört dabei in die Bewerbungsunterlagen.

Ein Lebenslauf muss verständlich sein – aber nicht das gesamte Privatleben erklären.

Wie lang darf ein Lebenslauf sein?

Die häufig genannte Regel „Ein Lebenslauf darf höchstens zwei Seiten haben“ ist mir zu pauschal.

Für Berufseinsteiger können ein oder zwei Seiten vollkommen ausreichen.

Wer dagegen 25 oder 30 Jahre Berufserfahrung, verschiedene Tätigkeitsfelder und relevante Weiterbildungen mitbringt, benötigt möglicherweise mehr Raum.

Entscheidend ist nicht allein die Seitenzahl.

Entscheidend ist:

Ist die Information für die Bewerbung relevant?

Ein übersichtlicher Lebenslauf über drei Seiten kann besser sein als ein auf zwei Seiten zusammengepresstes Dokument, das kaum noch lesbar ist.

Trotzdem lohnt sich immer die Frage:

Kann etwas gekürzt werden, ohne dass wichtige Informationen verloren gehen?

Ein Lebenslauf sollte zur Stelle passen

Das bedeutet nicht, bei jeder Bewerbung die gesamte Biografie neu zu erfinden.

Aber Schwerpunkte dürfen verändert werden.

Wer sich beispielsweise nach vielen Jahren in der Reinigung für eine Tätigkeit in einer Krankenhausküche bewirbt, kann Erfahrungen mit Hygiene, Arbeitsabläufen im Klinikbetrieb, Teamarbeit und Zuverlässigkeit stärker hervorheben.

Wer aus dem sozialen Bereich in eine Verwaltungstätigkeit wechseln möchte, kann Organisation, Dokumentation, Gesprächsführung und digitale Kompetenzen stärker sichtbar machen.

Die bisherige Erfahrung bleibt dieselbe.

Die Perspektive darauf verändert sich.

Was ich bei einem Lebenslauf zuerst prüfen würde

Wenn Sie Ihren Lebenslauf überarbeiten möchten, können fünf Fragen helfen:

1. Ist innerhalb weniger Sekunden erkennbar, was ich beruflich gemacht habe?

2. Sind meine wichtigsten Erfahrungen und Kompetenzen sichtbar?

3. Passt die Gewichtung zu der Stelle, die ich heute suche?

4. Sind Zeiträume nachvollziehbar und Angaben glaubwürdig?

5. Enthält der Lebenslauf Informationen, die für meine heutige Bewerbung eigentlich keine Bedeutung mehr haben?

Diese Fragen sind häufig hilfreicher als die Suche nach der perfekten Vorlage.

Der Lebenslauf muss nicht perfekt aussehen. Er muss zu Ihnen passen.

Natürlich sollte ein Lebenslauf ordentlich, übersichtlich und professionell gestaltet sein.

Aber gutes Design kann fehlende Klarheit nicht ersetzen.

Ein moderner Lebenslauf muss deshalb nicht besonders außergewöhnlich aussehen.

Er sollte dem Arbeitgeber ermöglichen, schnell zu verstehen:

Was hat dieser Mensch bisher gemacht?

Was kann er?

Welche Erfahrungen sind für unsere Stelle interessant?

Und warum könnte der nächste berufliche Schritt gerade hier sinnvoll sein?

Genau dann erfüllt ein Lebenslauf seine eigentliche Aufgabe.


Sie möchten Ihren Lebenslauf überprüfen oder neu ausrichten?

Gerade nach vielen Berufsjahren, bei einem Wiedereinstieg oder einem geplanten Quereinstieg lohnt sich häufig ein neuer Blick auf vorhandene Bewerbungsunterlagen.

Gemeinsam können wir prüfen, welche Erfahrungen für Ihr heutiges berufliches Ziel relevant sind, was stärker sichtbar werden sollte und was möglicherweise nicht mehr benötigt wird.

[Bewerbungscheck vereinbaren]

Thomas Saar-Knepper
Systemisches Coaching · Berufliche Beratung · Persönliche Begleitung

Muss ich wirklich etwas verändern?

Wenn der bisherige Beruf nicht mehr richtig passt

Nicht jede Unzufriedenheit im Beruf bedeutet, dass man sofort kündigen oder etwas völlig Neues anfangen sollte.

Es gibt anstrengende Wochen. Schwierige Kollegen. Veränderungen im Unternehmen. Phasen, in denen die Motivation geringer ist. Und manchmal braucht es schlicht Urlaub.

Aber es gibt auch dieses andere Gefühl:

Eigentlich passt es schon länger nicht mehr.

Vielleicht ist die Arbeit körperlich zu belastend geworden.

Vielleicht stimmen Arbeitszeiten und Lebenssituation nicht mehr überein.

Vielleicht hat sich der Beruf verändert.

Vielleicht sind die eigenen Interessen heute andere als vor zehn oder zwanzig Jahren.

Oder es gibt gar keinen einzelnen konkreten Grund.

Nur zunehmend die Frage:

Soll das beruflich wirklich so weitergehen?

Diese Frage ist noch keine Entscheidung.

Aber sie kann ein guter Anlass sein, genauer hinzuschauen.

Berufliche Veränderung muss nicht mit einer Kündigung beginnen

Wer über berufliche Neuorientierung nachdenkt, hat manchmal sofort sehr große Veränderungen vor Augen:

Kündigen. Umschulen. Noch einmal eine Ausbildung beginnen. Einen völlig neuen Beruf erlernen.

Das kann notwendig oder sinnvoll sein.

Es muss aber nicht der erste Schritt sein.

Berufliche Neuorientierung beginnt zunächst mit Orientierung.

Bevor entschieden wird, wohin es gehen soll, lohnt sich deshalb die Frage:

Was genau passt an meiner jetzigen Situation eigentlich nicht mehr?

Denn darauf können sehr unterschiedliche Antworten entstehen.

Ist es wirklich der Beruf?

Das ist eine der wichtigsten Fragen.

Vielleicht macht die eigentliche Tätigkeit weiterhin Freude – aber die Arbeitsbedingungen stimmen nicht mehr.

Vielleicht passt der Beruf, aber nicht mehr der Arbeitgeber.

Vielleicht ist Vollzeit inzwischen zu viel, während dieselbe Tätigkeit mit 25 oder 30 Stunden gut vorstellbar wäre.

Vielleicht stören Schichtdienst, Arbeitsweg oder Wochenendarbeit.

Vielleicht fehlt Entwicklung.

Oder die Arbeit ist körperlich nicht mehr dauerhaft machbar.

Dann lautet die Lösung möglicherweise nicht:

„Ich brauche einen völlig neuen Beruf.“

Sondern:

„Ich brauche andere Bedingungen.“

Das ist ein erheblicher Unterschied.

Was soll bleiben?

Bei beruflicher Neuorientierung wird häufig zuerst darüber gesprochen, was weg soll.

Kein Schichtdienst mehr.

Keine schwere körperliche Arbeit.

Nicht mehr ausschließlich am Schreibtisch sitzen.

Weniger Zeitdruck.

Keine langen Arbeitswege.

Das ist wichtig.

Mindestens ebenso interessant finde ich jedoch eine andere Frage:

Was möchten Sie aus Ihrem bisherigen Berufsleben unbedingt mitnehmen?

Vielleicht den Kontakt mit Menschen.

Vielleicht selbstständiges Arbeiten.

Vielleicht die Sicherheit klarer Abläufe.

Vielleicht Kreativität.

Vielleicht praktische Tätigkeiten.

Vielleicht Verantwortung.

Vielleicht Teamarbeit.

Vielleicht gerade die Möglichkeit, weitgehend allein zu arbeiten.

Berufliche Neuorientierung bedeutet nicht zwangsläufig, alles Bisherige hinter sich zu lassen.

Häufig geht es darum, Bewährtes mit neuen Möglichkeiten zu verbinden.

Die eigene Erfahrung noch einmal neu betrachten

Nach vielen Berufsjahren erscheint das eigene Können oft selbstverständlich.

„Das habe ich eben immer gemacht.“

Gerade darin können jedoch Kompetenzen stecken, die auch in anderen Tätigkeitsfeldern interessant sind.

Wer jahrelang Kunden betreut hat, bringt möglicherweise Kommunikations- und Konflikterfahrung mit.

Wer in Produktion oder Handwerk gearbeitet hat, verfügt vielleicht über technisches Verständnis, Qualitätsbewusstsein und praktische Problemlösungskompetenz.

Wer lange im sozialen Bereich tätig war, hat möglicherweise Gesprächsführung, Organisation und Dokumentation gelernt.

Wer Familie, Beruf und vielleicht zusätzlich die Pflege von Angehörigen organisiert hat, kennt Verantwortung, Planung und Priorisierung aus einer weiteren Perspektive.

Deshalb kann eine hilfreiche Frage lauten:

Was kann ich heute, das ich am Anfang meines Berufslebens noch nicht konnte?

Die Antwort darauf steht nicht immer in einem Zeugnis.

Was möchte ich nicht mehr?

Auch diese Frage darf ausdrücklich gestellt werden.

Denn berufliche Erfahrung bedeutet nicht nur zu wissen, was man kann.

Sie bedeutet häufig auch, genauer zu wissen, unter welchen Bedingungen man nicht mehr arbeiten möchte.

Das ist kein Defizit.

Es ist Information.

Eine Liste könnte beispielsweise so aussehen:

  • keine dauerhafte Nachtarbeit
  • möglichst keine Wochenenden
  • weniger körperliche Belastung
  • maximal 30 Stunden
  • Arbeitsweg höchstens 45 Minuten
  • weiterhin Kontakt mit Menschen
  • keine Führungsverantwortung
  • verlässliche Arbeitszeiten

Plötzlich wird aus einem diffusen Veränderungswunsch ein erstes berufliches Profil.

Noch fehlt vielleicht die Berufsbezeichnung.

Aber die Richtung wird klarer.

Was brauche ich heute?

Mit 20 werden berufliche Entscheidungen unter anderen Bedingungen getroffen als mit 40, 50 oder 60.

Das ist selbstverständlich – wird bei beruflicher Neuorientierung aber manchmal vergessen.

Die Frage sollte deshalb nicht nur lauten:

„Welcher Beruf interessiert mich?“

Sondern auch:

„Welche Arbeit passt zu meinem heutigen Leben?“

Dabei können beispielsweise eine Rolle spielen:

Arbeitszeit,

Gesundheit und Belastbarkeit,

familiäre Verpflichtungen,

finanzielle Anforderungen,

Mobilität,

Wohnort,

Sicherheitsbedürfnis,

soziale Kontakte,

Entwicklungsmöglichkeiten

und persönliche Interessen.

Ein berufliches Ziel ist wenig hilfreich, wenn es dauerhaft nicht zu den eigenen Rahmenbedingungen passt.

Muss aus einem Interesse gleich ein neuer Beruf werden?

Nicht unbedingt.

Jemand arbeitet gerne mit Menschen.

Ein anderer interessiert sich für Tiere.

Jemand arbeitet gerne handwerklich.

Eine andere Person organisiert gerne.

Solche Interessen sind zunächst Hinweise – noch keine fertigen Berufsentscheidungen.

Der nächste Schritt besteht darin, genauer hinzusehen:

Was genau gefällt mir daran?

Wer beispielsweise „gerne mit Menschen arbeitet“, könnte Beratung meinen, Verkauf, Betreuung, Empfang, Anleitung, Pflege, Service oder Teamarbeit.

Wer „gerne am Computer arbeitet“, könnte damit Organisation, Gestaltung, Recherche, Zahlen, Kommunikation oder technische Aufgaben meinen.

Je genauer ein Interesse beschrieben wird, desto mehr berufliche Möglichkeiten werden sichtbar.

Ideen müssen den Realitätstest bestehen

Coaching kann Möglichkeiten öffnen.

Berufliche Beratung sollte aber auch überprüfen, ob diese Möglichkeiten tatsächlich tragfähig sind.

Deshalb gehört zur Neuorientierung irgendwann der Blick auf den Arbeitsmarkt.

Welche Stellen gibt es?

Welche Qualifikationen werden verlangt?

Welche Tätigkeiten stecken tatsächlich hinter einer Berufsbezeichnung?

Welche Arbeitszeiten sind üblich?

Wie wird bezahlt?

Ist ein direkter Quereinstieg möglich?

Brauche ich eine Weiterbildung?

Und gibt es diese Arbeitsplätze überhaupt dort, wo ich leben und arbeiten möchte?

Eine berufliche Idee wird dadurch konkreter.

Manchmal bestätigt die Recherche eine Richtung.

Manchmal zeigt sie, dass etwas angepasst werden muss.

Beides ist ein gutes Ergebnis.

Nicht sofort entscheiden – zunächst ausprobieren

Nicht jede berufliche Frage muss ausschließlich durch Nachdenken beantwortet werden.

Manche Antworten entstehen erst durch Erfahrung.

Deshalb können – abhängig von der jeweiligen Situation – beispielsweise hilfreich sein:

ein Gespräch mit jemandem aus dem Beruf,

eine Betriebsbesichtigung,

ein Praktikum,

eine Hospitation,

ein Probearbeitstag,

eine Informationsveranstaltung,

eine Weiterbildung mit Praxisanteil

oder eine gezielte Recherche konkreter Stellenanzeigen.

Die Frage verändert sich dann von:

„Könnte ich mir das vorstellen?“

zu:

„Wie fühlt sich diese Tätigkeit tatsächlich an?“

Das kann manche Entscheidung erheblich erleichtern.

Eine Neuorientierung darf auch klein sein

Berufliche Veränderung muss nicht spektakulär sein.

Vielleicht bleibt der Beruf gleich und nur der Arbeitgeber ändert sich.

Vielleicht wird aus Vollzeit Teilzeit.

Vielleicht führt ein Quereinstieg in ein benachbartes Tätigkeitsfeld.

Vielleicht ergänzt eine kurze Weiterbildung die vorhandenen Kompetenzen.

Vielleicht wird eine frühere Erfahrung wieder interessant.

Und manchmal entsteht tatsächlich etwas vollkommen Neues.

Entscheidend ist nicht die Größe der Veränderung.

Entscheidend ist, ob sie zur heutigen Situation passt.

Fünf Fragen für eine erste berufliche Standortbestimmung

Wenn Sie überlegen, ob sich beruflich etwas verändern sollte, können Sie mit diesen Fragen beginnen:

1. Was stört mich an meiner derzeitigen beruflichen Situation konkret?

2. Was davon möchte ich in einer neuen Tätigkeit nicht mehr haben?

3. Was möchte ich unbedingt behalten?

4. Welche Erfahrungen und Fähigkeiten möchte ich künftig stärker nutzen?

5. Welche Rahmenbedingungen brauche ich heute, damit Arbeit dauerhaft zu meinem Leben passt?

Sie müssen daraus noch keinen neuen Beruf ableiten.

Vielleicht entsteht zunächst nur ein klareres Bild davon, wonach Sie eigentlich suchen.

Das ist bereits ein wichtiger Schritt.

Nicht immer braucht es sofort einen Plan B

Berufliche Neuorientierung beginnt für mich nicht mit der Aufforderung:

„Sie müssen etwas Neues machen.“

Sie beginnt mit Fragen.

Was passt noch?

Was passt nicht mehr?

Was hat sich verändert?

Was ist bereits vorhanden?

Welche Möglichkeiten könnten daraus entstehen?

Und welche davon lohnt es sich, genauer anzuschauen?

Vielleicht führt diese Klärung zu einem Berufswechsel.

Vielleicht zu einem anderen Arbeitgeber.

Vielleicht zu Weiterbildung, Teilzeit oder Quereinstieg.

Und manchmal führt sie auch zu der Erkenntnis:

Eigentlich möchte ich meinen Beruf behalten – nur unter anderen Bedingungen.

Auch das ist berufliche Orientierung.

Denn eine gute Entscheidung muss nicht möglichst viel verändern.

Sie sollte möglichst gut zur eigenen Situation passen.


Sie überlegen, ob sich beruflich etwas verändern sollte?

Sie müssen noch nicht wissen, welcher Beruf oder welche Stelle es werden soll.

In einer beruflichen Standortbestimmung können wir zunächst gemeinsam betrachten, was Sie mitbringen, was sich verändern soll und welche beruflichen Möglichkeiten zu Ihrer heutigen Situation passen könnten.

[Kostenfreies Erstgespräch vereinbaren]

Thomas Saar-Knepper
Systemisches Coaching · Berufliche Beratung · Persönliche Begleitung

Was kann ich eigentlich noch machen?

Berufliche Neuorientierung nach vielen Berufsjahren

„Was kann ich eigentlich noch machen?“

Diese Frage klingt zunächst einfach.

In der Beratung steckt dahinter jedoch häufig sehr viel mehr.

Vielleicht hat jemand zwanzig oder dreißig Jahre im gleichen Beruf gearbeitet. Vielleicht ist die bisherige Tätigkeit körperlich zu anstrengend geworden. Vielleicht haben sich familiäre Rahmenbedingungen verändert. Vielleicht ist nach längerer Arbeitslosigkeit der Wiedereinstieg schwierig.

Oder es gibt gar keinen konkreten äußeren Anlass.

Nur das Gefühl:

Ich möchte beruflich nicht einfach so weitermachen wie bisher.

Dann beginnt berufliche Neuorientierung.

Und zwar nicht zwangsläufig mit einer Stellenanzeige.

Mit 50 beginnt man nicht bei null

Gerade Menschen mit langer Berufserfahrung unterschätzen manchmal, was sie tatsächlich mitbringen.

Wer beispielsweise zwanzig Jahre in einer Klinikreinigung gearbeitet hat, hat nicht einfach nur „gereinigt“.

Möglicherweise gehören dazu auch:

  • selbstständiges Arbeiten
  • Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit
  • Arbeiten nach klaren Qualitätsstandards
  • Hygienevorschriften
  • Umgang mit unterschiedlichen Berufsgruppen
  • Kommunikation mit Patienten oder Kunden
  • Zeitmanagement
  • Belastbarkeit
  • Arbeiten im Team
  • Verantwortung für bestimmte Bereiche
  • Umgang mit unerwarteten Situationen

Das sind Kompetenzen.

Sie stehen nur nicht immer ausdrücklich im Lebenslauf.

Eine berufliche Neuorientierung beginnt deshalb häufig damit, die eigene berufliche Vergangenheit noch einmal mit einem anderen Blick zu betrachten.

Die entscheidende Frage lautet nicht nur: Was habe ich gemacht?

Mindestens ebenso wichtig ist:

Was davon möchte ich weiterhin machen?

Vielleicht arbeitet jemand gerne mit Menschen, möchte aber nicht mehr im Verkauf tätig sein.

Vielleicht war die Tätigkeit im Büro grundsätzlich passend, der permanente Zeitdruck jedoch nicht.

Vielleicht möchte jemand weiterhin praktisch arbeiten, kann aber körperlich schwere Tätigkeiten nicht mehr ausüben.

Oder jemand möchte nach vielen Jahren Vollzeit künftig nur noch 25 oder 30 Stunden arbeiten.

Das verändert die Suche.

Deshalb gehören für mich zu einer beruflichen Standortbestimmung mindestens drei Perspektiven:

Was bringe ich mit?

Erfahrungen, Kompetenzen, Qualifikationen und persönliche Stärken.

Was möchte ich?

Interessen, Tätigkeiten, Arbeitsumfeld und persönliche Ziele.

Was ist realistisch möglich?

Arbeitsmarkt, Arbeitszeit, Mobilität, gesundheitliche oder familiäre Rahmenbedingungen und gegebenenfalls notwendige Weiterbildung.

Erst dort, wo sich diese drei Bereiche überschneiden, entstehen wirklich interessante berufliche Möglichkeiten.

Auch zu wissen, was man nicht mehr möchte, ist wertvoll

In Beratungsgesprächen höre ich häufig:

„Ich weiß nicht, was ich machen möchte.“

Meine nächste Frage könnte dann sein:

„Wissen Sie denn, was Sie nicht mehr machen möchten?“

Darauf gibt es erstaunlich oft eine sehr konkrete Antwort.

Keine Nachtschichten mehr.

Nicht mehr ausschließlich sitzen.

Nicht mehr den ganzen Tag körperlich arbeiten.

Keine Personalverantwortung mehr.

Mehr Kontakt mit Menschen.

Weniger Kontakt mit Menschen.

Nicht mehr zwei Stunden täglich pendeln.

Keine Vollzeitstelle mehr.

Das klingt zunächst wie eine Liste von Einschränkungen.

Tatsächlich entstehen daraus aber Kriterien für eine neue berufliche Perspektive.

Aus einem unbestimmten „Ich weiß nicht, was ich machen soll“ wird Schritt für Schritt ein klareres Bild.

Quereinstieg bedeutet nicht, die bisherige Erfahrung wegzuwerfen

Ein Berufswechsel wird manchmal so betrachtet, als müsse man noch einmal ganz von vorne anfangen.

Das stimmt häufig nicht.

Interessanter ist die Frage:

Welche meiner bisherigen Erfahrungen lassen sich in ein anderes Tätigkeitsfeld übertragen?

Eine langjährige Verkäuferin bringt beispielsweise Kundenkommunikation und Konflikterfahrung mit.

Ein Handwerker möglicherweise Organisation, Problemlösung und technisches Verständnis.

Eine Reinigungskraft aus einem Krankenhaus kennt Arbeitsabläufe, Hygieneanforderungen und den Umgang mit Menschen in besonderen Situationen.

Eine ehemalige Erzieherin bringt möglicherweise auch nach vielen Jahren außerhalb ihres ursprünglichen Berufs soziale und kommunikative Kompetenzen mit.

Die Berufsbezeichnung verändert sich.

Viele Kompetenzen bleiben.

Weiterbildung kann sinnvoll sein – aber nicht als Selbstzweck

Bei einer beruflichen Neuorientierung taucht schnell die Frage nach Weiterbildung auf.

Auch hier lohnt sich zunächst ein genauerer Blick.

Eine Weiterbildung ist besonders sinnvoll, wenn klar ist:

Welches berufliche Ziel soll damit erreicht werden?

Welche konkrete Qualifikation fehlt dafür?

Wird diese Qualifikation auf dem Arbeitsmarkt tatsächlich verlangt?

Passt die Weiterbildung zu den persönlichen Voraussetzungen?

Erst danach sollte die Frage kommen, welcher Kurs oder welcher Anbieter infrage kommt.

Nicht jede Weiterbildung verbessert automatisch die beruflichen Chancen.

Eine Weiterbildung sollte möglichst eine Brücke zwischen vorhandener Erfahrung und einem realistischen beruflichen Ziel sein.

Und dann kommt der Arbeitsmarkt

Berufliche Orientierung darf nicht ausschließlich im Gespräch stattfinden.

Irgendwann müssen die Ideen mit der Realität abgeglichen werden.

Gibt es entsprechende Stellen?

Welche Anforderungen stellen Arbeitgeber?

Welche Arbeitszeiten werden angeboten?

Wie weit wäre der Arbeitsweg?

Welche Qualifikationen werden tatsächlich verlangt?

Und nicht zuletzt:

Wie fühlt sich eine konkrete Stellenanzeige an?

Manchmal verändert sich eine berufliche Idee sehr schnell, wenn aus einem abstrakten Berufsbild eine konkrete Tätigkeit wird.

Deshalb kann Stellenrecherche bereits Teil der beruflichen Orientierung sein – lange bevor die erste Bewerbung geschrieben wird.

Erst danach kommt die Bewerbung

Wenn eine Richtung erkennbar wird, können Lebenslauf und Bewerbung darauf abgestimmt werden.

Dann verändert sich auch die Perspektive auf den Lebenslauf.

Er lautet nicht mehr:

„Das habe ich alles irgendwann einmal gemacht.“

Sondern:

„Das davon ist für meine nächste berufliche Aufgabe relevant.“

Das ist ein erheblicher Unterschied.

Eine gute Bewerbung erzählt deshalb keine erfundene Erfolgsgeschichte.

Sie macht nachvollziehbar, warum bisherige Erfahrungen, heutige Motivation und eine neue berufliche Aufgabe zusammenpassen können.

Vielleicht lautet die bessere Frage also nicht: Was kann ich noch machen?

Sondern:

Was bringe ich bereits mit?

Was möchte ich davon weiterhin nutzen?

Was soll sich verändern?

Welche Bedingungen brauche ich heute?

Welche Möglichkeiten gibt es tatsächlich?

Und schließlich:

Welchen dieser Wege möchte ich als Nächstes genauer untersuchen?

Berufliche Neuorientierung muss nicht damit beginnen, bereits den neuen Beruf zu kennen.

Sie kann damit beginnen, die eigene Situation genauer zu verstehen.

Aus Möglichkeiten werden dann Optionen.

Aus Optionen können Entscheidungen entstehen.

Und aus einer Entscheidung wird irgendwann ein nächster konkreter Schritt.


Sie denken über eine berufliche Veränderung nach?

In einer beruflichen Standortbestimmung können wir gemeinsam Ihre Erfahrungen, Kompetenzen, Interessen und heutigen Rahmenbedingungen betrachten und daraus mögliche berufliche Richtungen entwickeln.

Dabei muss das Ergebnis nicht bereits vor dem ersten Gespräch feststehen.

Genau dafür ist die Beratung da.

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Thomas Saar-Knepper
Systemisches Coaching · Berufliche Beratung · Persönliche Begleitung

Nicht jeder Weg ist geradlinig – und das muss er auch nicht sein

Warum ich diese Seite starte

Berufliche und persönliche Veränderungen beginnen selten an einem sauber definierten Ausgangspunkt.

Manchmal beginnt Veränderung mit dem Gedanken:

„So wie bisher möchte ich nicht weitermachen.“

Manchmal mit einer Kündigung, einer längeren Phase ohne Arbeit, einer Veränderung in der Familie oder der Erkenntnis, dass der Beruf, der viele Jahre gepasst hat, heute nicht mehr der richtige ist.

Und manchmal lässt sich gar nicht genau benennen, was eigentlich verändert werden soll. Man merkt lediglich: Irgendetwas passt nicht mehr.

Genau an solchen Punkten kann Beratung hilfreich sein.

Nicht immer braucht es sofort eine Lösung

In meiner bisherigen Arbeit als Coach und Berater habe ich viele Menschen in sehr unterschiedlichen Lebenssituationen kennengelernt.

Dabei ist mir eines immer wieder begegnet:

Von Menschen wird häufig erwartet, dass sie bereits eine Antwort kennen.

Welchen Beruf möchten Sie ausüben?

Wo sehen Sie sich in einigen Jahren?

Was ist Ihr nächstes berufliches Ziel?

Welche Stelle suchen Sie?

Was möchten Sie verändern?

Das sind berechtigte Fragen. Aber nicht jeder Mensch kann sie sofort beantworten.

Und vielleicht ist das auch gar nicht notwendig.

Manchmal besteht der erste sinnvolle Schritt nicht darin, eine Antwort zu finden.

Manchmal besteht er darin, die richtige Frage zu entdecken.

Berufliche Veränderung beginnt für mich deshalb nicht mit dem Lebenslauf

Natürlich gehören Lebenslauf, Stellenrecherche, Bewerbungsportale und Vorstellungsgespräche zu einer professionellen beruflichen Beratung.

Aber bevor wir darüber sprechen, wie eine Bewerbung aussehen sollte, interessiert mich etwas anderes:

Wo stehen Sie heute?

Was haben Sie bisher gemacht?

Was davon möchten Sie weiterhin tun?

Was möchten Sie nicht mehr?

Was können Sie besonders gut?

Was ist Ihnen heute wichtiger als vielleicht noch vor zehn Jahren?

Und welche Rahmenbedingungen müssen berücksichtigt werden, damit eine berufliche Perspektive nicht nur auf dem Papier funktioniert, sondern auch im Alltag?

Gerade Menschen mit langer Berufserfahrung bringen häufig sehr viel mehr mit, als in einem tabellarischen Lebenslauf sichtbar wird.

Erfahrung lässt sich nicht ausschließlich in Beschäftigungszeiten messen.

Manchmal ist Arbeit auch gar nicht das erste Thema

Das habe ich in meiner bisherigen Beratungspraxis ebenfalls gelernt.

Es ist wenig hilfreich, mit einem Menschen über die perfekte Bewerbung zu sprechen, wenn gleichzeitig ungeklärte finanzielle Fragen, Schwierigkeiten mit der Wohnung, familiäre Belastungen oder wichtige Behördenangelegenheiten seine gesamte Aufmerksamkeit beanspruchen.

Dann müssen möglicherweise zunächst andere Dinge sortiert werden.

Was ist dringend?

Was ist wichtig?

Was kann warten?

Was kann ich selbst verändern?

Und wo benötige ich Unterstützung?

Aus einem scheinbar unüberschaubaren Berg unterschiedlicher Probleme können so einzelne, bearbeitbare Schritte entstehen.

Das ist für mich ein wesentlicher Bestandteil ganzheitlicher Beratung.

Coaching bedeutet für mich nicht, anderen Menschen zu sagen, was sie tun sollen

Der systemische Ansatz geht von einer für mich sehr wichtigen Grundidee aus:

Menschen verfügen über Erfahrungen, Fähigkeiten und Ressourcen, die für die Entwicklung eigener Lösungen genutzt werden können.

Als Coach muss ich deshalb nicht die bessere Antwort auf das Leben eines anderen Menschen kennen.

Meine Aufgabe ist eine andere.

Ich kann Fragen stellen.

Ich kann Zusammenhänge sichtbar machen.

Ich kann dabei helfen, Gedanken zu sortieren.

Ich kann Informationen geben und Möglichkeiten aufzeigen.

Ich kann eine andere Perspektive anbieten.

Und wenn es notwendig ist, kann Beratung auch sehr praktisch werden.

Dann wird gemeinsam recherchiert, strukturiert, vorbereitet oder ein konkreter nächster Schritt geplant.

Aber die Entscheidung darüber, welcher Weg passt, bleibt bei dem Menschen, der ihn anschließend gehen wird.

Genau darum geht es auf dieser Seite

Mit dieser Website möchte ich einen Ort schaffen, an dem sich diese unterschiedlichen Aspekte meiner Arbeit miteinander verbinden.

Es wird deshalb nicht ausschließlich um Coaching gehen.

Ich werde hier über berufliche Orientierung und Neuorientierung, Bewerbungen und Arbeitsmarkt schreiben.

Über systemisches Coaching, Entscheidungen, Ressourcen und Veränderungsprozesse.

Über Menschen, die nach vielen Berufsjahren noch einmal überlegen:

Was könnte ich eigentlich noch machen?

Aber auch über die ganz praktischen Fragen, die berufliche und persönliche Veränderungen begleiten können.

Wie bereite ich ein wichtiges Gespräch vor?

Wie strukturiere ich eine komplizierte Situation?

Wie gehe ich mit Jobcenter oder Arbeitsagentur in ein Gespräch?

Wie finde ich heraus, welche Weiterbildung tatsächlich sinnvoll sein könnte?

Wie kann aus vielen gleichzeitig offenen Baustellen wieder ein überschaubarer nächster Schritt entstehen?

Dabei möchte ich nicht behaupten, für jede dieser Fragen eine einfache Antwort zu haben.

Mich interessiert vielmehr, wie gute Fragen dabei helfen können, eigene Antworten zu entwickeln.

Vielleicht ist genau das ein guter Ausgangspunkt

Nicht jeder Weg ist geradlinig.

Berufliche Biografien sind es selten.

Das Leben erst recht nicht.

Um etwas zu verändern, muss deshalb nicht schon der gesamte Weg feststehen.

Manchmal reicht zunächst eine Vorstellung davon, wohin es gehen könnte.

Und manchmal reicht sogar noch weniger:

ein nächster Schritt, der sich richtig und machbar anfühlt.

Genau dort kann Coaching beginnen.


Sie möchten Ihre eigene Situation sortieren?

Wenn Sie sich beruflich neu orientieren möchten, vor einer Entscheidung stehen oder zunächst herausfinden wollen, welches Thema für Sie gerade eigentlich im Vordergrund steht, können wir uns in einem unverbindlichen Erstgespräch kennenlernen.

[Kostenfreies Erstgespräch vereinbaren]

Thomas Saar-Knepper
Systemisches Coaching · Berufliche Beratung · Persönliche Begleitung